Dotcomleben

Die Com-Domain wird 30

Die Dotcom-Ära begann vor drei Jahrzehnten. Sie ist eine der größten Erfolgsgeschichten des Internets mit 116 Millionen registrierten Domains.

Wer 30 Jahre dabei ist, kennt auch Lisp ("List Processing"): Eine Familie von Programmiersprachen, die speziell für die Entwicklung von KI-Systemen gedacht war. Der große Lisp-Hype ist allerdings vorbei, genau wie die Zeit von Symbolics.com.

Das Unternehmen hat damals spezielle Lisp-Computer hergestellt und ist bereits seit gut einem Jahrzehnt verschwunden. Vor 30 Jahren dagegen hat es als erste Firma weltweit eine der damals neuen Domains mit dem Kürzel ".com" (für "Commercial") registriert.

Sie blieb nicht die einzige. Praktisch jedes größere Unternehmen legt Wert darauf, im Netz unter einer Dotcom-Adresse aufzutreten. So haben zum Beispiel alle Fortune 500-Unternehmen ihre Marke dort registriert. Vor 30 Jahren war daran noch nicht zu denken, denn Mitte der 1980er Jahre entstand gerade erst eine Nachfrage nach Internetzugängen.

Einige größere IT-Unternehmen wollten auch in das Netz, das bisher vorwiegend von Universitäten und Forschungseinrichtungen genutzt wurde. Sie wollten dort mit einer eigenen Domain für E-Mail und FTP (Dateiübertragung) vertreten sein. Zwar waren Firmen wie AT&T oder IBM seit jeher im Internet, aber in erster Linie, weil sie für einen Großteil der Infrastruktur des Netzes verantwortlich waren.

Am 15. März 1985 wurde die erste Com-Domain registriert, in den nächsten Monaten kamen fünf weitere dazu. 1990 waren es dann schon 223 und 1995 existierten bereits knapp über 9000 Com-Domains. Im Jahre 2000 waren 20 Millionen Dotcoms registriert, heute sind es ungefähr 116 Millionen.

Geschichte des kommerziellen Internets

Das Unternehmen Versign betreibt seit der Anfangszeit die Registratur für die Com- sowie die Net-Domain. Selbst die Verisign-Experten konnten sich nicht vorstellen, dass eine nennenswerte Nachfrage nach Com-Domains entstehen würde:

"Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendjemand jemals geglaubt hat, dass wir eine organisatorische Struktur für hunderte Millionen Entitäten auf dem ganzen Planeten schaffen", sagt Jack Haverty, Internet-Pionier am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Und ganz bestimmt sollte diese nicht mehr als 30 Jahre aktiv bleiben, selbst als Experiment nicht. "Es ist einfach so gekommen,“ betont Haverty. Inzwischen sind ein paar Dutzend Top-Level-Domains dazugekommen, ganz zu schweigen von den Länderdomains wie .de oder .uk. Doch Dotcom ist immer noch der größte Erfolg.

Das Kürzel steht auch für die stürmische und in mancherlei Hinsicht chaotische Geschichte des kommerzialisierten Internets seit den späten 1990er Jahren. Doch der Dotcom-Hype mit dem häufig sehr rasch folgenden Dotcomtod der jeweiligen Unternehmen konnte die Domain nicht bremsen.

Sogar die erste Dotcom-Adresse existiert noch. Doch symbolics.com führt heute ein Scheinleben. Ende 2009 wurde die Domain verkauft und ging für eine unbekannte Summe an eine Investmentfirma. Seitdem gibt es unter der Dotcom-Adresse eine abgehangene Website mit länger nicht aktualisierten Blogpostings. Aber vielleicht gründet irgendwer mal ein Startup, gibt sich den Namen Symbolics und belebt den Zombie wieder. KI ist ja jetzt wieder in.

Bildquelle: Thinkstock / istock

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