„Konsistente Multichannel-Konzepte setzen sich durch, weil sich inzwischen substantiiert belegen lässt, dass sie nicht zur Kannibalisierung führen“, sagt Gisbert Reichel, Key Account Manager bei der Nionex GmbH.
ITM: Herr Reichel, wie hat sich der E-Commerce-Markt in den letzten Monaten gewandelt? Welche Faktoren spielten dabei eine Rolle?
Gisbert Reichel: Es lassen sich einerseits verstärkt Interdependenzen zwischen verschiedenen Vertriebskanälen beobachten, so dass E-Commerce beispielsweise durch klassische Kanäle wie Print befruchtet wird et vice versa. Der Unterschied liegt darin, dass Printerzeugnisse gezielter in höherer Qualität, etwa als Impuls, verbreitet werden. Konsistente Multichannel-Konzepte setzen sich durch, weil sich inzwischen substantiiert belegen lässt, dass sie nicht zur Kannibalisierung führen, sondern insgesamt zu höheren Umsätzen und zu mehr Kundenbindung. Ein weiterer Trend geht zu besseren und hochwertigeren Informationen über die angebotenen Produkte im E-Commerce, von der bildlichen (teilweise räumlichen) Darstellung bis zu beschreibenden Texten. Voraussetzung, um dies mit vorhandenem Personal in den Griff zu bekommen, sind zentrale IT-Systeme wie ein Produkt-Informationsmanagement-System (PIM), um Content von Herstellen effizient zu übernehmen, zu veredeln und kanalspezifisch, aber mit einer Sprache auszuspielen.
ITM: Welche grundsätzlichen Anforderungen stellen Mittelständler an eine Webshop-Lösung und worauf sollten sie demnach bei der Auswahl eines E-Commerce-Anbieters achten?
Reichel: Mittelständler sollten auf ein skalierbares System achten, welches mit ihrem Erfolg wächst, ohne das System wechseln zu müssen. Im Hinblick auf einfache Support-Prozesse und besonders auch ein Verständnis des Herstellers für die Bedürfnisse deutscher Unternehmen wird ein aus Deutschland stammendes Shopsystem zu bevorzugen sein. Wenigstens sollte in Deutschland mehr als nur eine Vertriebsniederlassung existieren. Der Implementierungspartner muss die gesamte Prozesskette überblicken, beherrschen und entsprechende Systeme des Kundenunternehmens wie ERP/Warenwirtschaft, aber auch Dienste wie Risikomanagement anbinden können.
ITM: Auf welche Weise lässt sich nach Installation die Gebrauchstauglichkeit eines Webshops testen?
Reichel: Mit Analysewerkzeugen und A/B Testing, wo Kunden verschiedene Varianten des Shops präsentiert werden (teilweise nach Kriterien [Tages-]Zeit oder Optimierung auf soziale, regionale Aspekte usw.) und anschließend ein Vergleich des Umsatzes bzw. Ergebnisses erfolgt.
ITM: Wie bzw. mit welchen Faktoren kann der Anwender selbst zum Erfolg seines Webshops beitragen?
Reichel: Durch eine gründliche Vorstudie/Konzeption, um sich Klarheit über die Bedürfnisse und den Mehrwert der (vorhandenen und neuen) Zielgruppe zu verschaffen, die mit E-Commerce bedient werden kann. Dabei sollte man die dafür anfallende Investition, intern wie auch durch Unterstützung professioneller Berater, nicht scheuen. Diese Anfangsinvestition kann viele Fehler vermeiden helfen und zahlt sich regelmäßig aus.