„Wenn die Steuerung des Aufzugs im Parkhaus auf einmal Zugriff auf die Datenbank nimmt, dann liegt etwas im Argen“, warnt Klaus Gheri, Vice President Network Security bei Barracuda Networks.
ITM: Herr Gheri, inwiefern haben mittelständische Unternehmen anno 2014 die Themen „Cyberkriminalität“ und „IT-Sicherheit“ auf dem Schirm?
Klaus Gheri: Diese Themen sind nach wie vor ganz oben auf der Prioritätenliste des Mittelstands. KMU sind den gleichen Bedrohungen ausgesetzt wie Großunternehmen. Das Internet macht keinen Unterschied. Doch wo ein internationaler Konzern große Teams speziell für IT-Security beschäftigt und erhebliche Mittel investieren kann, um sich zu schützen, muss sich ein KMU mit erheblich geringeren Mitteln helfen.
ITM: Die technologischen Entwicklungen schreiten immer weiter voran und bieten gleichzeitig neue Angriffsflächen für Cyberkriminelle. Welche Technologien/Bereiche stehen aktuell als Einfallstore im Mittelpunkt?
Gheri: Grundsätzlich gilt: Je erprobter eine Technologie ist, desto besser kann sie gegen Angriffe geschützt werden. Deswegen verschiebt sich der Fokus der Security 2014 auf die neuen Bereiche der IT, und das sind das Internet der Dinge, und das bedeutet für Unternehmen vor allem das Facility Management und die automatisierte Fertigung.
ITM: Welches Gefahrenpotential birgt das „Internet der Dinge“?
Gheri: Erste Fälle zeigen, dass es bereits Angriffe auf IP-verbundene Geräte gibt. Die Architekturen und Technologien, die zu deren Schutz eingesetzt werden können, bestehen bereits, sie müssen nur konsequent eingesetzt werden.
ITM: Inwiefern kommen „intelligente, vernetzte Geräte“ bereits im Mittelstand zum Einsatz?
Gheri: Öfter als man denkt und vermutlich öfter als den IT-Verantwortlichen klar ist. Das ist auch der Grund, warum sie bisher noch eine der Schwachstellen in der Sicherheitsarchitektur darstellen.
ITM: Warum sind die mit dem Internet verbundenen Geräte wie Heimnetzwerkrouter, Fernseher oder Kühlschrank so leicht angreifbar?
Gheri: Zu den genannten Gründen kommt noch ein weiterer dazu: der iUser. Diese Geräte sind auf den Endverbraucher hin konzipiert worden, der sie oft mit großen Selbstvertrauen, aber geringerem Sicherheitsverständnis einsetzt, oft auch ohne die IT-Abteilung frühzeitig einzubinden. Wenn diese Geräte mit den Werkseinstellungen in Betrieb gehen, ohne dass vorhandene Sicherheitsmechanismen angepasst wurden, sind sie natürlich angreifbar. Eine unternehmensweite Richtlinie zum Einsatz neuer, IP-fähiger Geräte ist nötig, um dieser Gefahr vorzubeugen.
ITM: Wie werden die Geräte missbraucht bzw. wozu werden sie von Cyberkriminellen benutzt?
Gheri: Wenn der IP-Zugang eine Angriffschance bietet, wird er in kurzer Zeit geknackt sein. Wenn die Firma auf einen veralteten Ansatz des Perimeterschutzes ohne nachgelagerte Sicherheitsschranken setzt, hat der Angreifer damit ein Biotop gefunden, von dem aus er das gesamte Firmennetzwerk unterwandern kann.
ITM: Welchen Schaden können IoT-basierte (Internet of Things) Attacken (in einem Unternehmen) anrichten?
Gheri: Im schlimmsten Fall drohen Datendiebstahl, Industriespionage und der Missbrauch der IT als Teil eines Botnetzes.
ITM: Wie ließe sich ein Angriff auf bzw. über vernetzte Geräte nachweisen?
Gheri: Nur durch einen modernen Zero-Trust-Ansatz in der IT, der die internen Datenströme fortlaufend analysiert und unerwartete Anfragen blockt und meldet. Wenn die Steuerung des Aufzugs im Parkhaus auf einmal Zugriff auf die Datenbank nimmt, dann liegt etwas im Argen.
ITM: Wie kann der Anwender laufende Manipulationen seiner Geräte selbst erkennen?
Gheri: Mit geeigneten Firewall- und WAF/ADC-Lösungen, welche vor und zwischen sensible Elemente der Infrastruktur geschaltet werden und unerlaubte Zugriffe auch von internen Quellen melden.
ITM: Welche IT-Sicherheitsmaßnahmen sind zukünftig sinnvoll – von Seiten der Gerätehersteller, aber auch von Seiten der Anwender, die letztlich auf die vernetzten Geräte vertrauen?
Gheri: Der Zero-Trust-Ansatz muss für Anwender zum Standard werden, Hersteller müssen transparent und zeitnah auf Sicherheitslücken reagieren und dürfen nicht der Geheimhaltung Vorrang geben, wenn dadurch die Sicherheit ihrer Kunden gefährdet wird.
ITM: Welchen Beitrag können IT-Sicherheitsanbieter an dieser Stelle leisten?
Gheri: Sie können Produkte entwickeln, die den vollen Schutz der Zero-Trust-Architektur auch für mittelständische Unternehmen möglich machen. Das ist nicht so sehr ein Problem der Anschaffungskosten, als vielmehr der korrekten Konfiguration und Wartung. Mittelständische Unternehmen haben keine großen IT-Abteilungen mit der Manpower, einen oder zwei Spezialisten alleine für diese Aufgabe abzustellen. Ihre Security-Lösung muss bei vollem Schutzumfang so einfach zu bedienen sein, dass es jeder IT-Profi mit ein wenig Vorwissen leisten kann. Das bedeutet eine Consumerisation der Security – leistungsstark, aber intuitiv und im Funktionsumfang nicht überfrachtet.