Drei Fragen an…

Die Evolution der Lieferkette

Es ist kein Geheimnis, dass die Lieferketten in unserer globalen Welt immer strategischer und komplexer werden. Unabhängig von der Größe des ­Unternehmens muss die Supply Chain gut funktionieren – sonst stocken die Geschäftsprozesse und die Kunden hadern.

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    „Die für die Logistik und insbesondere für bedarfsgerechte Bestellungen relevante Datenmenge wächst ständig“, erklärt Ines Conzen. ((Bildquelle: Relex))

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    „Gerade für den Mittelstand sind stabile Lieferketten wichtig, damit er seine Stärken ausspielen kann“, betont Holger Niemann. ((Bildquelle: Solvares Group))

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    Mittelständler müssen sicherstellen können, dass ihre gesamte Supply Chain durchgängig optimiert sowie aktiv kontrolliert wird. ((Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus))

Dabei spielen nicht nur Corona, Kriege und Krisen oder der Fachkräftemangel eine störende Rolle, denn die heutigen Lieferketten haben sich weiterentwickelt und umfassen manchmal Hunderte oder gar Tausende von externen Lieferanten, Partnern, Logistikdienstleistern und anderen Drittanbietern. Angesichts dieser Herausforderungen ist es für mittelständische Unternehmen wichtiger denn je sicherzustellen, dass ihre gesamte Supply Chain durchgängig optimiert sowie aktiv kontrolliert wird. IT-MITTELSTAND hat zwei Experten gefragt, wie das am besten gelingt.

ITM: Frau Conzen, Herr Niemann, wo sehen Sie die größten Herausforderungen und die wichtigsten Fragen rund um Lieferketten?
Niemann: Die größten Herausforderungen liegen sicherlich in der Stabilität der Lieferketten, wozu auch die Preisstabilität gehört. Gerade für den Mittelstand sind stabile Lieferketten wichtig, damit er seine Stärken – Flexibilität und Reaktionsfähigkeit – ausspielen kann. Die Lieferketten müssen Planungssicherheit vermitteln, auch weil der Mittelstand eher kleinere Mengen, aber dafür höhere Lieferfrequenzen bevorzugt. Gerade mit Blick auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre stellt sich immer häufiger die Frage, ob Lieferketten mit Direkttransporten aus den asiatischen Ländern bis zur letzten Meile stabil sind oder ob eine Zwischenpufferung in Europa sinnvoll ist. Neben der grundsätzlichen Stabilität der Lieferketten sind es auch alle mit der Bereitstellung der Waren in der Fertigung oder beim Kunden verbundenen Kosten, die den Mittelstand wesentlich beschäftigen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Conzen: Mittelständische Unternehmen des Handels wie der Industrie stehen vor der großen Herausforderung, bei der Optimierung ihres Geschäfts durch die Nutzung von Daten nicht zu stark gegen die großen Player in ihrem Segment zurückzufallen. Dabei stehen sie vor den gleichen Herausforderungen wie die Konzerne: Absatzmärkte, die volatiler werden und schnellere Reaktionen erwarten, massiv steigende Anforderungen der Kunden und kurzfristige Lieferengpässe aufseiten ihrer Lieferanten. Die für die Logistik und insbesondere für bedarfsgerechte Bestellungen relevante Datenmenge wächst ständig – und Prozesse werden komplexer. Jeder Datenpunkt bedeutet Interaktion und liefert wichtige Informationen: Ein Artikel wird aus dem Regal genommen oder eingeräumt, die Lieferung eines bestellten Artikels verzögert sich, ein Kunde schaut sich Artikel auf einer Website an, ein bevorstehender Feiertag oder die Wettervorhersage verändert die zu erwartende Nachfragemenge. An jeder Position in der Supply Chain entstehen neue Daten oder es werden Daten geändert. Bis vor Kurzem konnten viele Unternehmen des Mittelstands diese punktuellen Daten in ihrer Gänze weder sammeln und speichern noch verarbeiten.

