Data Center Infrastructure Management

Dashboards fürs Rechenzentrum

Ohne Analyse-Features, Dashboards und Reporting läuft beim Data Center Infrastructure Management (DCIM) so gut wie nichts, erklärt Peter Wastl von Emerson Network Power im Interview.

Peter Wastl, Emerson Network Power

Peter Wastl, Principal Solutions Engineer für EMEA bei Emerson Network Power

ITM: Herr Wastl, auf welche Funktionen sollten Anwenderunternehmen heute bei der Auswahl eines neuen Infrastrukturmanagements für ihre Rechenzentren und Server-Räume (neudeutsch: Data Center Infrastructure Management, DCIM) vor allem achten?
Peter Wastl:
Sie sollten zunächst DCIM-Lösungen wählen, die eine Überwachung und Management sowohl der physischen als auch der virtualisierten Infrastruktur in Echtzeit ermöglichen. Moderne DCIM-Lösungen sorgen für diesen Überblick mit web-basierten Dashboards. Die notwendigen Daten bekommen sie von den IT-Geräten und Facility-Systemen. Die Sammlung der Daten sollte autark und skalierbar erfolgen, damit sie auch im Fall eines Verbindungsausfalls reibungslos funktioniert und Server-Systeme durch die ansteigenden Datenmengen nicht überlastet werden.

Für eine präzise Planung der Kapazitäten sollte die DCIM-Lösung in der Lage sein, anhand der Daten Reports und Trendanalysen zu erstellen. Auch die Stromversorgung sowie wichtige Umgebungsparameter, wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit, sind zu überwachen und zu visualisieren, um Auslastungen vorhersagen und Einsparpotentiale identifizieren zu können. Mobiles Management über ein entsprechendes Endgerät sollte ebenfalls mit der DCIM-Lösung möglich sein. Das erhöht die Flexibilität, spart Zeit, sorgt für ein Plus an Komfort und senkt die Ausfallquote.

ITM: Inwieweit lässt sich mit DCIM-Software der gesamte Lebenszyklus eines Rechenzentrums abbilden?
Wastl:
Um den Lebenszyklus eines Rechenzentrums zu planen, brauchen RZ-Verantwortliche einen detaillierten Blick in die IT und sonstige Rahmenbedingungen im Rechenzentrum. Eine DCIM-Lösung bietet genau das, denn sie sammelt und speichert alle Informationen zur vorhandenen Infrastruktur. Damit können Änderungen und deren Auswirkungen sowie Wartungen präzise geplant, Geräte effizient ersetzt und potentielles Wachstum entdeckt werden.

ITM: Welche Analyse-Features sollten integriert sein?
Wastl:
DCIM-Lösungen sollten über umfassende Echtzeit-Analyse- und Reporting-Funktionen verfügen, mit denen sich übersichtliche und gleichzeitig aussagekräftige Reports und Trendanalysen zu allen Rechenzentrumsressourcen erstellen lassen, etwa zu Platz-, Netz-, Server-, Strom- und Kühlkapazitäten. Die Analysen werden auf Basis der durch das DCIM-System erfassten Daten erstellt und ermöglichen eine präzisere Planung, durch die in der Folge beispielsweise Hotspots vermieden und Kühlsysteme rechtzeitig hinzugeschaltet oder angepasst werden können.

ITM: Welche Herausforderungen kommen mit aktuellen Infrastrukturtrends wie "Software-defined everything" auf DCIM-Anbieter und ihre Lösungen zu?
Wastl:
Diese aktuellen Infrastrukturtrends werden Hardware-Plattformen flexibler und dynamischer machen, sie bergen aber auch einige Herausforderungen. Um sie zu meistern, sind  ganzheitliche DCIM-Lösungen erforderlich, die anpassungsfähig sind und schnell auf Veränderungen reagieren können. Besonders wichtig sind dabei insbesondere Datenanalysen in Echtzeit sowie Kontrollmechanismen, die den gewünschten Zustand mit dem tatsächlichen Output vergleichen und bei Abweichungen entsprechendes Feedback geben (Closed-Loop-Control).

ITM: Stichwort Cloud Computing: Inwieweit übernehmen aktuelle DCIM-Systeme die Verwaltung hybrider Cloud-Infrastrukturen? Worauf kommt es hierbei vor allem an?
Wastl:
Die Virtualisierung sowie Trends wie Cloud Computing und konvergente Infrastrukturen eröffnen scheinbar unendliche neue Möglichkeiten. Sie machen das Infrastrukturmanagement aber gleichzeitig wesentlich komplexer und lassen Grenzen zwischen public und privaten Cloud-Ressourcen verschwimmen. Umso wichtiger ist es, den Überblick zu behalten. DCIM-Lösungen spielen dabei eine wichtige Rolle: Sie sind in der Lage, die zur Verfügung stehenden Kapazitäten, wie beispielsweise Strom, Fläche oder Kühlung, sofort zu identifizieren und bei Bedarf schnell auszugleichen, bevor kritische Grenzwerte erreicht werden. Mit diesen Mechanismen nehmen DCIM-Lösungen eine wichtige, regulierende Funktion gegenüber dem Cloud Computing ein. Entscheidend ist dabei, die physischen und logischen Ressourcen eng aneinander auszurichten, um Kapazitäten optimal zu verwalten und die Flexibilität im Rechenzentrum zu erhöhen.

ITM: Anbieter sogenannter „hyperkonvergenter Systeme (Hyperconvergence)“ integrieren gewisse Management-Tools bereits in Ihrer Gesamtlösung. Was bedeutet dies für den DCIM-Markt? Werden eigenständige DCIM-Tools künftig gar obsolet werden?
Wastl:
Eigenständige DCIM-Tools werden auch künftig ihre Daseinsberechtigung haben, da sie einige Vorteile bieten: Im Gegensatz zu hyperkonvergenten Systemen sind sie herstellerunabhängig und liefern dem Anwender eine neutrale Sicht auf seine Infrastruktur. Sie sind keine isolierten Punktlösungen, die sich nur in einer individuellen Umgebung einsetzen lassen, sondern übergreifende Gesamtlösungen, die sämtliche Informationspools einer Infrastruktur dank entsprechender Schnittstellen übersichtlich darstellen. Zudem sind eigenständige DCIM-Lösungen nicht vorkonfiguriert, sondern lassen sich durch ihre skalierbare Architektur flexibel an Veränderungen oder Erweiterungen anpassen.

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