Server-Virtualisierung

Cloud-Technologien im Serverschrank

Im Interview berichtet Ulrich Hamm, Consulting Systems Engineer bei Cisco, welche warum Cloud-Technologien auch im Serverschrank Einzug erhalten.

Ulrich Hamm, Consulting Systems Engineer bei Cisco

ITM: Herr Hamm, wie hoch ist derzeit die Nachfrage mittelständischer Unternehmen nach Servern?
Ulrich Hamm:
Die Nachfrage von mittelständischen Unternehmen nach Servern ist nach wie vor sehr hoch. Das gilt für alle Server-Klassen wie Rack-Server, Blade-Server und so weiter.

ITM: Welche Merkmale prädestinieren einen Server für den Einsatz im Mittelstand?
Hamm:
Das sind die klassischen Server-Merkmale wie hohe Leistungs- und Speicherdichte zu einem angemessenen Preis sowie benötigte Schnittstellen. Zumindest bei den Standard x86-Plattformen gibt es hier keine wesentlichen Unterschiede im Vergleich zu großen Unternehmen, da in der Regel die gleichen Anwendungen verwendet werden. Der Mittelstand legt aber noch mehr Wert auf einfache Konfiguration und Verwaltung sowie die schnelle Integration in die Infrastruktur, welches das „Baukastensystem“ unserer UCS-Server bietet.

ITM: Wie treffen IT-Verantwortliche die richtige Wahl?
Hamm:
IT-Verantwortliche sollten immer den Anwendungszweck im Auge behalten und darauf basierend die verschiedenen Server-Angebote genau prüfen. Neben Schnittstellen, Leistungs- und Speicherkapazität gemäß den genutzten Anwendungen spielt auch der Stromverbrauch im laufenden Betrieb inzwischen eine große Rolle. Eine Hilfe für die richtige Wahl können hier die verschiedenen Benchmark-Tests bieten wie SPECint.

ITM: Inwieweit spielt die Serverlast eine Rolle als Auswahlkriterium?
Hamm:
Last ist immer ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl. Allerdings können heute bei Nutzung von Virtualisierung die verschiedenen Workloads einfach zwischen den Servern verschoben werden. So lässt sich stets eine optimale Auslastung erreichen.

ITM: Welche Vorteile haben kleine und mittelständische Unternehmen von einem eigenen Serverbetrieb?
Hamm:
Sie sind damit vor allem unabhängig von externen Anbietern. Bei entsprechend optimierter Konfiguration profitieren sie auch von höherer Performance, Flexibilität und Sicherheit. Doch hier bieten viele seriöse Anbieter ebenfalls sehr gute Dienste an, so dass im Einzelfall zu entscheiden ist, welche Server und Anwendungen eventuell ausgelagert werden können.

ITM: Was passiert, wenn der Server ausfällt? Welche Sicherheitsvorkehrungen können getroffen werden?
Hamm:
Im Eigenbetrieb sind Serviceverträge mit entsprechenden Vereinbarungen für Reaktionszeiten und Austausch sowie bei Bedarf das Vorhalten von Ersatzsystemen sehr wichtig. Bei virtualisierten Umgebungen ist dies ein kleineres Problem, da sich hier Workloads schnell verlagern lassen. Doch dabei muss natürlich darauf geachtet werden, dass genügend Kapazitäten vorhanden sind.

ITM: Wann sollte ein Mittelständler besser auf Standardsysteme z.B. auf Windows- oder Linux-Basis zurückgreifen, wann sind spezialisierte Serverplattformen sinnvoll?
Hamm:
Das ist sehr stark von der jeweiligen Anwendung abhängig. In der Regel stehen heute die Applikationen in verschiedenen Versionen für die unterschiedlichen Server-Plattformen zur Verfügung. Haben Unternehmen beim Server-Betriebssystem freie Wahl, bietet die Nutzung von Standard-Plattformen häufig eine größere Auswahlmöglichkeit und ein besseres Preis-Leistungsverhältnis.

ITM: Wird der Serverschrank auf Dauer durch Cloud Computing ersetzt werden?
Hamm:
Das ist eher unwahrscheinlich. Es wird wohl nur selten ein „Alles oder nichts“ geben, so halten im Zuge der Private Cloud auch im eigenen Serverschrank Cloud-Technologien Einzug. Hybride Lösungen wie Private Cloud für unternehmenskritische Anwendungen und Public Cloud-Dienste für weniger kritische Applikationen sowie Test- und Entwicklungsprojekte können hier zukünftig zum Standard werden.

ITM: Welche Auswirkungen hat das Support-Ende für Microsoft Windows Server 2003 auf mittelständische Anwender?
Hamm:
Viele mittelständische Unternehmen setzen immer noch Microsoft Windows Server 2003 ein. Diese sollten spätestens jetzt mit Migrationsprojekten beginnen oder ihre Server-Hardware austauschen. Falls veraltete Anwendungen diesen Schritt vereiteln, sollten sie auch diese auf einen aktuellen Stand bringen, um von Support und Sicherheitsupdates zu profitieren.

ITM: Welche Servertypen eignen sich für Virtualisierungszwecke?
Hamm:
Für die Virtualisierung ist der „Standard“ in der Regel ein Zwei-Sockel-System mit großem Speicher wie 128, 256 oder sogar 512 GB RAM. Zudem sollte es über einen 10 Gigabit Netzwerk-Anschluss verfügen.

ITM: Wann ist der Einsatz eines Blade-Servers ratsam und profitabel?
Hamm:
Blade-Server bieten eine kompakte Lösung, die Server und Netzwerk integriert. Sie benötigen weniger Platz, reduzieren die Verkabelung und sind einfach erweiterbar.

ITM: Welche Aspekte müssen IT-Verantwortliche beim Umstieg auf Blade-Server beachten?
Hamm:
Bei klassischen Blade-Server-Lösungen befinden sich im Chassis Netzwerkkomponenten. Dies muss aus betrieblicher Sicht betrachtet werden und kann bei Fehlersituationen eine Herausforderung bedeuten. Es gibt aber auch Blade-Server-Lösungen, die diese Problematik adressieren und ebenfalls einen einfachen Betrieb sowie nahtlose Integration in die vorhandene Infrastruktur ermöglichen.

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