Auf der „Infor10 on the road 2011“-Tour machte Infor in der Commerzbank-Arena in Frankfurt Station.
Auf seiner „Infor10 on the road 2011“-Tour hat das Senior-Management von Infor im Oktober Station in Frankfurt gemacht. Im bis auf den letzten Platz besetzten Foyer der Commerzbank-Arena konnte Gastgeber Gerhard Knoch, Infors Vice President EMEA, über 600 Gäste willkommen heißen. Als Keynotesprecher begrüßte Knoch zwei Mitglieder der um die Jahreswende 2010/2011 nahezu komplett neu aufgestellten Führungsriege von Infor: Duncan Angove, President für Produkte, Marketing und Support, sowie Stephan Scholl, Executive Vice President für Global Field Operations. Infor-CEO Charles Phillips hatte beide von seinem früheren Arbeitgeber Oracle zu Infor geholt.
Beide Redner positionierten Infor in kritischer Abgrenzung zu Oracle und SAP. Immerhin ist Infor die Nummer drei im Markt für Geschäftssoftware und verbundene Services und will sich mit dem in diesem Jahr auf den Markt gebrachten Infor10-Angebot an die Fersen der beiden ERP-Schwergewichte heften. Das Unternehmen weist einen Umsatz von zweieinhalb Milliarden US-Dollar aus und zählt rund 75.000 Unternehmen zu seinen Kunden; allein im letzten Geschäftsjahr sind nach Infor-Angaben 2.300 neu hinzugekommen; im gerade abgelaufenen Quartal verzeichnete Infor einen Zuwachs an weiteren 600 Kunden.
Zwar könne man mit SAP und Oracle (noch) nicht in Sachen Unternehmensgröße mithalten, sehr wohl aber beim Thema 'Geschwindigkeit', so Angove, der den Infor-Slogan 'specialized by industry, engineered for speed' als Kern der Unternehmensstrategie herausstellte. Was dahintersteckt ist eine klare Positionierung genau in dem Bereich, in dem Infor in der Vergangenheit "von Analysten und Medien häufig Prügel bezogen hatte", so Scholl, nämlich die Vielzahl unterschiedlicher IT-Systeme als Ergebnis von nahezu fünfzig Akquisitionen seit Infor-Gründung im Jahr 2002.
Statt dieses Portfolio mit teils überlappender Funktionalität zu bereinigen, was überhaupt nicht in Frage käme, so Scholl, gehe es vielmehr darum, die besonderen Stärken der einzelnen Systeme durch ihre Kombination für branchenspezifische, vorgefertigte End-to-End-Lösungen, so genannte Infor10 Industry Suites, einzusetzen. Insgesamt 13 Zielbranchen hat der Anbieter hierfür definiert und will innerhalb der einzelnen Branchen bis auf Ebene der Micro Verticals die benötigte Funktionalität bereitstellen. "Ein ERP-Produkt für alle Zwecke zu nutzen, ist nur gut für den Hersteller, aber schlecht für die Anwender", unterstrich Angove und grenzte sich damit von den generischen Ansätzen der Wettbewerber ab. Dagegen biete sein Unternehmen im Rahmen des Infor10-Angebots Lösungen, die extrem schnell und passgenau einsetzbar seien, ohne die sonst erforderlichen, oft beträchtlichen Zusatzaufwände für Customizing und Systemintegration.
In diesem Zusammenhang bot sich Ferrari als willkommene Referenz an: Obwohl der Mutterkonzern Fiat auf SAP setze, habe Ferrari wegen der spezifischen Infor10-Funktionalität für sein Kerngeschäft anders entschieden und innerhalb von neun Monaten die entsprechende Automotivesuite eingeführt, erläuterte Scholl. Die entsprechende Suite setze sich zusammen aus ERP LN, dem ehemaligen Baan, sowie Assembly Control, BI, EAM, PLM und SCM.
Das Rückgrat dieses branchenspezifischen Ansatzes ist die Integrationstechnologie ION (Intelligent Open Network), eine Weiterentwicklung der bisher schon von Infor-Kunden eingesetzten Open SOA. Die wurde im Wesentlichen um Eventmanagement und applikationsübergreifende Workflowfunktionalität erweitert und bindet zwei weitere Infor10-Konzepte ein: Workspace und Cloud-Suite. Insbesondere mit Workspace sehen sich Angove und Scholl dem Wettbewerb einen Schritt voraus. Neudeutsch 'Consumerization' genannt, orientiert sich die Workspaceoberfläche an dem, was Verbraucher schon längst von ihren Smartphones, von Facebook, Twitter und Co. gewohnt sind. Workspace führt an einem Ort Informationen aus den unterschiedlichsten Quellen, inklusive Social Media, zusammen und stellt sie den Anwendern je nach ihrer Funktion zur Verfügung. Unter dem Stichwort 'In-Context-BI' stehen zum Beispiel in Echtzeit Kennziffern für die schnelle Entscheidungsfindung bereit.