Nach einem Jahr Corona-Krise ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen.
Als vor mehr als einem Jahr das bayerische Gesundheitsministerium den ersten bestätigten Corona-Fall beim Autozulieferer Webasto bei München meldete, konnte sich noch niemand ausmalen, welche Auswirkungen die Pandemie der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 haben würde. Zeit, genauer hinzusehen, welche wirtschaftlichen Folgen sich ergeben und welche Reaktionen die Protagonisten gezeigt haben bzw. welche Strategien entwickelt wurden.
Um das sich ausbreitende Virus einzudämmen, wurden im März 2020 Maßnahmen angeordnet, die sich etwa als „Shutdown “oder „Lockdown“ in den Krisensprachgebrauch eingebrannt haben. Ebenso wie die Folgen: Im gesamten Jahr ging die Wirtschaftsleistung Deutschlands gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent zurück. Laut Statistischem Bundesamt handelte es sich um den stärksten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) seit dem Beginn dessen vierteljährlicher Berechnung im Jahr 1970. Massive Einbußen bei Auftragseingängen, Umsätzen und Beschäftigungszahlen musste zunächst auch der Mittelstand hinnehmen.
Statt in Depression zu verfallen, wurden allerorts die Ärmel hochgekrempelt. An vorderster Front sagten Bundesarbeitsminister Hubertus Heil und der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, der Massenarbeitslosigkeit den Kampf an. Mit Kurzarbeit versuchen sie, Arbeitsplätze, Einkommen der Beschäftigten und die Existenz von Unternehmen zu sichern. Ein Konjunkturpaket der Bundesregierung mit einem Gesamtvolumen von rund 130 Mrd. Euro soll mit verschiedenen Maßnahmen die Corona-Krise abfedern.
Diese Soforthilfen von Bund und Ländern waren und sind sicherlich wichtig und notwendig, weil sie maßgeblich dazu beitragen, die massiven Einkommensverluste abzumildern. Das gilt auch für die Maßnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft und zum langfristigen Erhalt von Arbeitsplätzen im letzten Sommer. Ein Zukunftspaket, das die Weichen für eine auf nachhaltige und auf Erneuerung zielende Wirtschaftsentwicklung ermöglichen soll, wird da schon kritischer beurteilt. Während Wirtschaftsexperten strukturelle Ansätze am Paket fehlen, geht der Mittelstand selbst noch härter ins Gericht: Laut einer Umfrage des Bundesverbands mittelständischer Wirtschaft bewerteten 71 Prozent der befragten Firmen die Corona-Hilfspolitik als zu bürokratisch und zu kompliziert.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 04/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Dennoch gibt es Gewinner der Krise. Zweifelsohne zählen die Anbieter von Video-Conference-Lösungen und Online-Händler dazu. In der IT-Branche wurden Produkte, Services und ganze Geschäftsmodelle modifiziert. Und auch die Industrie kam in Bewegung: Laut Studie zur Digitalisierung der deutschen Industrie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom löste Corona einen wahren Digitalisierungsschub aus. Das Wasserglas ist definitiv halb voll!
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