Szilveszter Szebeni ist Fachmann für Informationssicherheit und Kryptografie.
Hybrid Work entwickelt sich vom Trendthema zum Standard. In einer Umfrage des Deutschen Innovationsinstituts für Nachhaltigkeit und Digitalisierung (DIND) sprechen sich 82 Prozent der befragten Führungskräfte aus dem Mittelstand im Juni 2022 gegen eine Abschaffung des Homeoffice aus. Und das, obwohl sie das Arbeiten von zu Hause aus hinsichtlich der Produktivität und Kreativität ihrer Mitarbeiter eher negativ beurteilen. Angesichts des Fachkräftemangels bleibt Personalverantwortlichen dennoch oft keine Wahl, als dem Wunsch vieler Arbeitnehmer nach Homeoffice oder einer Mischung aus Präsenz- und Fernarbeit (Hybrid Work) zu entsprechen. Doch wie sicher ist hybrides Arbeiten? Machen sich Unternehmen angreifbarer, wenn sie ihren Mitarbeitern hybrides Arbeiten ermöglichen?
Um die Antwort besser einordnen zu können, lohnt es, sich in Cyberkriminelle hineinzuversetzen. Wie Unternehmen wollen auch sie ihre Ressourcen möglichst effektiv nutzen. Dafür suchen sie gezielt nach möglichen Schwachstellen. Im Homeoffice ergeben sich diese besonders dort, wo Mitarbeiter nicht über die gleiche Sicherheitsinfrastruktur verfügen wie im Büro. Unternehmen sollten Homeoffice daher nur auf Rechnern ermöglichen, die sie selbst zur Verfügung stellen und auf denen sie Updates und Sicherheits-Patches regelmäßig durchführen. Veraltete Software läuft stets Gefahr, Sicherheitslücken zu schaffen.
Ein weiteres Einfallstor für Cyberkriminelle sind nicht-geschützte Datenübertragungswege. Eine Mindestanforderung an IT-Systeme mit hybriden Arbeitsplätzen ist daher der Schutz des Netzwerks durch ein Virtual Private Network (VPN). Zugriff auf die Ressourcen des Netzwerks, z.B. Programme und Dateien, hat so nur, wer sich gegenüber dem VPN autorisieren kann. Wie ein Tunnel schützt die Technologie VPN-Nutzer vor fremden Blicken auf Daten in einem öffentlichen Wlan – und ermöglicht damit beispielsweise mobiles Arbeiten in der Bahn. Einen Schutz vor Cyberangriffen bieten VPN aber nicht. Phishing-Attacken oder das Abfangen von Daten, bevor Sender sie ver- oder nachdem Empfänger sie entschlüsseln, sind trotz VPN möglich.
Wer es Cyberkriminellen so schwer wie möglich machen will, Daten zu stehlen, manipulieren oder anderweitig unrechtmäßig zu verarbeiten, setzt auf Ende-zu-Ende-Verschlüsselung nach dem Zero-Knowledge-Prinzip. Mithilfe von entsprechender Software lassen sich heute konsequent alle Dateien und relevanten Metadaten automatisch vor dem Senden verschlüsseln. Entschlüsseln kann die Daten dann erst wieder die Client-Anwendung des Empfängers. Das Zero-Knowledge-Prinzip macht es dabei unnötig, den Anbietern solcher Sicherheits-Tools zu vertrauen. Denn auch diese haben weder Zugriff auf die verschlüsselten Daten noch auf den Verschlüsselungscode. Gelänge Cyberkriminellen ein Angriff auf den jeweiligen Cloud-Dienst, könnten sie also in diesem sehr unwahrscheinlichen Fall bestenfalls unbrauchbaren Datensalat ernten.
Bildquelle: Tresorit