„Es gibt sehr viele gute Gründe, IT nicht zu kaufen und in das Anlagevermögen zu nehmen“, betont Guido Keßler, Director Financial Services bei Fujitsu Technology Solutions.
ITM: Herr Keßler, welche IT-Finanzierungsmodelle sind im Mittelstand derzeit besonders gefragt?
Guido Keßler: Nach unserer Erfahrung fragen Mittelständler für ihre IT-Investitionen in immer stärkerem Maße Finanzierungslösungen nach, die folgende Ziele ermöglichen:
Die neusten Angebote gehen dann in Richtung Cloud Computing. Wir haben für den Mittelstand spezielle Infrastructure-as-a-Service-Modelle, bei denen wir die Rechenleistung mietweise über eine besonders gesicherte VPN-Verbindung aus einem unserer Tier-III-Rechenzentren zur Verfügung stellen; der Kunde muss also nicht mal mehr Infrastruktur in Form von Rechenzentrumsfläche, Klimatisierung, Strom etc. zur Verfügung stellen und spart dadurch zusätzlich an Kosten.
Zusammengefasst ist unsere Erfahrung, dass eine Standardfinanzierungslösung heute nicht mehr ausreichend ist, um den wachsenden Anforderungen der Anwender Rechnung zu tragen.
ITM: Inwiefern ist hier das Thema „Remarketing“ für Mittelstandsunternehmen interessant?
Keßler: Dieses Thema kann aus drei unterschiedlichen Perspektiven interessant sein:
1. Aktiver Austausch – Es gibt einerseits natürlich eine direkte Auswirkung dadurch, dass Unternehmen, die über ein aktives Remarketing verfügen, für installierte Altsysteme, die nicht mehr benötigt und ausgetauscht werden, die komplette Logistik von Abbau, Transport, Datenlöschung bis hin zur Wiedervermarktung und Receycling übernehmen. Der Kunde kann sich also auf das konzentrieren, was wesentlich ist – sein Kerngeschäft.
2. Finanzierungslösungen – Andererseits sind auch indirekte Vorteile erzielbar. Unternehmen, die über ein aktives Remarketing verfügen, bieten die Möglichkeit, die zukünftigen Wiedervermarktungserlöse von IT in eine Finanzierungslösung zu integrieren. Dies führt dann zu einer Teilung des Investitionsrisikos und zu günstigeren monatlichen Raten.
3. Einsatz gebrauchter IT – Drittens ist es in Teilbereichen auch sinnvoll, gebrauchte IT einzusetzen. Hier sollten aber die Anwender einerseits auf eine zertifizierte Wiederaufbereitung achten, so wie Fujitsu dies gewährleistet; andererseits, und dieses Thema wird häufig unterschätzt, sollte ein besonderes Augenmerk auf das Thema Software gelegt werden – soll heißen, dass auch die Nutzungsrechte an gebrauchter Software vollständig vorhanden sind.
Übrigens: Fujitsu war einer der ersten Anbieter, der über sein Remarketing- und Recycling-Center in Paderborn diese Möglichkeiten im deutschen Markt angeboten hat.
ITM: Welche Einsparpotentiale können mit Remarketing grundsätzlich erzielt werden?
Keßler: Diese liegen klar auf der Hand:
1. Aktiver Austausch – Einsparungen ergeben sich durch die Verlagerung von Aufgaben, die nicht zum Kerngeschäft gehören, nach außen. Außerdem finden sich Einsparpotentiale ganz schnell bei Wartungs- und Managementkosten, steigen diese doch erfahrungsgemäß mit dem Alter der IT.
2. Finanzierungslösungen – Hier liegen die Vorteile im Wesentlichen darin, dass die monatlichen Finanzierungsraten durch die Berücksichtigung von Wiedervermarktungserlösen deutlich günstiger sein können als bei einer klassischen Finanzierung.
3. Einsatz gebrauchter IT – Auch hier lassen sich durch die deutlich unter den ursprünglichen Anschaffungspreisen liegende Kosten für gebrauchte IT Einspareffekte erzielen. Allerdings möchten wir in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass diese Vorteile im Einzelfall durch erhöhte Wartungskosten zumindest teilweise wieder kompensiert werden können.
ITM: Wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der kleinen und mittelständischen Unternehmen an der Nutzung von gebrauchter, aber wiederaufbereiteter Hardware – und was sind die Hintergründe?
Keßler: Wie schon erwähnt, ist in Teilbereichen durchaus Interesse vorhanden. Dies bezieht sich einerseits auf sehr junge gebrauchte Hardware, die z.B. bei Messen oder sonstigen Events im Einsatz war, dem aktuellen Stand der Technik entspricht und sogar häufig noch Herstellergewährleistung hat. Dadurch tritt das Problem von höheren Wartungskosten nicht auf und die IT lässt sich problemlos in eine innovative IT-Landschaft integrieren.
Andererseits wird auch häufig ältere gebrauchte und wiederaufbereitete IT da eingesetzt, wo es um Ergänzung bestehender, etwas älterer Infrastrukturen kommt, beispielsweise zusätzliche gebrauchte Speicherplatten. Die Nutzungsdauer wird dann an die des Basissystems angepasst, um auch hier höhere Aufwendungen durch z.B. Wartung zu meiden.
