Christoph Witte rät Unternehmern und Selbstständigen, sich über Alternativen zu ihrer Hausbank zu informieren und diese auszuprobieren.
ITM: Herr Witte, einige Händler leiden derzeit unter schwierigen Marktbedingungen. Wo liegen aktuell die größten Sorgen bei kleineren Händlern?
Witte: Insbesondere Lieferkettenprobleme oder Lieferengpässe sorgen seit Monaten dafür, dass die Händler sich Sorgen um Produktverfügbarkeiten machen. Hinzu kommen seit Jahresbeginn erschwerende Faktoren, wie etwa die konstant steigenden Energie- und Rohstoffkosten und andere inflationsbedingte Mehrkosten.
ITM: Über ein Drittel der Händler (36 Prozent) gibt laut einer Yougov-Umfrage an, dass es immer schwieriger wird, einen Kredit von einer traditionellen Bank zu erhalten. Wo liegen hier die Probleme?
Witte: Diese Tendenz ist auf eine Reihe von Entwicklungen zurückzuführen. Zum einen müssen Banken seit dem Auslaufen der staatlich subventionierten KfW-Corona-Hilfe im April 2022 wieder das volle Kreditausfallrisiko tragen. Als Folge haben viele Banken die Vergabekriterien für Finanzierung in den letzten Monaten merklich angezogen. Zusätzlich sehen wir einen Rückgang der allgemeinen Kreditwürdigkeit infolge makroökonomischer und politischer Risiken. Ganz besonders wirken sich in diesem Zusammenhang die derzeitige Inflation und der Anstieg des Zinsniveaus negativ auf die wirtschaftliche Bonität vieler Kunden aus. Banken werden aufgrund dieser Entwicklungen immer restriktiver in der Kreditvergabe. Dies wiederum rückt Fintech-Kreditanbieter, welche sich auf die Geschäftsmodelle von kleinen und mittleren Unternehmen spezialisiert haben, in den Fokus.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass besonders Kleinunternehmen und Selbstständige natürlich nicht wochen- oder gar monatelang auf eine benötigte Finanzierung warten können. Im Zweifelsfall können schon ein paar Wochen oder sogar einige wenige Tage darüber entscheiden, ob ein existenzsicherndes Projekt umgesetzt werden kann oder nicht. Doch speziell kleinere Unternehmen hatten in den vergangenen Jahren immer wieder erhebliche Schwierigkeiten, schnell und unkompliziert an ausreichend Kapital zu kommen. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass knapp jeder dritte Groß- und Einzelhändler (31 Prozent) in derselben Umfrage angab, er hätte mit einem schnelleren und einfacheren Zugriff auf Kredite in den zwölf Monaten vor der Befragung deutlich besser wirtschaften können.
ITM: Was empfehlen Sie Kleinunternehmen und Selbstständigen, die händeringend Zugang zu dringend benötigten Finanzmitteln suchen?
Witte: Sie sollten sich über Alternativen zu ihrer Hausbank informieren und diese ausprobieren. Online-Kreditanbieter und andere Fintechs können häufig nicht auf eine langjährig bestehende Geschäftsbeziehung mit Unternehmern zurückblicken und haben damit – zu Unrecht – den Nachteil, dass ihnen weniger Vertrauen entgegengebracht wird. Gerade wenn man kurzfristig und unkompliziert über Liquidität verfügen möchte, lohnt es sich, auf andere Anbieter zu setzen.
ITM: Ihr Unternehmen hat mit dem Marktplatzanbieter Ebay kürzlich eine ins Verkäuferportal eingebettete Finanzierungslösung gelauncht. Was hat es damit auf sich?
Witte: Es handelt sich um eine Finanzierungslösung, die Online-Händlern auf dem Marktplatz direkten, unkomplizierten und schnellen Zugang zu kurzfristigen Betriebsmittelkrediten ab 2.500 bis 1 Mio. Euro ermöglicht. Die Mehrheit der Kreditgenehmigungen erfolgt automatisiert und in Echtzeit, sodass Händler in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach der Anfrage bereits über die Geldmittel verfügen können. Anstelle von Zinsen zahlen die Verkäufer eine einmalige Festgebühr. Die Rückzahlungen der Kredite sind flexibel, da sie an den Umsatz gekoppelt sind, der auf der Plattform erwirtschaftet wurde. So muss in Monaten mit geringeren Umsätzen auch weniger zurückgezahlt werden. Ebenso flexibel kann der Kredit aufgestockt werden, um auf plötzliche, unerwartete oder saisonale Veränderungen oder Schwankungen der Nachfrage zu reagieren.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Aus dieser Partnerschaft ergeben sich klare Vorteile für die Verkäufer in Deutschland. Dank der Schnittstelle können gewerbliche Verkäufer die Finanzierung direkt aus dem Verkäuferportal heraus beantragen und erhalten. Sie bekommen durch die Partnerschaft leichteren Zugang zu dringend benötigten Finanzmitteln und haben nun die Möglichkeit, ihr Geschäft auf dem Marktplatz erfolgreich auszubauen. So können sie beispielsweise ihren Absatz steigern, indem sie in zusätzliche Lagerbestände investieren, um ein Produkt auch in Zeiten von Lieferkettenschwierigkeiten anbieten zu können. Von der erhöhten Produktverfügbarkeit profitieren schlussendlich auch die Endkunden des Marktplatzes.
Bildquelle: Iwoca