Drei Fragen an…

Automatisierung ist der entscheidende Schritt

Immer wieder klagen Mittelständler über Probleme mit ihrer Intralogistik. Die Ursachen können vielfältig sein: Manche Unternehmen sind sehr schnell gewachsen, andere haben ihre Abläufe lange nicht überarbeitet und wieder andere verfügen über keine fundierten Kenntnisse der heutigen Möglichkeiten.

  • Drei Fragen an…

    5G erhöht die Verlässlichkeit in Zukunft, digitale Zwillinge eines Lagers an den Realbetrieb anzubinden und synchron zu betreiben.

  • Drei Fragen an…

    „Automatisierung ist in der Logistik der entscheidende Schritt für die Digitale Transformation“, betont Daniel Dombach. ((Bildquelle: Zebra Technologies))

  • Drei Fragen an…

    „Mit der Digitalisierung wird sich auch das Mindset ändern“, ist Markus Klug überzeugt. ((Bildquelle: SSI Schäfer))

Die Konsequenz: In produzierenden Unternehmen sind die intralogistischen Abläufe dann auch schon einmal suboptimal. Neue Technologien und Verfahren können das ändern, wobei Mittelständler immer wieder mit der Worthülse „Digitale Transformation“ konfrontiert werden. IT-MITTELSTAND hat zwei Experten gefragt, was konkret damit gemeint ist.

ITM: Herr Dombach, Herr Klug, die Digitale Transformation hin zu selbstoptimierenden Intralogistiksystemen wird durch die Entwicklungsschritte in den Technologiefeldern „Sensorik“, „Kommunikation“ und „Data Science“ erst möglich. Wie sollte die Abfolge dieser notwendigen Entwicklungen geplant werden?
Daniel Dombach: Digitalisierung ist ein großes Schlagwort – und sehr viele Mittelständler beschäftigen sich gerade damit. Aber was sind eigentlich die konkreten Herausforderungen in der Logistik und Intralogistik? Die meisten Auftragsvolumina steigen gerade und gleichzeitig sind die Ressourcen knapp. Die Folge: Das Personal ist überlastet und steht unter Druck, die Einhaltung der Vorschriften ist nach wie vor komplex und die Kunden erwarten schnell Service und Informationen. Insbesondere fehlt es aber an einem ausreichenden Überblick über alle relevanten Prozesse sowie an einer Transparenz in Echtzeit. 

Ein Ziel ist dabei, in den Lagern genau die richtige Menge an Produktionsbestandteilen bereitzuhalten. Dafür sollte man zunächst sicherstellen, dass alle relevanten Daten in Echtzeit erfasst werden. Daten allein helfen aber noch nicht. Der nächste Schritt besteht darin, dass die Logistik-Mitarbeiter mithilfe von Predictive-Analytics-Software Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen aus diesen Daten ableiten können. Nur dann unterstützen Daten bei einer effizienteren Prozesssteuerung. Die Mitarbeiter können schneller und gleichzeitig auch besser informiert miteinander kommunizieren. Außerdem können Prozesse mit entsprechenden Lösungen automatisiert werden. Automatisierung ist in der Logistik der entscheidende Schritt für die Digitale Transformation. 

Markus Klug: Neben den Technologiefeldern „Sensorik“, „Kommunikation“ und „Data Science“ gibt es auch noch weitere bedeutende Schritte, die bei der Abfolge berücksichtigt werden sollten. Zuallererst braucht es einen ganzheitlichen – vor allem datentechnischen – Blick auf das Gesamtsystem. Wenn dieser nicht existiert und mittels Sensorik, der Kommunikation der erfassten Werte und der Erstellung von Partikularmodellen nur Insellösungen entwickelt werden, kann das volle Potenzial nicht voll ausgeschöpft werden. Data Science sollte dafür sorgen, dass mittels Datenkatalogen und Metadaten-Management eine konsistente firmenweite und ganzheitliche Basis geschaffen wird. Danach kann Data Science parallel mithilfe von synthetischen Daten beginnen, die benötigten Modelle zu entwickeln, welche bereitstehen, sobald die Sensoren entwickelt, installiert und die Kommunikation eventuell auch standortübergreifend etabliert wurde. Damit schließt Data Science den Prozess wieder ab. 

