Online-Handel

Betrugs­bekämpfung ist ein Balanceakt

Das Betrugsrisiko für Online-Händler ist so hoch wie nie – welche Entwicklungen sollten sie kennen und was können sie tun?

Balance von Steinen

Online-Händler müssen ein ausgewogenes System finden, das Betrug minimiert, aber Kunden nicht vom Kauf abhält.

In Deutschland waren 94 Prozent aller Online-Shops schon einmal von Betrugsfällen betroffen, nur 3 Prozent verzeichneten 2023 einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Das zeigt eine Studie des Informationsdienstleisters CRIF. In einer Umfrage für den letzten Fraud-Report von Stripe gaben fast zwei Drittel der befragten Führungskräfte an, dass es immer schwieriger werde, Online-Betrug zu bekämpfen. Die Gesamtverluste von Händlern durch Betrug im Online-Zahlungsverkehr weltweit werden Juniper Research zufolge zwischen 2023 und 2028 bei über 362 Mrd. US-Dollar liegen.

Diese Trends sollten Händler kennen

Der Standort entscheidet: Bei Betrug spielt die Geografie eine wichtige Rolle. So verzeichnen Unternehmen in Europa wesentlich niedrigere Betrugsraten als in Nordamerika, was wahrscheinlich auf die starke Kundenauthentifizierung (Strong Customer Authentication, SCA) in Europa zurückzuführen ist. SCA verlangt von Unternehmen, eine Zwei-Faktor-Authentifizierung bei bestimmten Online-Transaktionen zu integrieren. Zudem gibt es erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Ländern: In Frankreich etwa war die Betrugsquote dem Fraud-Bericht zufolge zuletzt doppelt so hoch wie in Deutschland. Unternehmen sollten daher das Verhalten ihrer Kunden sowie Markttrends und Regelungen in den Ländern, in denen sie tätig sind, genau analysieren, um besser einschätzen zu können, welche Angriffe besonders wahrscheinlich sind. Automatisierte Betrugserkennungs-Software wie z.B. Stripe Radar kann hierbei sehr hilfreich sein und einen Großteil des Aufwands abnehmen.

Anstieg von Kreditkartentestbetrug: Besonders stark steigen sogenannte Kartentestangriffe: 40 Prozent mehr Unternehmen sind heute davon betroffen als vor der Corona-Pandemie. Bei Kartentests versuchen Betrüger, die Gültigkeit gestohlener Kartendaten zu ermitteln, um diese für Einkäufe zu verwenden. Sie erlangen diese Daten über Phishing oder aus dem Darknet. Dann testen sie deren Gültigkeit mit Botnetzen, die zahlreiche Minitransaktionen in kurzer Zeit durchführen. Das sorgt für einen Anstieg des Datenverkehrs auf den betroffenen Webseiten. Solche Angriffe verursachen höhere Zahlungsabwicklungskosten und können Webseiten durch den erhöhten Datenverkehr lahmlegen. Da selbst kleinere Belastungen aus Kartentests von Karteninhabern angefochten werden können, sind die daraus entstehenden Rückbuchungen für Händler mit hohen Kosten verbunden.

Welche Unternehmen besonders betroffen sind: Am häufigsten von Betrug betroffen sind Unternehmen mit Abonnementmodellen, insbesondere im B2C-Bereich. Ein Abonnement z.B. für einen Streaming-Dienst kann schnell und unkompliziert von Betrügern erworben und weiterverkauft werden. Daher geraten solche Unternehmen eher ins Visier von Personen mit betrügerischen Absichten. Über drei Viertel der B2C-Unternehmen berichteten von einem Anstieg des manuellen Überprüfungsaufwands und dem Bedarf an mehr Ressourcen zur Betrugsbekämpfung im letzten Jahr.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Maßnahmen in der Betrugsprävention

Betrugsbekämpfung steht immer vor einem Dilemma: Strengere Maßstäbe führen zu mehr falsch-positiven Betrugswarnungen und damit zu einem schlechteren Kundenerlebnis. Ein Drittel der Konsumenten würde aufhören, bei einem Anbieter einzukaufen, der ohne triftigen Grund eine Zahlung ablehnt. Daher sollte jede Betrugspräventionsstrategie an das Risikoprofil des jeweiligen Unternehmens angepasst werden. Je höher die Gewinnspanne, desto weniger sensibler sollte das Modell sein: Denn je höher die Marge ist, desto mehr potenzieller Gewinn steht auf dem Spiel. Um die Auswirkungen von Betrug zu minimieren, sollten Unternehmen die nachfolgenden Schritte unternehmen.

Diversifizierung der Zahlungsoptionen: Eine breite Palette an Zahlungsmöglichkeiten bietet Kunden mehr Flexibilität und minimiert das Betrugsrisiko. Digitale Wallets (Apple Pay, Google Pay) etwa verlangen zusätzliche Authentifizierungsschritte wie biometrische Nachweise, SMS-Bestätigungen oder Codes, die die Sicherheit bei Transaktionen erhöhen und die Anzahl der Streitfälle reduzieren. Ähnlich haben auch die meisten Bankabbuchungen zusätzliche Sicherheitsstufen eingebaut.

Erfassung zusätzlicher Kundendaten: Während des Bezahlvorgangs ist es wichtig, zusätzliche relevante Informationen von Kunden zu sammeln, um ihre Echtheit besser verifizieren zu können. Besonderes Augenmerk sollte auf die Aufnahme von Kundennamen und E-Mail-Adressen gelegt werden. Diese erweiterten Daten tragen zur effektiveren Betrugserkennung bei und bieten zusätzliche Beweise in möglichen Streitfällen.

Manuelle Überprüfung verdächtiger Transaktionen: Bei Zweifeln an der Authentizität einer Zahlung ist es ratsam, den Kunden direkt zu kontaktieren, sei es telefonisch oder per E-Mail. Wenn sich herausstellt, dass es sich um betrügerische Aktivitäten handelt, kann die Zahlung storniert und zurückerstattet werden. Dies hilft, potenzielle Konflikte zu vermeiden und die Sicherheit des Zahlungsvorgangs zu gewährleisten.

Die genannten Maßnahmen können Online-Betrug entgegenwirken, aber eine 100-prozentige Sicherheit wird es nie geben. Händler müssen ein ausgewogenes System finden, das ihren Bedürfnissen gerecht wird und Betrug minimiert, ohne zu viele legitime Kunden vom Kauf abzuhalten. Dabei sind Unternehmen nicht auf sich gestellt: Durch die Zusammenarbeit mit erfahrenen Zahlungspartnern können sie von umfassenden Analysen und Werkzeugen zur Betrugsbekämpfung profitieren.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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