Drei Fragen an...

Ausfallzeiten minimieren, Schaden abwenden

Tagtäglich werden die IT-Teams mit Themen wie Datendiebstahl und -manipulation, Ransomware oder Datenverlusten konfrontiert. IT-Sicherheit wird demzufolge auch im Mittelstand großgeschrieben.

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    Nur eine möglichst aktuelle Sicherungskopie der Daten eröffnet überhaupt eine Chance zur schnellen Wiederherstellung korrumpierter IT-Systeme. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))

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    „Als alleiniges Backup-Ziel ist die Cloud eher ungeeignet, da die Wiederherstellungszeiten sehr lang sind“, sagt Ines Wolf. ((Bildquelle: Quantum))

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    „Der mit Tape verbundene ‚Air Gap‘ ist ein ganz wichtiger Sicherheits-aspekt beim Schutz vor Ransomware“, betont Stefan Utzinger. ((Bildquelle: Novastor))

Das primäre Ziel: Schaden für das Unternehmen zu verhindern. Hier greift dann als letzte Bastion das Backup, denn nur eine möglichst aktuelle Sicherungskopie der Daten eröffnet letztlich überhaupt eine Chance zur schnellen Wiederherstellung korrumpierter IT-Systeme – und minimiert somit deren Ausfallzeiten nach Hackerangriffen. IT-MITTELSTAND hat zwei IT-Experten befragt, worauf es dabei besonders ankommt.

ITM: Herr Utzinger, Frau Wolf, worauf muss der IT-Chef vor allem achten, wenn er durch eine geschickte Backup- und Storage-Konfiguration den Schutz vor Ransomware verbessern will?
Stefan Utzinger: Hierbei gilt es, sowohl organisatorische als auch technische Aspekte zu beachten. Organisatorisch sind zunächst ein Backup-Konzept und ein IT-Notfallhandbuch zu erarbeiten. Allerdings ist es nicht damit getan, diese Tools einmal zu erstellen. Wichtig ist vielmehr, sie regelmäßig zu dokumentieren und zu aktualisieren. Darüber hinaus gilt es, regelmäßig Restore- und Desaster-Recovery-Tests durchzuführen, um sicherzustellen, dass die Recovery der Daten auch wirklich funktioniert. Für jeden einzelnen Mitarbeiter sollten klare Verantwortlichkeiten definiert sein – und diese müssen entsprechend kommuniziert werden. Die Mitarbeiter sollten regelmäßig geschult werden, damit im Ernstfall jeder sofort weiß, was zu tun ist. Aus technischer Sicht ist das A und O, eine professionelle Datensicherungslösung einzusetzen, die alle Anforderungen abdeckt und regelmäßige Updates sowie einen lokalen, einfach erreichbaren technischen Support seitens des Herstellers beinhaltet. Des Weiteren sollten IT-Verantwortliche darauf achten, die Backup- und Produktivumgebung physisch und logisch getrennt zu betreiben. Die Datensicherung sollte grundsätzlich nach der 3-2-1-Backup-Regel erfolgen, Stichwort „Air Gap“. Backup-Kopien sollten verschlüsselt ausgelagert werden. Für die Auslagerung eignen sich robuste und zuverlässige Wechselspeicher oder eine stabile und schnelle Cloud-Anbindung zu einem geeigneten Remote-Standort. Für geschäftskritische Systeme und Software muss es zwingend Wartungsverträge geben. Allgemein lässt sich zum Schutz vor Ransomware-Angriffen sagen: Halten Sie die Firewall, Software-Produkte und Security-Patches immer auf dem aktuellen Stand, definieren Sie Benutzer- und Zugriffsrechte sowie ein klares Rollen-Management und achten Sie auf eine Netzwerksegmentierung! Arbeiten Sie mit Experten, die Ihnen gegebenenfalls beim Aufbau der Schutzmaßnahmen helfen und im Notfall schnell erreichbar sind! Im Ernstfall ist eine funktionierende, durchdachte Datensicherung die einzige Chance, die Daten wiederherzustellen. 

Ines Wolf: Vier Dinge: erstens und vor allem die 3-2-1-Regel bei der Datensicherung. Diese besagt: Es sollten mindestens drei Kopien der Daten vorhanden sein – Speicherung der Kopien auf zwei unterschiedlichen Medien, Aufbewahrung von einer Backup-Kopie an einem externen Standort, ein mehrstufiger Backup-Prozess, Einbindung eines zweiten/externen Standorts innerhalb des Unternehmens oder extern bei einem Managed-Service- oder Cloud-Service-Provider. Hinzu kommt zweitens die Überprüfung der Aufbewahrungszeiten von Backup-Daten. Dies umfasst: Trojaner agieren als „Schläfer“ und manipulieren Backups bis zu einem Dreivierteljahr rückwirkend. Daher sind längere Aufbewahrungszeiten von Vorteil. Dies erfordert zusätzlich eine Klassifizierung der Backup-Daten für die Betriebsfähigkeit des Unternehmens. Zu beachten sind drittens die Trennung der Zugriffsrechte auf Backup-Applikation und -Devices, die Nutzung rollenbasierter Zugriffskontrolle mit Multi-Faktor-Authentifizierung sowie die Entkopplung der Backup-Daten vom Netzwerk durch logische und/oder physische Trennung. Last, but not least kommt viertens die Nutzung der Unveränderlichkeitsoptionen für Backup-Daten hinzu, die die Backup-Applikationen oder -Devices anbieten – wie etwa das Einfrieren oder Verstecken von Backup-Ständen, Worm oder Auslagerung.

