Rechenzentren im Fokus

„Deutschland gehört zu den wichtigsten Standorten“

Was moderne Rechenzentren zum Rückgrat der Digitalisierung macht, erläutert Günter Eggers, Head of Public Sector & Healthcare bei NTT Global Data Centers EMEA, im Interview.

  • Rechenzentren im Fokus

    „Die Digitale Transformation kann in Deutschland nur gelingen, wenn es genug sichere und hochverfügbare Rechenzentren gibt“, betont Günter Eggers.

  • Rechenzentren im Fokus

    Laut Günter Eggers ist der hohe Strompreis in Deutschland auch „ein wesentlicher Kostenfaktor für die Rechenzentren“.

ITM: Herr Eggers, die Pandemie hat der Digitalisierung in Deutschland neuen Schub gegeben. Welche Rolle spielen insbesondere Rechenzentren bei der Digitalen Transformation?
Günter Eggers: Rechenzentren gehören – wie die Glasfasernetze auch – zu den grundlegenden digitalen Infrastrukturen. Die Digitale Transformation kann in Deutschland nur gelingen, wenn es genug sichere und hochverfügbare Rechenzentren gibt.

ITM: Während die Kapazitäten gemessen an der IT-Leistung von 2010 bis 2020 bereits um 84 Prozent gestiegen sind, werden sie in den Folgejahren bis 2025 laut Bitkom voraussichtlich noch einmal um rund 30 Prozent anwachsen. Ist der Bedarf tatsächlich so groß?
Eggers: Das enorme Wachstum der Rechenzentrumskapazitäten der letzten Jahre deckt nicht einmal den parallel gestiegenen Bedarf ab. So wird auch ein nennenswerter Teil der Nachfrage deutscher Kunden zunehmend aus dem Ausland bedient. Im Gegensatz dazu gibt es kaum ausländische Kunden, die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland nutzen. Der Bedarf an der Bereitstellung gesicherter und hochverfügbarer IT-Leistung ist somit eigentlich sogar noch größer, als es die Zahlen vermuten lassen.

ITM: Neben dem Energiebedarf deutscher Rechenzentren steigt auch ihre Effizienz. Wie klimafreundlich ist das Rechenzentrum von morgen?
Eggers: Der sehr hohe Strompreis in Deutschland ist ein wesentlicher Kostenfaktor für die Rechenzentren. Sie müssen deshalb schon seit Jahren eine überdurchschnittlich gute Energieeffizienz aufweisen, um im internationalen Wettbewerb überhaupt bestehen zu können. Darüber hinaus wird auch bei den neu angeschafften Maschinen und Anlagen beispielsweise für die Kälteerzeugung zunehmend auf die langfristige Klimaverträglichkeit geachtet. NTT hat sich im Rahmen des europäischen „Climate Neutral Data Centre Pact (CNDCP)“ verpflichtet, alle seine Rechenzentren ab spätestens Ende 2030 klimaneutral zu betreiben.

ITM: Im Sinne des Klimaschutzes sind die Rechenzentrumsbetreiber bestrebt, ihre Energiebilanz stetig zu verbessern. Wo sehen Sie die größten Potenziale, um die CO2-Emission zu reduzieren und weitere Klimaschutzmaßnahmen zu fördern?
Eggers: Die Hauptquelle für CO2-Emissionen im Rechenzentrum ist der Stromverbrauch. Solange der Strom zu einem erheblichen Teil aus fossilen Energieträgern gewonnen wird, bleibt die CO2-Bilanz der Rechenzentrumsbranche – wie bei den anderen energieintensiven Industrien auch – unausgewogen. Die geplanten Änderungen im deutschen Energiemix, die den Ausbau der regenerativen Quellen wie Wind- und Sonnenenergie beinhalten, wird die CO2-Bilanz spürbar verbessern. NTT wird den CO2-Ausstoß seiner Rechenzentren durch den direkten Einkauf von Strom aus erneuerbaren Quellen deutlich senken. Darüber hinaus kann mit innovativen Kühlsystemen und einer optimalen Serverauslastung der Energiebedarf eines Rechenzentrums reduziert werden. Nicht zuletzt wird auch die umfassende Nutzung der anfallenden CO2-freien Abwärme beispielsweise durch Fernwärmenetzbetreiber zu einem immer wichtigeren Faktor in der Klimabilanz der Rechenzentren.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 6/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Wie attraktiv ist der Standort Deutschland für hiesige Rechenzentrumsbetreiber? Welche Auswirkungen hat Russlands Krieg in der Ukraine auf den Markt?
Eggers: Deutschland gehört – trotz aller Schwierigkeiten – zu den wichtigsten Standorten für Rechenzentrumsbetreiber in der EU. Die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine für die Branche sind derzeit noch nicht vollständig absehbar. Der – vermutlich dauerhafte – dramatische Anstieg der Energiepreise in Deutschland könnte jedoch zu einer signifikanten Verlagerung von Rechenzentrumskapazitäten ins europäische Ausland führen.

Bildquelle: NTT Global Data Centers

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