„Die Lösungen sind so unterschiedlich wie der Mittelstand selbst. Schreinereien stehen vor anderen Herausforderungen als Dienstleister.“ Rico Üslük, Head of DACH Region bei Logitech
ITM: Herr Üslük, vom Privileg zur absoluten Notwendigkeit: Das Homeoffice hat in diesem Jahr eine ganz neue Bedeutung erfahren. Wie hat sich Ihrer Einschätzung nach die Akzeptanz für dieses Arbeitsmodell entwickelt?
Rico Üslük: Wie hoch die Akzeptanz für das Homeoffice wirklich ist, werden wir wohl erst sehen, wenn die Pandemie überstanden ist. Aktuell ist das Arbeiten von zu Hause aus einfach ein „Muss“ und die deutsche Wirtschaft hat sich außerordentlich gut an diese neue Situation angepasst. Vermutlich werden sich die New-Work-Ansätze während der Pandemie so weit etablieren, dass sie auch danach weitergeführt werden. Trotzdem wird es weiterhin Chefs geben, die neue Arbeitsplatzkonzepte ablehnen und ihre Mitarbeiter gerne im Büro sehen wollen. Voraussichtlich werden die meisten Unternehmen einen Zwischenweg zwischen Präsenz und Homeoffice wählen.
ITM: Am Anfang der Pandemie standen für viele Unternehmen die grundlegenden technischen Herausforderungen des „ad hoc“-Umzugs ins Homeoffice im Fokus. Ist dies nach wie vor so oder hat sich das Augenmerk verlagert?
Üslük: Ja, die Möglichkeit des Homeoffice überhaupt umzusetzen, war für viele Unternehmen am Anfang die wichtigste Herausforderung. Je länger die Pandemiesituation andauert, desto offensichtlicher zeigt sich aber, welche Unternehmen sich bewusst schon vorher um die Umsetzung einer modernen Arbeitsumgebung gekümmert haben. Firmen, die sich vorschnell für wenig praktikable Lösungen entschieden haben, müssen jetzt erneut in einen Wechsel investieren und Ineffizienz oder unzufriedene Mitarbeiter in Kauf nehmen – keine schöne Situation. Das zeigt, wie wichtig das „Wie“ und die Qualität bei der Umsetzung von New-Work-Konzepten sind.
ITM: Oft waren bisher bei Homeoffice-Modellen die Bedenken der Unternehmer ein Hemmschuh – doch wie steht es aus Ihrer Erfahrung um die Arbeitnehmer?
Üslük: Je länger die Pandemie dauert, desto öfter wollen auch Homeoffice-Befürworter gerne mal wieder ins Büro gehen. Das zeigt, wie wichtig das „Wie-live-Gefühl“ ist. Hier ist gutes Equipment gefragt. Denn damit das Homeoffice möglichst genau so funktioniert wie das Büro, braucht es auch mal eine virtuelle Kaffeepause und ähnliche informelle Kommunikation. Wenn aber das Bild pixelig ist oder der Ton rauscht, hat niemand Spaß an so etwas. Dann wird aus der modernen Arbeitsumgebung schnell eine unangenehme Isolation. Hier sind die Chefetagen gefragt, die ihre Mitarbeiter mit dem nötigen Equipment und Know-how ausstatten müssen.
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ITM: Wie hat speziell der deutsche Mittelstand auf die Krise reagiert? Gab es einen Digitalisierungsschub?
Üslük: Natürlich hat auch der Mittelstand die Herausforderungen der Pandemie meistern müssen. Und viele Mittelständler haben digital massiv aufgerüstet. Die Lösungen sind hier aber so unterschiedlich wie der Mittelstand selbst. Eine Schreinerei steht vor ganz anderen Herausforderungen als ein IT-Dienstleister. Während man die Digitalisierungsinitiativen also nicht pauschal betrachten kann, gibt es eine wichtige Erkenntnis, die über alle Branchen ähnlich ist: Kleine Teams können trotz räumlicher Trennung effizient sein. Auch im KMU-Umfeld ist die zwischenmenschliche Komponente sehr wichtig. Daher hatten viele Unternehmen zunächst Bedenken, ob und wie produktiv Arbeit in kleinen Teams aus dem Homeoffice funktioniert. Hier haben viele jetzt gelernt, dass digitale Kommunikation dem keinen Abbruch tut, sofern qualitativ hochwertige Lösungen verwendet werden.
Bildquelle: Logitech