ITM: Stichwort „Storage as a Service“: In welcher Form kann die Cloud als Option beim Backup genutzt werden?
Wolf: Ausgehend davon, dass mit der Cloud die Public-Cloud-Anbieter gemeint sind, ergibt sich folgende Antwort: Die Cloud kann als Option für die Vorhaltung einer zusätzlichen Backup-Kopie angesehen werden. Als alleiniges Backup-Ziel ist die Cloud eher ungeeignet, da die Wiederherstellungszeiten sehr lang sind. Für schnelle Restores sind lokale Kopien zu empfehlen. Für Unternehmen, die nur einen Standort haben, bietet die Cloud die Möglichkeit der Vorhaltung von Backup-Kopien an einem externen Standort. Als Absicherung im Katastrophenfall ist die Cloud eine sehr gute Option. Fallen Standorte – im Extremfall sogar alle – aus, so sollten die Sicherungen in der Cloud dem betroffenen Unternehmen den Wiedereinstieg in den Betrieb erlauben. In diesem Zusammenhang kann es sehr hilfreich sein, die Dienste von Managed-Service-Providern zu nutzen. Diese bieten neben der Vorhaltung von Backup-Daten auch Dienste, die den Wiedereinstieg in die Betriebsfähigkeit deutlich verkürzen können. Hier sollten auch lokale Service-Provider berücksichtigt werden, bei denen die Daten lokal abgelegt und verwaltet werden. 

Utzinger: Die Cloud kann entweder als externe Lokation genutzt werden, um die Daten außerhalb der eigenen Räumlichkeiten zu sichern, oder als „Ausfallrechenzentrum“, d.h. als zweite Lokation zusätzlich zu den lokalen Backups. Weiterhin können Teile der Infrastruktur auch in der Cloud stehen. Bevor man diesen Schritt geht, sollten die Szenarien klar definiert und auch durchgespielt werden. Insbesondere muss geprüft werden, wie lange es im Notfall dauert, die Daten wieder zur Verfügung zu haben.

ITM: In welchen Einsatzbereichen kann das gute alte Magnetband im Mittelstand heute noch eine Rolle bei Backup und Archivierung spielen?
Wolf: Tape-Medien bieten mit ihren spezifischen Eigenschaften ideale Voraussetzungen für den Schutz der Backup-Daten vor Ransomware-Angriffen und zur Aufbewahrung von Archivdaten. Auf den Bändern werden komplette Datensätze abgelegt – und nicht nur Bruchstücke wie bei einzelnen Festplatten. Zudem sind sie einfach transportabel und bieten eine hohe Kapazität mit bis 12 Terabyte nativ bei LTO8 und aktuell 18 Terabyte nativ bei LTO9. Das Lesen der Medien ist nicht Library-gebunden – die Laufwerksgeneration muss passen, mehr nicht. Zudem muss ein Band in ein Laufwerk geladen werden, um die Daten lesen zu können. Solange das Medium sich im Storage-Slot der Library befindet, kann es nicht manipuliert werden und ist sicher vor Angriffen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Die Nutzung von Tape-Medien ist kostengünstiger im Betrieb – da nur die Laufwerke zum Schreiben und Lesen Strom benötigen und der Roboter beim Transportieren der Medien in der Library. Das Vorhalten der Medien in den Library-Slots erfordert keinen Strom. Inzwischen bieten Tape-Libraries auch zusätzliche Funktionen – um Bänder in der Library vor unerlaubtem Zugriff zu schützen. 

Utzinger: Zusammenfassend lässt sich sagen: Bei größeren Datenmengen und bei der Langzeitaufbewahrung hat Tape viele Vorteile. Daher macht es durchaus Sinn, es auch als Backup-Medium in Cloud-Rechenzentren zu nutzen, wie es z.B. Google, Microsoft und Amazon machen. Tape ist aber für Unternehmen aller Größen für Datensicherung und -archivierung durchaus sinnvoll nutzbar. Die Anwendungsszenarien sind sehr vielfältig. Magnetbänder kommen in mittelgroßen Unternehmen, die ihre Geschäftsdaten sichern oder archivieren, zum Einsatz. Aber auch beim Stichwort „Big Data“ kommen Bandlaufwerke ins Spiel. Ein Beispiel: Unternehmen oder Konzerne, die in der Forschung tätig sind, sichern ihre Testergebnisse, also riesige Datenmengen, auf Tape, damit sie die Testergebnisse auch später noch auswerten oder vergleichen können. Tape bleibt unverzichtbar, vor allem vor dem Hintergrund der Digitalisierung und Datensicherheit. Magnetbänder sind langlebig, kosteneffizient, bieten eine hohe Datenintegrität und zudem zahlreiche Schnittstellen zu unterschiedlichen Dateisystemen. Der mit Tape verbundene „Air Gap“ ist ein ganz wichtiger Sicherheitsaspekt beim Schutz vor Ransomware. 

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