„Automatisierungen sind immer dort sinnvoll, wo repetitive Aufgaben zu erfüllen sind“, so Tim Berghoff von G Data Cyberdefense.
ITM: Herr Berghoff, warum führt auch für den Mittelstand kein Weg mehr an der Digitalisierung seiner Prozesse vorbei?
Tim Berghoff: Digitalisierung ist für viele mittelständische Unternehmen ein Weg, Geschäftsprozesse schneller, effizienter und damit wirtschaftlicher zu gestalten. Auch die zunehmende Vernetzung der Geschäftswelt erzeugt einen Digitalisierungsdruck, der diese weiter beschleunigt. Ohne digitale Prozesse können Unternehmen langfristig nicht am Markt bestehen.
ITM: Wie nehmen Sie das Digitalisierungsbestreben Ihrer mittelständischen Kunden anno 2022 wahr?
Berghoff: Die Corona-Pandemie hat als Katalysator gedient, der viele Entscheidungen und Prozesse wesentlich beschleunigt hat. Auch ein gerade im Vollzug befindlicher Generationenwechsel leistet der Digitalisierung weiter Vorschub. Dabei ist die eigentliche Frage nach einem „Ob“ hinsichtlich der Digitalisierung unstrittig. Vielmehr geht es um eine Entscheidung um das „Wie“ – etwa ob ein Unternehmen komplett auf die Cloud setzt oder auf lokal installierte Infrastrukturen. Für beides gibt es gute Argumente, aber dass die Digitalisierung voranschreitet und auch gewünscht ist, kann als gegeben vorausgesetzt werden.
ITM: Welche Prozesse sollten hier als erstes digitalisiert werden, um möglichst rasch die Produktivität zu steigern?
Berghoff: Das ist stark einzelfallabhängig und nicht pauschal zu beantworten – allerdings scheint es sinnvoller zu sein, schrittweise vorzugehen und mit den internen Prozessen zu beginnen. Dabei ist es entscheidend, dass bei einem bis dato analogen Prozess eine sorgfältige Prüfung stattfindet, wie dieser sich sinnvoll digitalisieren lässt. Eine Eins-zu-Eins-Kopie eines analogen Prozesses ist nicht immer sinnvoll oder möglich. Wenn bereits der analoge Prozess problembehaftet ist, erfordert dies einen besonders sorgfältigen Blick auf die Anforderungen an dessen digitale Version. Unter dem Strich sollte immer eine messbare Dividende dabei herauskommen – diese kann sich sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in gesteigerter Produktivität und effizienterer Nutzung vorhandener Ressourcen manifestieren.
ITM: Welche Rolle spielen hierbei „Automatisierung“ und „Transparenz“?
Berghoff: Automatisierungen sind immer dort sinnvoll, wo repetitive Aufgaben zu erfüllen sind, bei denen es wenig bis keine Abweichungen oder Ermessensspielräume gibt. Insofern ist die Automatisierung einzelner Abläufe durchaus sinnvoll und spielt eine große Rolle. Diese lassen sich auch durch KI-Technologien im weitesten Sinn gut ergänzen. Transparenz gegenüber der eigenen Belegschaft ist jedoch immens wichtig, denn Veränderungen kommen wesentlich besser an, wenn Menschen sie verstehen. Und das kann nur gelingen, wenn die Geschäftsführung sie innerlich und inhaltlich abholt, statt sie vor vollendete Tatsachen zu stellen.
ITM: Was sind die größten Herausforderungen und Hürden bei der Digitalen Transformation in kleinen und mittleren Unternehmen?
Berghoff: Die Absicherung der eigenen Netzwerke und Infrastrukturen ist aufgrund der komplexen Zusammenhänge oft eine Herausforderung. Dafür ist teilweise Spezialwissen erforderlich, welches nicht jedes Unternehmen vorhalten kann. Bestehende, historisch gewachsene Strukturen werden schnell zum Hemmnis und zu einem Stolperstein, der schwerwiegende Folgen für die Sicherheit haben kann. Je nach Branche sind auch gesetzliche Vorgaben zu beachten – und hier herrscht stellenweise noch keine abschließende Klarheit darüber, welche Rahmenbedingungen zu erfüllen sind. An dieser Stelle ist wiederum die Politik gefordert.
Bildquelle: G Data Cyberdefense