it-sa 2024

Blinder Fleck ERP-Sicherheit: So können Unternehmen ihre Systeme schützen

ERP-Systeme das Herzstück der operativen Abläufe. Trotzdem wird ihre Verwundbarkeit gegenüber Cyberangriffen häufig unterschätzt. Was können Unternehmen tun?

Laptop und aufgeschriebenes Passwort

Cybersecurity muss auch das ERP umfassen

ERP-Systeme sind in vielen Unternehmen das Herzstück der operativen Abläufe. Trotzdem wird ihre Verwundbarkeit gegenüber Cyberangriffen häufig unterschätzt – und das, obwohl das Risiko aufgrund der zunehmenden Raffinesse der Angreifer und des Einsatzes von KI stetig wächst. Was also können Unternehmen tun?

Laut einer aktuellen Studie von Onapsis sind ERP-Systeme bei neun von zehn Ransomware-Angriffen betroffen. 62 % der befragten Unternehmen aus der DACH-Region mussten nach einem Angriff Ausfallzeiten von mehr als 24 Stunden hinnehmen. Cyberkriminelle wählen gezielt Prozesse, in denen ihre Angriffe maximalen Schaden anrichten können, um den Druck auf ihre Opfer zu erhöhen. Wird das SAP-System durch einen Ransomware-Angriff lahmgelegt, fehlt der Zugang zu geschäftskritischen Daten und der Steuerung von Kernprozessen. Gibt es dann keine Backups und einen Notfallplan für die Wiederherstellung, sind Produktionsausfälle bis hin zum vollständigen Stillstand der operativen Prozesse die Folge. So weit sollte es nicht kommen.

Ransomware-Abwehr: vom reaktiven zum proaktiven Ansatz

Laut dem aktuellen Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland des BSI ist Ransomware wiederholt die größte Cyberbedrohung. Die geforderten Lösegeldsummen bei Ransomware-Attacken sind im letzten Jahr um 20 % gestiegen, während die Kosten für die Wiederherstellung nach einem Angriff sogar um 30 % zugenommen haben. Diese Eskalation verdeutlicht, dass Unternehmen nicht länger auf eine rein reaktive Sicherheitsstrategie setzen können, die lediglich Backups und End-Point-Sicherheit umfasst. Stattdessen ist ein proaktiver Ansatz erforderlich, der Bedrohungen frühzeitig erkennt und abwehrt, bevor die Angreifer sich Zugriff verschaffen und ein Druckmittel haben.

Das National Institute of Standards and Technology (NIST) hebt in seinem Cybersecurity Framework zwei Kernstrategien hervor: das Schließen von Schwachstellen, die von Ransomware-Angreifern ausgenutzt werden könnten und die kontinuierliche Überwachung auf Anzeichen von Gefährdungen. Unternehmen müssen sicherstellen, dass alle „Türen und Fenster“ ihrer IT-Infrastruktur geschlossen sind und ein ständiges „Alarmsystem“ aktiv ist.

Die Herausforderung der ERP-Sicherheit

In der Praxis kann es schwer sein, die nötige ERP-Sicherheit umzusetzen. Viele Sicherheitswerkzeuge sind nicht auf ERP-Systeme wie SAP ausgelegt. Dies führt zu einem Mangel an Übersicht und kontextbezogenen Informationen, um verdächtige Aktivitäten innerhalb der ERP-Umgebung rechtzeitig zu erkennen. Besonders gefährlich wird es, wenn die Komplexität solcher Systeme zu unentdeckten Schwachstellen führt.

Viele IT-Abteilungen bestehen zudem aus Generalisten, die sämtliche IT-Belange des Unternehmens betreuen müssen, einschließlich der Sicherheit. Dies führt zu Verzögerungen beim Schließen von Schwachstellen, wodurch bekannte Sicherheitslücken bestehen bleiben, die Angreifer ausnutzen können. Ein effektives Schwachstellenmanagement sollte daher auf klaren Schritten basieren:

Schritt 1: Überblick verschaffen

Eine vollständige Übersicht über die ERP-Landschaft ist der erste Schritt. Unternehmen sollten eine Inventarisierung aller eingesetzten Systeme durchführen, einschließlich älterer und nachgelagerter Systeme, die oft nicht ausreichend gepatcht werden.

