IT-Freiberufler schließen nicht nur Fachkräftelücken, sondern bringen auch digitale Kultur in die Unternehmen.
Mehr als 1,3 Millionen Selbstständige arbeiten in Deutschland, davon mehr als 550.000 in digitalen Berufen. Ob als Entwickler, Designer oder IT-Projektleiter, Freelancer sind hoch qualifizierte Experten und nicht selten Dreh- und Angelpunkt der Digitalisierung in Unternehmen. Trotzdem blieben fast 86.000 Stellen für IT-Profis im vergangenen Jahr unbesetzt.
Als flexible Fachkräfte haben Freelancer in der Corona-Krise an Bedeutung gewonnen. Denn während viele Firmen ihre Mitarbeiter nach Hause schicken mussten, sind Freelancer aus Gewohnheit agil und bringen ein breites Spektrum an Kompetenzen mit, die sie als Remote-Fachkräfte produktiver machen. Wer kurzfristig neue Strukturen in seinem Unternehmen aufbauen musste, war mit der Dienstleistung von Selbstständigen oft besser beraten, als auf Agenturen zu setzen, die selbst noch mitten in der Umstrukturierung waren. In Deutschland arbeitet ca. die Hälfte der Freelancer im eigenen Büro, andere sind an Kundenstandorte gebunden.
Hoch qualifizierte Selbstständige erwarten von ihren Auftraggebern Freiheiten, die Festangestellte nicht haben. Denn ein Auftrag ist keine Anweisung. Das ist auch rechtlich wichtig, denn selbstständiges Arbeiten ist so geregelt, dass der Auftragnehmer nicht in die Arbeitsorganisation des Auftraggebers eingegliedert ist. Das ist besonders im IT-Bereich eine Herausforderung, da Freiberufler und Unternehmen eng zusammenarbeiten müssen. Die Regularien stellen dabei viele Unternehmen und IT-Freiberufler vor Herausforderungen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 05/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Häufig muss im Einzelfall entschieden werden, was eine legale Selbstständigkeit ist und was eine Scheinselbstständigkeit darstellt. Das kann für manche Unternehmen ein Grund sein, auf Freelancer zu verzichten. In einer Umfrage, die die Freelancer-Plattform Malt mit der Boston Consulting Group zusammen durchgeführt hat, gaben 45 Prozent der befragten Selbstständigen an, Aufträge wegen Regularien nicht angenommen zu haben. Das ist deutlich mehr als in anderen europäischen Ländern. Zugleich glauben nur zehn Prozent der Freelancer, dass die Gesetze zum Eindämmen der Scheinselbstständigkeit adäquat sind.
Auch wenn die Bedingungen eine Herausforderung sind, müssen sich Unternehmen ihnen stellen. Aktuell ist es wichtig, sich für neue Arbeitsformen aufzustellen, damit in Zukunft eine flexible Rekrutierung möglich ist. Mit einer gut aufgesetzten Compliance-Strategie, Planung des Projekt-Setups und einer sorgfältigen Vertragsgestaltung lässt sich das Risiko minimieren.
Wichtig ist, dass sich Einkaufs- und Compliance-Verantwortliche in den Unternehmen der Thematik stellen und ihre Compliance-Prozesse, falls notwendig, aufarbeiten, damit die Zusammenarbeit mit Freiberuflern reibungslos ablaufen kann. IT-Abteilungen haben immer noch große Umstrukturierungsarbeiten vor sich und brauchen dafür dringend erfahrene Experten. IT-Freiberufler können diese Fähigkeiten ins Unternehmen bringen.Wer diese Chance erkennt, kann sich langfristig agiler aufstellen, da Strukturen für externe Fachkräfte vorhanden sind.
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