Eine Frage des Standorts

„Der Blick in den hohen Norden lohnt sich“

Angesichts steigender Leistungsdichte und von Energiepreisen, die durch die Decke gehen, müssen Rechenzentren dringend nachhaltiger und energieeffizienter operieren. Warum das aus Sicht von Michael Endres, Sales Director DACH von Atnorth, nur über die Bereitstellung von 100 Prozent erneuerbaren Energien geht, erklärt er im Interview.

Eine Frage des Standorts

Als Vertriebsprofi mit rund 25 Jahren Erfahrung in der Technologie­branche ist Michael Endres ein Spezialist für High Performance Computing, Colocation und Nachhaltigkeit.

ITM: Herr Endres, inwieweit arbeiten Rechenzentren (RZ) anno 2022 in Deutschland nachhaltiger als noch vor etwa fünf bis zehn Jahren?
Endres: Da hat sich in den vergangenen Jahren hierzulande kaum etwas bewegt. Was sich dagegen verändert hat – und weiter richtig anzieht –, ist die Leistungsdichte in den Rechenzentren: Es müssen beispielsweise für Kunden aus der Automobil- und Finanzindustrie immer mehr Daten anhand von Hochleistungsrechnern (High-Performance Computing/HPC) in immer größerer Geschwindigkeit verarbeitet werden. Diese benötigen mehr Platz, was in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland ein schwieriges Unterfangen ist. Der durch HPC angetriebene Energiehunger trifft derzeit auf Energiepreise, die durch die Decke gehen. Die RZ sind daher dringend angehalten, nachhaltiger und energieeffizienter zu operieren. Doch es gibt noch enorme Herausforderungen zu stemmen.

ITM: Welche Rolle spielt die Wahl des Standorts für ein klimafreundliches RZ und worauf kommt es dabei an?
Endres: In Zeiten, in denen die Energiekosten extrem steigen und Nachhaltigkeit längst kein Schönwetter­thema mehr ist – sondern Pflichtaufgabe –, wird der Zugang zu 100 Prozent grüner Energie zum entscheidenden Kriterium bei der Standortwahl. Deutschland hat einen schwierigen Energiemix. Da lohnt sich der Blick in den hohen Norden nach Norwegen, Schweden oder Island, wo es möglich ist, RZ kosteneffizient zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Greenwashing, wie es bei uns leider viel zu oft betrieben wird, ist den Skandinaviern fremd.

ITM: Neben der Klimakrise ist auch das Thema „IT-Security“ in der Öffentlichkeit omnipräsent. Welche Anforderungen müssen IT-Sicherheitslösungen erfüllen, um Datacenter angemessen zu schützen?
Endres: Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber natürlich könnten Rechenzentren aufgrund ihrer Relevanz für die Digitale Transformation stärker ins Visier von Hackern geraten. So könnte ein gezielter Cyberangriff auf die Stromversorgung zu einem Blackout führen. Um Energieversorgung und Netzwerkzugang sicherzustellen, bedarf es redundanter Infrastrukturen, die im Krisenfall anspringen und weiterlaufen. Wie sicher Rechenzentren sind – nicht nur mit Blick auf die IT –, lässt sich auch an den wichtigsten Zertifizierungen ablesen, wie z.B. den Normen ISO 9001/27001 und EN 50600. Letztere macht Vorgaben für die Planung der Baukonstruktion, Elektroversorgung, Klimatisierung, Verkabelung und die Sicherheitssysteme und beschreibt Anforderungen für den Betrieb. Ein verlässlicher RZ-Betreiber lässt sich auch anhand seines Tier-Rankings identifizieren mit mindestens Note 3, besser noch Note 4.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Welche Faktoren machen die Zukunftsfähigkeit eines Rechenzentrums aus?
Endres: Die Reduktion des CO2-Fußabdrucks steht bei allen Unternehmen oben auf der Agenda. Es gibt klar formulierte Ziele, die sich in Deutschland und anderen Ländern mit einem ähnlich schwierigen Energiemix aus Kohle, Gas, Nuklearenergie etc. aus eigener Kraft aber nicht erreichen lassen. Deshalb ist der Einsatz von 100 Prozent erneuerbaren Energien die Zukunft für den nachhaltigen Betrieb von RZ. Zudem bedarf es nachhaltiger Konzepte, um Generatoren mit E-Fuel oder Wasserstoff laufen zu lassen, und nachhaltiger Materialien für den Bau von RZ. Insgesamt gilt es nicht nur, Datacenter zu bauen, die erneuerbare Energien nutzen, sondern sie müssen auch für die Arbeitslasten von morgen ausgelegt sein.

Bildquelle: Atnorth

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