Innovative Geschäftsmodelle

Der digitale Zwilling als alleiniger Erfolgsgarant?

Für die Transformation der Fertigung und den Aufbau zukunftsweisender Geschäftsmodelle benötigt der produzierende Mittelstand weitaus mehr als ein digitales Abbild seiner Maschinen.

Innovative Geschäftsmodelle

Für die Transformation der Fertigung und den Aufbau neuer Geschäftsmodelle benötigt der produzierende Mittelstand weitaus mehr als ein digitales Abbild seiner Maschinen.

Längst hat das produzierende Gewerbe erkannt, dass die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit nur durch konsequente Digitalisierung gesichert werden kann. Entsprechend erhalten immer mehr Maschinen einen digitalen Zwilling, der sich Software-gestützt steuern und überwachen lässt. Oft scheint die Vernetzung jedoch an den Unternehmensgrenzen zu enden. Nur 0,7 Prozent des Gesamtumsatzes im europäischen Maschinenbau wurden 2020 mit digitalen Plattformen und Mehrwertdiensten für Kunden erwirtschaftet – so das Ergebnis einer Studie von VDMA und McKinsey.

Doch woran liegt es, dass die Digitalisierung des Produkt- und Serviceportfolios bisweilen nur schleppend vorankommt? Laut der Studie sind fehlende Geschäftsmodelle (61 Prozent), fehlende Standards (59 Prozent) und unzureichende strategische Relevanz (57 Prozent) die zentralen Hürden. Daraus lassen sich mehrere Schlüsse ziehen. Zunächst mangelt es den Unternehmen offensichtlich an einer gemeinsamen technischen Sprache zur Kommunikation und zur Beschreibung digitaler Zwillinge. Ebenso benötigt die Branche offene Plattformen, die als Ökosystem für den Datenaustausch, die Vernetzung mit Kunden und die Bereitstellung neuer, datenbasierter Services oder Geschäftsmodelle dienen. In beiden Bereichen gibt es mittlerweile national wie international Fortschritte. So versucht die Industrial Digital Twin Association e.V. (IDTA) beispielsweise, einen offenen und technologieabhängigen Standard für das Industrial Internet of Things (IIoT) zu etablieren. Zudem arbeiten Branchenkonsortien, mehrere unabhängige Anbieter und Start-ups an dem Aufbau von (herstellerneutralen) Digitalisierungs- und IIoT-Plattformen.

Das Hemmnis „fehlende Standards“ dürfte in den kommenden Jahren somit schrumpfen. Aber wie sieht es mit den Punkten „fehlende Geschäftsmodelle“ und „mangelnde strategische Relevanz“ aus? Diese Hürden lassen sich nicht mit Technologie aus dem Weg räumen. Vielmehr ist es notwendig, ein neues Mindset in die Organisation zu bringen und digitale Kompetenz aufzubauen.

Wichtige Bausteine

Eine erfolgreiche Transformation ist jedoch nicht mit dem technischen Teil getan. Die Einstellung zu den neuen Lösungen und Anwendungen kann schnell zur Sollbruchstelle werden. Daher gilt es auch hier, ein digitales Mindset zu vermitteln und Silos aufzubrechen. Diesen Prozess fasst Ili Digital beispielsweise unter dem Hashtag Influence Change zusammen. Die Entscheidungskultur ist leider oft der Grund für das Scheitern der Digitalen Transformation. Häufig fehlen das Bewusstsein für neue strategische Perspektiven sowie konkrete Umsatzpotenziale und Wachstumschancen. Hier gilt es, die relevanten Entscheider zu sensibilisieren und das Geschäftsmodell abteilungsübergreifend auf Chancen und Herausforderungen zu prüfen. Nur so kann die Begeisterung für die notwendigen Veränderungen im Unternehmen geweckt werden.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Die Veränderung muss im Verhältnis zum Nutzen stehen. Early Adopter zeichnen sich dadurch aus, dass sie innovativ sein wollen und die neuen Möglichkeiten auch ausprobieren. Kurz gesagt, sie haben die unternehmerische Haltung nie aufgegeben. Die Wahl ist also einfach: Entscheidet man sich dafür, das bestehende Geschäftsmodell konservativ zu verwalten, muss man Versäumnisse und groß angelegte Transformationsprojekte in Kauf nehmen. Man reagiert also auf das Marktgeschehen. Entscheidet man sich dafür, proaktiv nach Chancen zu suchen und das Geschäftsmodell progressiv anzupassen, kann man Herausforderungen antizipieren und sich den First Mover Advantage sichern.

Insgesamt sind es also mehrere Komponenten, die den Auf- und Ausbau neuer digitaler Geschäftsmöglichkeiten im Mittelstand begünstigen: standardisierte Digital Twins und Kommunikationswege, Plattformökonomie sowie ein geschärfter Blick für die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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