Prof. Dr. Henning Klaffke, BHH: „Die Hochschulen sind gefordert, praxisnah, dual oder kooperativ mehr Informatikstudierende auszubilden.“ ((Bildquelle: BHH))
Dr. Ryne A. Sherman, Hogan Assesments: „Das Szenario der Heimarbeit hat die Erwartungen der Arbeitnehmer an eine bessere Work-Life-Balance geschürt.“ ((Bildquelle: Hogan Assesments))
David Padilla, Kenjo: „Durch die Einführung von Personalmanagement-Software können Unternehmen ihre Arbeit effektiver gestalten.“ ((Bildquelle: Kenjo))
Prof. Dr. Henning Klaffke, Professor für Angewandte Informatik an der Beruflichen Hochschule Hamburg (BHH), erläutert, inwieweit sich die gegenwärtigen Krisen auf den Fachkräftemangel in der IT-Branche auswirken und wie sich für die Zukunft neue IT-Talente für die Unternehmen gewinnen lassen.
In der IT-Branche waren Ende 2021 rund 96.000 Stellen für IT-Fachkräfte vakant. Das ist laut Bitkom der zweithöchste jemals gemessene Wert seit der Ersterhebung im Jahr 2010. Trotz der Mehrfachbelastung der deutschen Wirtschaft durch den Russland-Ukraine-Krieg, die steigende Inflation und die noch nicht überstandene Corona-Pandemie rechnet die Branche weiterhin mit steigenden Digital- und IT-Ausgaben der Unternehmen. Die 2022 veröffentlichte Lünendonk-Studie bestätigt, dass sich der IT-Fachkräftemangel vor allem in den Bereichen „Software-Entwicklung“, „Cloud-Architektur“, „Business-Architektur“, „Security“ und „Daten“ noch verschärfen wird. Doch wie reagiert man darauf? 80 Prozent der befragten Unternehmen setzen auf das Instrument der Aus- und Weiterbildung. Ein überwiegender Teil der Unternehmen (57 Prozent) wird die Zahl der Ausbildungsplätze weiter ausbauen. Die Hochschulen sind gefordert, praxisnah, dual oder kooperativ mehr Informatikstudierende auszubilden. Einen neuen Ansatz verfolgen wir an der Beruflichen Hochschule Hamburg. Das Informatikstudium ist mit der dualen Berufsausbildung zum Fachinformatiker verzahnt. Praxisnah und bedarfsgerecht können zwei Abschlüsse in vier Jahren erworben werden. Anstrengungen sind auch in der MINT-Förderung an Schulen sowie der Berufs- und Studienorientierung notwendig. Junge Menschen für IT-Berufe zu begeistern, ist eine große Aufgabe, um den Fachkräftemangel langfristig zu reduzieren.
Dr. Ryne A. Sherman, PhD, Chief Science Officer bei Hogan Assesments weiß, was Unternehmen anno 2022 tun müssen, um ihre IT-Fachkräfte langfristig zu halten und einer (weiteren) Kündigungswelle – Stichwort „Great Resignation“ – entgegen zu wirken.
Die IT-Branche hat im Laufe der Pandemie große Turbulenzen erlebt und Beschäftigte bewerten ihre beruflichen Prioritäten derzeit neu, besonders wenn sie unzufrieden sind. Arbeitgeber müssen daher in drei wichtigen Punkten Flexibilität und Anpassungsfähigkeit zeigen. Gehälter: Es muss sichergestellt werden, dass sie fair und marktkonform sind. Es ist jedoch zu bedenken, dass die Gewinnung von Mitarbeitern über das Gehalt auch bedeutet, dass sie wahrscheinlich nach demselben Kriterium wieder abwandern. Wenn die Mitarbeiter weiterhin das Unternehmen verlassen, sind die Probleme tiefer verwurzelt – Geld kauft keine Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Flexibilität: Das Szenario der Heimarbeit hat die Erwartungen der Arbeitnehmer an eine bessere Work-Life-Balance geschürt und Arbeitgeber, die auf altmodischen Strukturen bestehen, könnten sich schnell mit erheblichen Risiken bei der Gewinnung und Bindung von Talenten konfrontiert sehen. Wertschätzung: Mitarbeiter müssen einen Sinn in ihrer Tätigkeit sehen und sich dort, wo sie arbeiten, willkommen fühlen. Das fängt ganz oben an, und eine entscheidende, aber einfache Möglichkeit für eine Führungskraft, Teammitglieder zu binden, besteht darin, sie wissen zu lassen, dass sie wichtig sind und dass sie wertvolle Mitglieder der Organisation sind. Aber es muss authentisch sein und eher mit Taten als mit Worten geschehen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
David Padilla, Mitgründer und CEO des SaaS-Unternehmens Kenjo, klärt darüber auf, inwieweit Unternehmen von digitalen Human-Resources-Lösungen (HR) profitieren können.
Digitale HR-Lösungen zentralisieren Mitarbeiterinformationen und die Verwaltung aller Prozesse in der Cloud, so dass diese an einem Ort gebündelt sind. So wird per App digitale Kommunikation ermöglicht. Kenjo verfügt beispielsweise über mehr als zwölf Module, die darauf abzielen, HR-Aufgaben zu vereinfachen. Wir haben eine Plattform mit benutzerfreundlicher Oberfläche entwickelt. Sie ist einfach zu bedienen, auch für Mitarbeiter, die keine technischen Vorkenntnisse haben. Die Plattform erstellt automatisch Berichte, Analysen und Dashboards auf Grundlage der Informationen von Angestellten. Durch die Einführung von Personalmanagement-Software können Unternehmen ihre Arbeit effektiver gestalten, da sie Zeit haben, sich anderen Aspekten zu widmen. Gefördert wird beispielsweise das Wohlbefinden der Mitarbeiter. Der neue Fokus liegt nun auf der Gewinnung und Bindung neuer Talente.