ITM: Ist eine höhere Leasing- oder Verkaufsquote von wiederaufbereiteter IT-Hardware zu verzeichnen? Woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Keßler: Insgesamt betrachtet muss man sagen, dass das Interesse an gebrauchter IT nicht dramatisch gewachsen ist, sondern sich dauerhaft auf relativ hohem Niveau befindet. Ein Großteil wiederaufbereiteter Hardware gerade im Client-Bereich geht eben auch in andere Regionen und wird gar nicht in Deutschland wiedervermarktet.
Dies liegt unseres Erachtens auch an der Notwendigkeit gerade von deutschen Unternehmen, sich durch Innovation im Weltmarkt zu differenzieren – dazu ist nun einmal eine flexible und innovative IT-Infrastruktur notwendig.
ITM: Wann sollten Unternehmen besser auf das Leasing von neuaufbereiteter IT-Hardware zurückgreifen? Welche Möglichkeiten bieten sich ihnen dadurch?
Keßler: Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Einsatzdauer von vorneherein für einen überschaubaren Zeitraum geplant ist und die Hardware wieder ersetzt wird – denn dann liegen die Vorteile vor allem darin, dass die Logistik am Ende der Nutzungsdauer auf den Vermieter übertragen werden kann. Anwender sollten dann nach Möglichkeit gleich die Wartung in die Mieten integrieren, um vor unliebsamen Überraschungen geschützt zu sein.
ITM: Wie gestalten sich die Leasing-Verträge im Bereich „IT-Remarketing“? Welche Abrechnungsmodelle und Vertragslängen sind üblich?
Keßler: Fujitsu bietet hier z.B. Kurzzeitmieten an, die wenige Wochen/Monate betragen können, aber auch längere Laufzeiten, je nach Bedarf unserer Kunden, inklusive der Wartung und auch Leistungen wie z.B. Abbau am Mietende und Datenlöschung. Erfahrungsgemäß werden gerade solche Rundum-Sorglos-Pakete mit kurzen Laufzeiten am stärksten nachgefragt.
ITM: Kaufen Unternehmen überhaupt noch neue Hardware selbst ein, um sie dann bis zum „End of Life“ zu nutzen, oder leasen bzw. mieten sie neue Geräte von vorneherein?
Keßler: Auch wenn es aus verschiedenen Perspektiven (finanziell, technologisch, steuerlich etc.) meist sinnvoll ist, Hardware zu mieten oder zu leasen, kaufen immer noch viele Unternehmen ihre IT. Natürlich kommt es immer auf den Einzelfall an, aber es gibt sehr viele gute Gründe, IT nicht zu kaufen und in das Anlagevermögen zu nehmen. Als Beispiel sei genannt, dass die steuerlichen Abschreibungstabellen des Bundesfinanzministeriums immer noch eine Abschreibungsdauer von sieben Jahren für Großrechentechnik vorgibt – wir kennen relativ wenige Kunden, die ihre Großrechner oder Speichersysteme über einen solch langen Zeitraum einsetzen.
Fujitsu bietet seinen Kunden mit dem Bereich Financial Services beispielsweise die Möglichkeit, alle Aspekte rund um die IT-Investition aus betriebswirtschaftlicher Sicht zu beleuchten, um die optimale Investitionsfinanzierung zu ermitteln.
ITM: Inwiefern nutzen Mittelstandsunternehmen die Option, ihre alte Hardware (Computer, Server, Notebooks, Tablets etc.), die sie einst selbst angeschafft haben, an IT-Remarketing-Firmen zu verkaufen, um daraus Gewinne zu erzielen?
Keßler: In diesem Bereich verzeichnen wir ein steigendes Interesse, da dadurch gezielt stille Reserven gehoben werden können. Diese Option wird meist im Verbund mit der Anschaffung neuer Hardware genutzt – die erzielbaren Wiedervermarktungserlöse können dann zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit des Nachfolgeprojektes eingesetzt werden.
ITM: Welche Gründe könnten sie von genannter Option abhalten?
Keßler: Diese Option sollte immer in Betracht gezogen werden, wenn Hardware nicht mehr benötigt wird – sinnvolle Gründe dagegen gibt es eigentlich nicht.
ITM: Wie lässt sich denn generell ein bestmöglicher Gewinn mit alten Geräten erzielen?
Keßler: Ein bestmöglicher Gewinn lässt sich durch eine sehr gute, qualifizierte Aufarbeitung erwirtschaften. Wir nehmen die Hardware zurück, bereiten sie mit qualifizierten Technikern und den aktuellsten Tests auf. Somit erwirtschaften wir den höchst möglichen Verkaufswert für Gebrauchthardware und eine hohe Kundenzufriedenheit durch gute Qualität, Flexibilität (Konfiguration, Lieferzeiten) und einen guten Preis.
Aufgrund der immer schwieriger werdenden wirtschaftlichen Situation in und außerhalb Europas wird die Bedeutung des IT-Remarketing-Bereichs für das Unternehmen noch mehr wachsen.
ITM: Wie schätzen Sie die zukünftige Entwicklung des IT-Remarketing-Bereichs ein?
Keßler: Immer mehr Kunden setzen schon auf aufgearbeitete, preisgünstigere Systeme. Unsere Vorteile für die Kunden sind: qualifizierte Aufarbeitung und Lieferung der Systeme in sehr guter Qualität, Konfiguration aller Systeme nach Kundenwünschen – somit hohe Flexibilität, schnelle Lieferzeiten, gute Verkaufspreis. Diese gute Entwicklung sieht man auch im wachsenden Mietgeschäft und in der Bereitstellung von Hardware für Lösungen wie Hana (hier gibt es eine stetig wachsende Nachfrage).