Welche Faktoren die Datenwiederherstellung erschweren

Datenrettung im Rechenzentrum

Eine zuverlässige Aufbewahrung, Bereitstellung und Verwaltung von Daten ist für Unternehmen unerlässliche Pflicht, um Geschäftsprozesse am Laufen zu halten. Beim Thema Datenrettung stehen IT-Verantwortliche meist vor vermeidbaren Problemen.

Es gibt kaum ein mittelständisches Unternehmen, das in den vergangenen Jahrzehnten nicht stark in seine IT-Landschaft investiert hätte. Laut dem Beratungsinstitut Techconsult, das den monatlichen IT-Mittelstandsindex veröffentlicht, tragen mittelständische Unternehmen dabei zu 40 Prozent der IT-Ausgaben und Investitionen in Deutschland bei. Trotz der hohen Investitionen in den letzten Jahren laufen in den Rechenzentren der Mittelständler oft noch viele ältere Systeme. Dazu arbeiten dort oft Server oder Storage-Systeme unterschiedlicher Hersteller, mit unterschiedlichen Betriebssystemen oder Protokollen in mehr oder weniger friedlicher Koexistenz zusammen. Sie wurden über Jahre hinweg in verschiedensten Projekten mühsam verbunden. Solche heterogenen Umgebungen können zu einer Vielzahl von Fehlerquellen für Ausfälle und Datenverlust führen.

Menschliche Fehler führen zum Datenverlust

Doch ist in solchen heterogenen Rechenzentren nicht nur unterschiedliche Hardware eine potentielle Gefahr – auch der Faktor Mensch muss berücksichtigt werden. Denn die Datenrettungspraxis zeigt: Im Eifer des Gefechts machen gerade Anwender Fehler. Dabei ist ein Hochwasser, das ein Rechenzentrum überflutet, recht selten, nicht aber kuriose Fälle, bei denen eine Sprinkleranlage genau über den wichtigsten Servern ihre Wassermassen abgibt. Dieser Ausfall und Datenverlust wäre durch bessere Planung leicht zu vermeiden gewesen.

Das gleiche gilt auch für die vielen Fälle, bei denen ein Administrator versucht hatte, sein System zu optimieren. So werden – um belegten Speicherplatz zu optimieren – Daten und Ordner, ob reale oder virtuelle, im laufenden Betrieb falsch verschoben, sodass entweder die Daten nicht mehr auffindbar sind und/oder das ganze System nicht mehr ordentlich funktioniert.
 

Checkliste: Schutz vor Datenverlust

1. Stets ein aktuelles Backup vorhalten: Nur mit einem Backup können geschäftskritische Informationen schnell wiederhergestellt werden.

2. Notfallplan erstellen: Neben dem Erstellen und der regelmäßigen Prüfung von Backups ist auch ein Notfallplan für Datenverluste ein wesentlicher Bestandteil der Datensicherung. In ihm sollten neben den Verantwortlichkeiten auch die technischen Lösungsvorschläge für die wichtigsten Ausfallszenarien detailliert dokumentiert werden.

3. Ruhe bewahren: Auf der Suche nach einer Lösung sollten Mittelständler auf keinen Fall übereilte Entscheidungen treffen, sondern immer die Auswirkungen und Konsequenzen berücksichtigen. Wenn der IT-Verantwortliche sich nicht absolut sicher sind, was er tut, sollte er es lieber sein lassen

4. Im Zweifelsfall an einen professionellen Datenretter wenden: Dieser kann im äußersten Notfall einen Großteil der verlorenen Daten (eventuell sogar alle) wiederherstellen.

Quelle: Kroll Ontrack


Zudem zeigt sich, dass viele Betreiber offensichtlich der Werbung zu viel Glauben schenken und sich in falscher Sicherheit wiegen. Sonst wäre es nicht erklärbar, dass oft kein aktuelles Backup ihrer Systeme vorgehalten wird. Gerade bei den beliebten RAID-Systemen kommt es aber trotz eigentlich besserer Absicherung dennoch zu Ausfällen. Zwar ist es möglich – z.B. bei einem RAID5-Verbund – den Ausfall einer Harddisk aufzufangen und das System selbstständig wiederherzustellen, aber viel zu oft gehen gleich zwei Festplatten kaputt. Außerdem können – und das ist vielen nicht klar – die elektronischen RAID-Controller ausfallen, mit dem Effekt, dass nicht nur die Disks nicht mehr angesprochen werden können, sondern auch die Zuordnung der Dateifragmente erst mal nicht mehr funktioniert.


Dabei ist der Aufwand für einen Administrator, um das RAID wieder zum Laufen zu bringen, alles andere als trivial und die Fehler, die hier gemacht werden, können eine spätere Datenrettung zu einer richtigen Herausforderung machen. Denn häufig werden von den Administratoren RAID-Recovery-Bordmittel zum falschen Zeitpunkt eingesetzt. So wird nach einem Plattenausfall das RAID versehentlich neu initialisiert, was eigentlich einen Rebuild nach sich ziehen würde. Gefährlich ist die fehlerhafte Neuinitialisierung deshalb, weil die neue Parity einfach unter Missachtung der alten Parity neu geschrieben wird, teilweise in einer anderen Reihenfolge, anstatt aus den verbliebenen – funktionierenden – Festplatten die ausgefallene Disk auf einer neuen Ersatzfestplatte wieder aufzubauen.


Rettungseingriff abwägen

Datenverlust betrifft eben nicht nur Privatanwender, die Bilder oder persönliche Dokumente vermissen, sondern in zunehmendem Maße gerade auch Firmen, deren Systeme im Laufe der Jahre immer komplexer wurden und gleichzeitig immer mehr Eingriffsmöglichkeiten durch den Anwender bieten. Wenn dann noch der zuständige Mitarbeiter versucht, das Problem selbständig zu lösen, vielleicht in Panik gerät und anschließend noch falsche Entscheidungen trifft, kann er das Problem deutlich verschlimmern. Unter Umständen ist dann eine Datenrettung gar nicht mehr möglich. So werden Datenverluste immer schwieriger zu bewältigen und stellen selbst Datenrettungsprofis vor große Herausforderungen.

Bildquelle: Thinkstock

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