Mihai Morcan, Leiter Services Deutschland bei Dell
ITM: Herr Morcan, anhand welcher Zertifizierungen oder Gütesiegel können mittelständische Verantwortliche die Qualität und Sicherheit von Cloud-Services bewerten?
Mihai Morcan: Bekannte Zertifizierungsmöglichkeiten für das Cloud Computing sind ISO 27001 oder der „Eurocloud Star“. Dabei werden Cloud-Anbieter mit Fragenkatalogen überprüft. Es geht hierbei vor allem um die Implementierung und Einhaltung von Sicherheits- und Qualitätskriterien im Betrieb. Die Nutzung von Cloud-Providern bleibt jedoch zu jedem Zeitpunkt Vertrauenssache. IT-Betriebsprozesse über einen Cloud-Anbieter abzuwickeln setzt Vertrauen in die Verfügbarkeit und Sicherheit der Daten voraus und ist Grundvoraussetzung für das Geschäftsmodell der Cloud-Provider.
ITM: Wie sollten Mittelständler am besten vorgehen, wenn sie bestehende Systeme in die Wolke eines Cloud-Service-Providers hieven möchten?
Morcan: Der erste Schritt ist die eigene Analyse der Geschäfts- und IT-Prozesse. Dabei sollte der konkrete Grund für den Wechsel in die Cloud die Basis aller Überlegungen sein. Was soll erreicht werden und welche Applikationen eignen sich dafür? Geht es um Verfügbarkeit in einem 24/7-Betrieb oder allgemein um Kostensenkungen? Stehen Flexibilität und die Anpassung der IT an die jeweilige Geschäftssituation im Vordergrund? Dies sind die entscheidenden Fragen, die sich Mittelständler zunächst stellen sollten, wenn Sie auf die Cloud setzen wollen.
ITM: Worauf sollte bei einer solchen Migration in die Cloud vor allem geachtet werden? Welche Hürden müssen gemeistert werden?
Morcan: Eine Migration in die Cloud erfordert eine umfangreiche Vorbereitung. Grundsätzlich lässt sich konstatieren, dass Virtualisierung, Standardisierung und Automatisierung einer existierenden IT-Infrastruktur eine gute Voraussetzungen sind, um Cloud-Aktivitäten zu starten. Kunden, die hierbei eine Standortbestimmung benötigen, empfehlen wir die Beauftragung eines Cloud Assessments. In Gesprächen wird dabei anhand einer vorhandenen Methodik und entsprechender Fragebögen bestimmt, ob und – wenn ja – welche Anwendungen und Daten in die Cloud übernommen werden können. Weiterhin gibt es Empfehlungen, welche Schritte unternommen werden sollten, um sich für einen Cloud-Betrieb vorzubereiten. Dell unterstützt seine Kunden hierbei und bietet unter anderem Virtualisierungs- und Cloud-Assessments an.
ITM: Wie können Unternehmen die einmal in die Cloud gegebenen Systeme bzw. Applikationen wieder in einen herkömmlichen Eigenbetrieb zurückholen? Oder ist die Entscheidung zugunsten einer Cloud per se eine Einbahnstraße?
Morcan: Die Übergabe von Anwendungen an einen Cloud-Provider ist keinesfalls eine Einbahnstraße. Wichtig ist allerdings, auf eine standardisierte IT-Infrastruktur sowie einfache Schnittstellen zum Cloud-Provider zu achten. Weiterhin sollten bereits bei Vertragsabschluss Ausstiegsklauseln definiert werden, um den Prozess bei Beendigung des Vertragsverhältnisses festzulegen. Bei der Migration zurück in einen Eigenbetrieb oder zu einem anderen Cloud-Dienstleister ist die Unterstützung des abzulösenden Cloud-Providers notwendig.
ITM: Wie kann man vollkommen sicher gehen, dass ein Cloud-Service-Provider nach Vertragsschluss auch wirklich alle Daten des Anwenderunternehmens löscht? Und dies auch noch sicher sowie datenschutz-/rechtskonform?
Morcan: Das Löschen von Daten nach Ende eines Vertrages gehört zu einem der wichtigen Punkte, die bereits in den Vertragsverhandlungen festgelegt werden sollten. Dabei ist zu beachten, dass es nicht ausreicht, die eigentlichen Daten zu löschen. Da Cloud-Provider die Sicherheit und Verfügbarkeit von Daten zusichern, werden sie von eigenen Sicherungsanwendungen des Providers verarbeitet und auf verschiedenen Systemen gespeichert, um den sicheren IT-Betrieb gewährleisten zu können. Die Kunden sollten bei Abschluss des Vertrages auch an vertragliche Regelungen für das Löschen der Daten denken und diese in die Vereinbarungen aufnehmen.