Schritt 2: Informiert bleiben

Cyberangriffe entwickeln sich ständig weiter. Unternehmen müssen über die neuesten Bedrohungen auf dem Laufenden bleiben. Die Onapsis Research Labs bieten kontinuierliche Schwachstellenanalysen und arbeiten mit den SAP Product Security Response Teams zusammen, um sicherzustellen, dass die Verteidiger immer auf dem neuesten Stand sind.

Schritt 3: Schwachstellen priorisieren

Nicht alle Schwachstellen sind gleich kritisch. Durch Echtzeit-Bedrohungsdaten und den Einsatz von KI können Unternehmen gezielt die Schwachstellen identifizieren, die vorrangig geschlossen werden müssen.

Schritt 4: Effiziente Workflows schaffen

Transparente, teamübergreifende Zusammenarbeit ist entscheidend. Dashboards, die den aktuellen Sicherheitsstatus visualisieren, helfen IT-Teams, ihre Fortschritte zu verfolgen.

Schritt 5: Automatisierung der Sicherheitsprozesse

Automatisierung steigert die Effizienz von Sicherheitsprozessen. Einige ERP-Sicherheitslösungen ermöglichen es, Patches automatisch einzuspielen.

Kontinuierliche Überwachung und Risikomanagement

Es ist nahezu unmöglich, alle Schwachstellen zu eliminieren. Zero-Day-Schwachstellen, für die keine Patches existieren, stellen eine permanente Bedrohung dar. Auch nachdem Patches verfügbar sind, dauert es durchschnittlich 65 Tage, um kritische Schwachstellen zu schließen. Kontinuierliches Security Monitoring spielt hier eine entscheidende Rolle.

Effektives Vulnerability Management erfordert regelmäßige Scans und kontinuierliche Überwachung auf verdächtiges Verhalten. Doch viele Unternehmen haben Schwierigkeiten, effektive Bedrohungserkennungsprogramme für ihre ERP-Systeme zu entwickeln, da gängige Threat-Detection-Lösungen nicht auf ERP-Bedrohungen spezialisiert sind. Hier können spezialisierte ERP-Security-Lösungen helfen.

SOC-Integration und Automatisierung

Ein Security Operation Center (SOC) ist für viele Unternehmen die zentrale Anlaufstelle für Sicherheitsmanagement. Um ERP-Umgebungen effektiv zu überwachen, müssen SOC-Tools so konfiguriert werden, dass sie SAP-Protokolle verarbeiten können. Dies erfordert spezialisierte SAP-Sicherheitsexpertise und zeitintensive Konfigurationen. Eine gezielte ERP-Threat-Detection-Lösung, die nahtlos in SOC-Prozesse integriert werden kann, bietet hier eine effiziente Lösung. Solche Tools nutzen Anomalie-Scores sowie Verhaltensanalysen, um verdächtige Aktivitäten schnell zu identifizieren.

Viele Unternehmen setzen auf einen „Best-of-Breed“-Ansatz, bei dem verschiedene Sicherheitslösungen kombiniert werden. Eine effektive Ransomware-Abwehr erfordert Lösungen, die sich nahtlos in bestehende Tools integrieren lassen. Herstellerneutrale, quelloffene Erkennungsregeln bieten dabei Flexibilität.

Fazit

Es gibt kein universelles Rezept, um sich vollständig vor Ransomware-Angriffen zu schützen. Durch eine stärkere Fokussierung auf ERP-Sicherheit und die Implementierung eines proaktiven Schwachstellenmanagements können Unternehmen jedoch das Risiko erheblich senken. Die Sichtbarkeit ihrer ERP-Systeme, kombiniert mit automatisierten und spezialisierten Sicherheitslösungen, ermöglicht es ihnen, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und Abwehrmaßnahmen zu ergreifen, bevor Angreifer ihre kritischen Systeme erreichen.

Bild von freepik

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok