Energieeffiziente Rechenzentren

Bei Nachhaltigkeit zählen alle Stellschrauben

Beim Stromverbrauch schöpfen Unternehmen noch nicht alle Möglichkeiten aus, meint Ingo Gehrke, Senior Director & General Manager, Medium Business bei Dell Technologies in Deutschland, im Kommentar.

Energieeffiziente Rechenzentren

Ingo Gehrke ist Experte für den energieeffizienten Betrieb von Server-Räumen und Rechenzentren und kennt die entsprechenden Stellschrauben.

In Deutschland gibt es rund 50.000 Rechenzentren und Server-Räume, von denen die meisten aufgrund ihrer Größe nicht unter das Energieeffizienzgesetz fallen. Dennoch versuchen auch deren Betreiber, den Stromverbrauch zu reduzieren, da dieser angesichts hoher Energiepreise zu einem enormen Kostenfaktor geworden ist. Einige Einsparpotenziale bleiben jedoch regelmäßig ungenutzt, weil Unternehmen Prioritäten falsch setzen oder in eingefahrenen Prozessen verharren. Das beginnt schon mit der Anschaffung neuer Server, bei denen die Hardware nicht selten so dimensioniert wird, dass sie auch Spitzenlasten abfängt. Im normalen Alltagsbetrieb sind die Systeme nicht ansatzweise ausgelastet und verbrauchen unnötig Strom, zumal IT-Abteilungen aus Sorge um Leistungseinbußen gerne die Stromsparfunktionen abschalten, sodass Server-Komponenten nicht in sparsame Modi wechseln können. Dabei bremsen diese die Anwendungen in der Regel gar nicht aus – bei Bedarf verlassen die Komponenten den Sparmodus in Sekundenbruchteilen und liefern wieder maximale Performance. 

Die Cloud hilft bei Lastspitzen

IT-Abteilungen sollten die Stromsparfunktionen ihrer Systeme unbedingt nutzen und sich bei Neuanschaffungen an einem realistischen Leistungsbedarf orientieren. Für Lastspitzen können sie kurzfristig Ressourcen aus der Cloud beziehen – das funktioniert gut und ist am kostengünstigsten. Zudem kann es durchaus sinnvoll sein, von getrennten Server- und Storage-Systemen auf konvergente oder hyperkonvergente Systeme umzusteigen, die einen deutlich geringeren Platzbedarf im Rack haben und dadurch doppelt Strom sparen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Mit Tools für das System- und Energie-Management können IT-Abteilungen den Stromverbrauch aller Server und virtuellen Maschinen (VMs) überwachen und schlecht ausgelastete Systeme aufspüren. Das hilft bei Konsolidierungen. Darüber hinaus lassen sich anhand der Systemtemperaturen besonders heiße und kalte Bereiche im Rack identifizieren. Diese sind oft ein Anzeichen, dass mit dem Kühlkonzept etwas nicht stimmt, also die Systeme nicht so angeordnet sind, dass sie optimal vom kühlenden Luftstrom erreicht werden. Gerade in den Server-Räumen von Mittelständlern gibt es häufig keine geleiteten Luftströme, sodass sich kühle Zuluft und warme Abluft vermischen. Da die Kühlung zu den größten Stromverbrauchern in einem Server-Raum zählt, ist so etwas extrem ineffizient. Mit speziellen Rack-Klimageräten, die die kühle Luft anders als Raum-Klimageräte direkt zur Frontseite der Geräte leiten, und Blechen im Rack, die das Zurückströmen der warmen Abluft verhindern, lassen sich leicht Verbesserungen erzielen.

Manchmal ist Überzeugungsarbeit gefragt

Bisweilen schaffen IT-Abteilungen allein schon deshalb überdimensionierte Systeme an, weil sie bewilligte Budgets ausschöpfen wollen oder fürchten, später keine Gelder für Erweiterungen zu erhalten. In diesem Fall können Argumente wie niedrigere Anschaffungs- und Betriebskosten helfen, die Entscheider zum Umdenken zu bewegen und Budgetvergaben flexibler zu gestalten. Die Überzeugungsarbeit mag mühsam sein, doch wollen Unternehmen die Umweltbilanz ihrer IT-Infrastruktur verbessern und Stromkosten signifikant senken, müssen sie an allen Stellschrauben drehen – nicht nur an den bequemen.

Bildquelle: Dell Technologies

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