ITM: Wie kann moderne Software helfen, diese Herausforderungen zu meistern?
Conzen: Auch kleine und mittelständische Unternehmen können durch intelligente und automatisierte Prognosen die Effizienz ihrer Lieferkette erheblich steigern. Unsere Software nutzt Künstliche Intelligenz (KI), um Muster und Gesetzmäßigkeiten auch in äußerst komplexen Prozessen zu erkennen, kann auch bisher unbeachtete Daten beurteilen und dadurch valide Entscheidungen treffen oder vor Fehlern warnen. Zuerst werden die Daten aus verschiedenen Quellen durch Verknüpfung strukturiert und Trends aufgedeckt. So werden sie beherrschbar und bedarfsgerecht zur Verfügung gestellt. Danach erfolgt die tiefergehende Datenanalyse, die die präzise Erstellung von Prognosen ermöglicht. Diese beziehen eine Vielzahl an Faktoren mit ein: historische Absatzdaten, Mindesthaltbarkeit, saisonale Schwankungen, Wettervorhersagen und Events. „Was-wenn“-Szenarien simulieren die Effekte diverser Entscheidungen, bevor sie getroffen werden. Sie ermöglichen eine langfristige Planung und fundierte Entscheidungen. Gleichzeitig bilden sie auch kurzfristige Ereignisse ab und ermöglichen schnelles Agieren schon, bevor das prognostizierte Ereignis eintritt.

Niemann: Moderne Software muss in der Lage sein, auf verschiedenen Ebenen die Planung und Abwicklung zu unterstützen. Die Systeme müssen neben der operativen Auftrags- und Beschaffungsabwicklung auch immer mehr taktische und strategische Aufgaben übernehmen. Sie müssen also helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen und die Folgen zu monitoren. Bei taktischen und strategischen Aufgaben sollten insbesondere die vorausschauende Planung sowie die regelmäßige Überprüfung von Strategien Teil der Software-Funktionalitäten sein. Moderne Software bietet Möglichkeiten zur strategischen Simulation und kann mittelfristig auch die Unterstützung durch KI einschließen.

ITM: Auf welche Knackpunkte ist besonders zu achten, wenn innovative Software-Produkte bei einem Mittelständler bewährte Warenwirtschafts-, Procurement- und Supply-Chain-Lösungen erweitern sollen?
Niemann: Die bestehenden Systeme sind inzwischen sehr ausgereift. Unternehmen müssen sich häufig nur noch entscheiden, ob sie eine On-Premises- oder eine Cloud-Lösung einführen möchten. Die wesentlichen Knackpunkte liegen in der technischen und anwendungsbezogenen Infrastruktur. Unternehmen sollten sich gerade bei Cloud-basierten Systemen mit der notwendigen Leistungsstärke und Stabilität der IT beschäftigen. Weiterhin sind die Möglichkeiten von Schnittstellen zu den bestehenden Systemen ganz entscheidend für die Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems. Wie bei der Einführung der operativen Systeme sollten eine exakte Formulierung der Anforderungen und ein Pflichtenheft vorhanden sein. Die Fachabteilung muss darin klar formulieren, was sie sich von der Lösung erwartet und was insbesondere nicht benötigt wird. Viele Lösungen, die heute aufgebaut werden, sind für einen klassischen Mittelständler zu umfangreich. Hier wäre eine modulare Einführung von innovativen Systemen anzuraten, die nicht zu viele Funktionalitäten beinhalten, welche dann später nie genutzt werden.

Conzen: Unsere KI-basierte Software-Plattform ermöglicht signifikante Optimierungen in der Lieferkette, ohne dass die Anwenderunternehmen dafür ihr Enterprise-Resource-Planning- (ERP) oder Warenwirtschaftssystem umbauen müssen. Sie benötigt lediglich Daten, die sie einfach über Standardschnittstellen aus den bestehenden Unternehmensanwendungen bezieht und an diese zurückspielt. Auch der Aufwand für Installation oder Upgrades unserer Plattform entfällt, da sie lupenrein in der Form „Software as a Service (SaaS)“ angeboten wird. Was gerade mittelständisch geprägte Unternehmen an unserer Software-Plattform schätzen, ist ihr nutzerfreundliches Cockpit, durch das sich unternehmensspezifische Prozesse und Regeln, aber auch temporäre Abweichungen ohne Hilfe der IT sehr leicht von den Businessabteilungen selbst anpassen lassen. Durch unsere Simulations-Engine lassen sich die Auswirkungen einer geänderten Regel unkompliziert darstellen, bevor sie scharf geschaltet wird. Mittelständische Unternehmen, die oft gebeutelt sind von den gigantischen Aufwänden der Einführung eines neuen ERP-Systems, können mit Optimierungslösungen wie der unseren erhebliche Potenziale entlang ihrer Lieferkette heben, ohne Eingriffe am offenen Herzen ihrer warenwirtschaftlichen Kernanwendungen vornehmen zu müssen.

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