Petra Gaisböck, Strategic Sales Manager bei MTI Technology Deutschland
Die Familie der Tape-Produkte von Quantum
ITM: In der Digitalen Ära gilt es für Mittelständler den Spagat zu schaffen zwischen dem Management der steigenden Datenflut und den damit verbundenen Kosten. Welche Rolle kann der Storage-Oldtimer Tape dabei immer noch spielen?
Petra Gaisböck: Tape ist immer eine Option für die Langzeitspeicherung. Ein Grund dafür ist, dass Tape seit Jahrzehnten zur Aufbewahrung und zum Schutz von Daten verwendet wird und unter Umständen die beste Wahl für die langfristige Speicherung in Unternehmen jeder Größe ist.
Kunden stehen vor der Herausforderung, immer größere Mengen an wertvollen unstrukturierten Daten zu speichern und über Jahrzehnte aufzubewahren. Außerdem sind Unternehmen mit der Bedrohung durch Ransomware konfrontiert. Tape als „Offline“-Speichertechnologie bietet effektiven Schutz vor Ransom- und Malware.
Dabei stellen LTO-Bänder nach wie vor die kostengünstigste Langzeitspeicherlösung dar. Beispielsweise fangen die Tape-Lösungen unseres Partners Quantum klein an und lassen sich nach Bedarf problemlos skalieren. Außerdem bieten sie eine hervorragende Speicherdichte zu niedrigen Kosten pro Terabyte (TB). Da Tape nicht immer einfach zu verwalten ist, ist es sinnvoll die Tape-Lösung auch als Teil der Managed-Cloud-Services verwalten zu können - so können Unternehmen die wirtschaftlichen Vorteile von Tape nutzen, ohne sich um das Management kümmern zu müssen.
ITM: Falls Tape in Verbindung mit anderen Storage-Technologien beim Backup zum Einsatz kommt: Worauf ist zu achten, damit die Recovery möglichst einfach bleibt?
Gaisböck: Als robuste Strategie zur Datensicherung und -wiederherstellung empfiehlt sich die Backup-Erstellung nach dem „3-2-1-1“-Prinzip. Diese sieht vor, drei Kopien der Daten auf zwei unterschiedlichen Medienformaten aufzubewahren sowie eine Kopie extern vorzuhalten und eine Kopie offline. Dieser mehrstufige Ansatz, bestehend aus verschiedenen Speicherebenen, eröffnet die Möglichkeit, Daten je nach Anforderung und Abschnitt des Lebenszyklus zwischen Tiers zu verschieben. Dies ist die kosteneffizienteste Methode zur Implementierung einer Strategie, mit der Unternehmen möglichst schnell ihre Daten bei Bedarf wiederherstellen.
Wenn kritische Daten auf einem schnellen Tier gespeichert werden, lässt sich der Wiederherstellungsprozess beschleunigen, um „Service Level Agreements“ – kurz SLAs – zu erfüllen und Ausfallzeiten zu reduzieren. Entscheidend dabei sind eine durchdachte Ablage bzw. Kategorisierung, damit Daten schnell auffindbar sind.
ITM: Im letzten Herbst wurde mit LTO9 die nächste Version des Magnetbandstandards veröffentlicht, mit einer Kapazität von bis zu 18 TB pro Kassette (komprimiert 45 TB). Lohnt es sich darauf zu warten – oder empfehlen Sie auch die Einführung von Backup-Konzepten mit den heute verfügbaren LTO-Produkten – und warum?
Gaisböck: Wer aktuell seine bestehende Tape-Umgebung LTO7 oder LTO8 skalieren möchte, kann guten Gewissens auf LTO8 setzen. Die Technologie ist verfügbar, ausgereift und hat ein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Auch aufgrund der Abwärtskompatibilität der LTO-Laufwerke können die heute in den LTO8-Laufwerken beschriebenen Medien weiter genutzt werden. Wer seine Tape-Infrastruktur komplett neu aufbauen möchte, sollte im ersten Schritt die Anforderungen klären.
Hier können wir gerne helfen, die erforderlichen Kapazitäten und Geschwindigkeiten zu definieren –auch im Mischbetrieb mit einem zwischengeschalteten Disk-Puffer. Der Sprung von LTO8 zu LTO9 ist mit 1,5-facher Geschwindigkeit etwas geringer als die Unterschiede in der Vergangenheit, die um den Faktor 2 lagen. Wenn man von einer älteren LTO-Generation wie 6 oder 5 kommt, kann die Steigerung das 13-fache betragen. Wer jedoch nur ein „Deep Archive“ ohne große Geschwindigkeitsansprüche braucht, kann sich überlegen, ob die Vorteile der neuesten Technologie und die damit verbundenen Kosten mit den Anforderungen in Relation stehen.
ITM: Als Offline-Medium gilt Tape als beste Rückversicherung gegen Ransomware-Angriffe. Worauf kommt es an, damit diese Rückversicherung im Fall der Fälle auch greift?
Gaisböck: Eine wirksame Methode, mit der sich Ransomware-Attacken vereiteln lassen, ist es, eine Kopie der Daten komplett isoliert von jeglichem Netzwerk vorzuhalten. Man spricht hier auch von einer „Air Gap“-Kopie. Das kostengünstigste und gleichzeitig sicherste Medium für diese Offline-Speicherung ist Tape. Die Kassetten in den Archivregalen sind absolut immun gegen Ransomware.
Allerdings ist dieser Ansatz etwas unbequem und birgt einige Risiken. In der Vergangenheit mussten Tapes zur Offline-Archivierung aus der automatisierten Tape-Library entnommen und zu einem Regal oder Behälter an einem physisch abgesicherten Standort transportiert werden. Das kostet Zeit, die besser genutzt werden könnte, und ist fehleranfällig. Die Bänder können schnell falsch abgelegt werden oder verloren gehen. Und trotz ihrer relativen Robustheit können auch Tape-Kassetten bei falscher Handhabung kaputt gehen, beispielsweise wenn sie fallen gelassen werden.
Empfehlenswert ist es, eine Air Gap-Kopie der Daten anzulegen, die entsprechend sicher und so auch vor menschlichem Versagen geschützt ist. Dabei bleiben die Tapes in der Library. Im ersten Schritt werden die Daten auf Tape gesichert. Sie werden dann anhand von Regeln in ein sicheres Archiv innerhalb der Library „exportiert“ – in die „Active Vault Partition“. Diese AV-Partition bildet einen sicheren Speicherort innerhalb der Library, auf den die Anwendungen nicht zugreifen können. Die Tapes liegen auf Regalen im Archiv – ohne Netzwerkanbindung – und können nur auf Administratorbefehl aus dem Archiv abgerufen werden. Das bieten wir unseren Kunden mit Quantum Active Vault an, einem optionalen Feature der Tape-Library Scalar.
Bildquelle: MTI / Quantum