ITM: Welche Rolle wird 5G bei der Kommunikation in der Intralogistik spielen?
Klug: 5G hat einen großen Vorteil beim Standortnetzwerk: Die Anzahl der ans Wlan angebundenen Geräte in der Intralogistik wächst stetig überproportional – und mit autonomen mobilen Robotern (AMR) steht schon die nächste Welle funkbasierter Komponenten vor der Tür. Wenn es um Verbindungssicherheit und Kommunikationsgeschwindigkeit bei hohem Datenaufkommen und vielen mobilen Geräten geht, ist das Wlan aufgrund seines topologischen Ansatzes im Nachteil. 5G erhöht die Verlässlichkeit in Zukunft, digitale Zwillinge eines Lagers an den Realbetrieb anzubinden und synchron zu betreiben. Es ist vorstellbar, dass ein verlässlicher betriebsbegleitender digitaler Zwilling etwaige technische Probleme – z.B. das Restrisiko von Lesefehlern – oder aber auch fehlende Daten während des Betriebs ausgleichen kann und damit den Lagerbetrieb stabilisiert. 

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Dombach: 5G bietet große Chancen für hoch performante Netzwerke und für die Kommunikation, etwa zwischen Sensoren und Produktionsmaschinen. Der Aufbau privater, sicherer Netzwerke spielt in der Produktion eine große Rolle. Aber muss der Staplerfahrer wirklich mit seinem Chef via 5G über die nächsten Lieferungen kommunizieren? Natürlich gibt es auch in der Logistik sinnvolle Anwendungen für 5G – etwa um den aktuellen Zustand von temperaturempfindlichen Produkten zu überprüfen, wie beispielsweise Impfstoffe in der pharmazeutischen Lieferkette. Dennoch sehe ich aktuell in der Logistik bei der Automatisierung größeren Handlungsbedarf als bei der Verwendung von 5G. 

ITM: Worauf müssen Mittelständler bei der Modernisierung und Digitalisierung ihrer Intralogistik besonders achten, damit sie damit keinen Schiffbruch erleiden?
Klug: Die massive Veränderung durch die Digitalisierung kann nur durch das entsprechende Vertrauen in die Technologie eingeleitet werden. Die Unterstützung durch die oberste Führungsebene ist hierbei essenziell. Der Mittelstand verfügt zwar nicht über die Datenmengen wie ein Großkonzern, aber die Datenvielfalt ist erfahrungsgemäß fast genauso hoch und legitimiert die Initiativen definitiv. Das Thema sollte nicht komplett an Dienstleister abgegeben werden, da es dazu führen kann, die Kontrolle über die Daten und Prozesse zu verlieren. Aktuell versucht die Kommission der Europäischen Union mit dem derzeit vorliegenden Vorschlag zur Regulierung von KI, das Bewusstsein und die Notwendigkeit auch rechtlich zu verankern, weiterhin die Kontrolle über die Modelle und digitalen Lösungsansätze zu behalten. Mit der Digitalisierung wird sich auch das Mindset ändern. Dabei gilt es, das Management von Routineaufgaben zu befreien, um den Verantwortungsträgern wieder mehr Zeit und Raum für Innovationen und Strategie zu geben. 

Dombach: Wie bei allen bedeutenden Transformationen gilt: Von null auf 100 wird nicht funktionieren. Steht ein Unternehmen am Anfang seiner Digitalisierung, sollte man zunächst andere technische Lösungen in Betracht ziehen, bevor das Unternehmen zum Einsatz von Robotik und Automatisierung übergeht. Gerade bei so großen Projekten sollte man sich Schritt für Schritt realistische Ziele setzen. 

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok