Nachgefragt bei Dr. Georgios Rimikis, HDS

Die Ideale des ehrbaren Kaufmanns

Interview mit Dr. Georgios Rimikis, Senior Manager Solutions Strategy bei Hitachi Data Systems

Dr. Georgios Rimikis, HDS

„Grüne IT ist erst dann nachhaltig, wenn der gesamte Produktlebenszyklus den Ansprüchen an Nachhaltigkeit genügen“, bemerkt Dr. Georgios Rimikis, Senior Manager Solutions Strategy bei HDS.

ITM: Herr Dr. Rimikis, inwiefern beschäftigt sich der Mittelstand derzeit mit dem Thema „IT-Nachhaltigkeit“?
Dr. Georgios Rimikis:
Kleine und mittlere Unternehmen setzen verstärkt auf nachhaltige IT, aber nicht als Reaktion auf einen Hype. Nachhaltigkeit wird inzwischen meist schlicht und einfach vorausgesetzt. Strompreise mögen diese Diskussion weiter angefacht haben, inzwischen wird jedoch Nachhaltigkeit korrekterweise in einem größeren Kontext gesehen.

ITM: Welcher Aspekt steht hierbei im Fokus und warum: der ökologische, ökonomische oder soziale Aspekt?
Rimikis:
Wer sich als Unternehmer mit Green IT auseinandersetzt, folgt in der Regel auch den Idealen des ehrbaren Kaufmanns – in ihm sind also soziale und auch ökologische Haltungen vereint. Die reale Umsetzung erfordert aber natürlich auch eine ökonomische Realisierbarkeit. Kurz: Es zählen alle drei Aspekte, jedoch an verschiedenen Stellen eines Entscheidungsprozesses.

ITM: Welchen Einfluss nimmt der Klimawandel auf den IT-Nachhaltigkeitsgedanken der Anwender?
Rimikis:
Der Klimawandel ist ein leider alltägliches, aber wegen seiner globalen Ausmaße dennoch relativ abstraktes Thema – der Einzelne fühlt sich da ein wenig machtlos. Daher ist es nicht so einfach, den direkten Link zwischen eigener nachhaltiger IT und Klimawandel herzustellen. Lokale bzw. regionale Bezüge spielen eine größere Rolle, z.B. die Vermeidung von Emissionen vor Ort im Sinne einer guten Nachbarschaft – das kann schon so etwas Einfaches wie eine Klimaanlage sein, die wegfällt und damit keinen Lärm mehr produziert.

ITM: Inwiefern sind die Unternehmen gar gesetzlich „gezwungen“, entsprechende Anpassungsmaßnahmen in ihrer IT durchzuführen, um zur Bekämpfung des Klimawandels beizutragen? Mit welchen Herausforderungen haben sie hierbei zu kämpfen?
Rimikis:
Die Organisationen der öffentlichen Hand sind z.B. gezwungen, Nachhaltigkeitsaspekte bei der Beschaffung von IT-Infrastrukturen zu berücksichtigen. Im unternehmerischen Umfeld zählen eher selbst auferlegte Regelungen – etwa über Umweltabgaben – und der Kostendruck. Für Hitachi Data Systems ergeben sich hierbei keine besonderen Herausforderungen. Unsere Lösungen stellen vielmehr einen Wettbewerbsvorteil auch im Bereich nachhaltiger IT für uns dar.

ITM: Welche Maßnahmen lassen sich recht zeitnah umsetzen, welche müssen eher langfristig in Angriff genommen werden?
Rimikis:
Unternehmen können relativ einfach und schnell eine „Inventur“ vornehmen. Oft stellt sich heraus, dass sie z.B. Speichersysteme über Virtualisierungsinstrumente wie Thin Provisioning oder Dynamic Tiering zumindest optimieren können. Bisweilen kann auch bereits zugewiesener, aber nicht genutzter Speicher wieder verfügbar gemacht werden – Stichwort „Reclaim“. Es gibt einige weitere derartige Möglichkeiten, die aber eher taktischer Natur sind – im Gegensatz dazu erfordert die Konzeption und Installation eines strategisch in Richtung Nachhaltigkeit konzipierten Rechenzentrums mehr Zeit. Da ist es oft sinnvoll, auf größere Systemwechsel zu warten.

ITM: Worauf sollten die Unternehmen beim Kauf neuer IT/Hardware für ihre Produktion achten?
Rimikis:
Wenn die Unternehmen am Thema „Nachhaltigkeit“ interessiert sind, dann sollten sie unbedingt den gesamten Lebenszyklus hinterfragen. Wer nur auf den Stromverbrauch achtet, denkt nicht weit genug – selbst wenn Kühlung etc. mit einbezogen werden. Grüne IT ist erst dann nachhaltig, wenn der gesamte Produktlebenszyklus von den ersten Skizzen über die Fertigung und den Betrieb bis hin zum Recycling den Ansprüchen an Nachhaltigkeit genügen.

ITM: Inwiefern können sich die Unternehmen auf entsprechende Gütesiegel und Umweltzertifizierungen der Produkte verlassen?
Rimikis:
International anerkannte Gütesiegel sind unserer Ansicht nach grundsätzlich seriös, Unternehmen sollten sich darauf verlassen können. Ich kann nur für die Umweltzertifizierung der Produkte von Hitachi Data Systems sprechen, und als Unternehmen mit japanischen Wurzeln arbeiten wir in diesem Punkt extrem genau. So ist Hitachi etwa nach der internationalen Norm IEC 62430 zertifiziert; diese besagt, dass Abteilungen – etwa Geschäftsplanungen, Design, Beschaffung, Fertigung oder Qualitätskontrolle – umweltbewusst handeln und dieses Handeln auch dokumentieren müssen.

ITM: Welche Bedeutung schreiben Sie der Klimawandelproblematik in Ihrem Unternehmen zu? Wie tragen Sie konkret durch Ihre IT-Produkte, -Lösungen und -Dienstleistungen zur Bekämpfung des Klimawandels bei?
Rimikis:
Wir sind eine hundertprozentige Tochter des japanischen Hitachi-Konzerns und folgen damit den hohen Ansprüchen unserer Konzernmutter, die bereits in den 1960er Jahren eine Umweltstrategie fest ins Unternehmen verankert hat – lange vor den meisten anderen Unternehmen. Hitachi hat sich z.B. als Ziel gesteckt, bis 2015 vollständig emissionsneutral zu sein. Die Lösungen erfüllen die Ansprüche an Nachhaltigkeit des Konzerns über den gesamten Produktlebenszyklus und sie tragen dazu bei, z.B. den Stromverbrauch oder den Stellflächenbedarf zu senken. Unsere inzwischen abgelöste Speicherplattform AMS 2500 gewann beispielsweise bereits im Jahr 2010 als Eco-Product einen Green-IT-Award.

ITM: Wer oder was sind die Treiber für Ihr Handeln?
Rimikis:
Der Gedanke an Nachhaltigkeit liegt tief in unseren japanischen Wurzeln verankert. Der Hitachi-Gründer Namihei Odaira hatte von Beginn an die Vision, das Leben der Menschen jeden Tag ein bisschen besser zu machen – das war im Jahr 1910! Diesem Credo folgen wir noch heute, und natürlich zählen Nachhaltigkeit und Green IT dazu, eingebettet in unserem Streben nach sozialer Innovation.

ITM: Und welche Rolle spielt hier das Image?
Rimikis:
Für uns und für unsere japanische Konzernmutter heißt Image, dass jeder Mitarbeiter alles unternimmt, um ein der Wahrheit entsprechendes positives Bild des Unternehmens zu zeichnen, ohne dass dieses Bild besonders nach außen kommuniziert wird. Es geht mehr um eine Selbstverpflichtung, deren Beachtung langfristig zwar ein gewisses Image erzeugt, dessen Erzeugung jedoch nicht das Ziel ist. Grundsätzlich ist Image stets Selbstverpflichtung – wer sich ein Image zulegt, will es ja wahren und verbessern.

ITM: An welchen Stellen hapern Ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten noch und wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Rimikis:
Letztlich bedeutet jede Art von Produktion einen Verbrauch von Ressourcen. Wir sind in einem extremen Wachstumsmarkt, die weltweiten Datenbestände nehmen exorbitant zu – und damit auch die Nachfrage nach Speicher. So gesehen bestünde in erster Linie Handlungsbedarf, das Datenwachstum per se in den Griff zu bekommen bzw. die Daten noch effizienter zu speichern, als Stichwort sei hier z.B. Datenkompression genannt. Daran arbeiten wir intensiv. Unsere Hausaufgaben bei Forschung, Entwicklung, Produktion, Betrieb und Recycling haben wir gemacht – da gibt es derzeit kaum noch Spielraum. Für kommende Speichersysteme werden wir aber voraussichtlich den Stromverbrauch nochmals reduzieren können, da bis dahin die Flash-Technologie – also nicht drehende Festplatten – immer stärker Einzug halten wird. Wegen des hohen Wertschöpfungsanteils im eigenen Konzern haben wir bei Hitachi Data Systems einen Vorteil gegenüber weniger tief integrierten Unternehmen, die über eine lange und intransparente Zulieferkette zukaufen müssen. Wir erreichen Werte von bis zu 98 Prozent.

ITM: Wie sieht Ihre langfristige IT-Nachhaltigkeitsstrategie aus?
Rimikis:
Wir werden unsere hohen Standards bei Entwicklung, Bau und Recycling von Hardwareprodukten aufrechterhalten und weiter den Energieverbrauch in allen Bereichen senken. Wir werden weiter daran arbeiten, das Zusammenspiel aller Komponenten in Rechenzentren effizienter zu gestalten. Und wir werden Unternehmen dabei unterstützen, ihre Datenmengen in den Griff zu bekommen. Für uns als Unternehmen mit eigener IT kann ich sagen: Wir betreiben eines der weltweit grünsten Rechenzentren in Yokohama; auch unser Rechenzentrum in Island ist ein mustergültiges Projekt in Bezug auf IT-Nachhaltigkeit. Zur Nachhaltigkeit insgesamt zählen für uns zudem Fragen wie die Beachtung von Menschenrechten, eine gesunde Arbeitsumgebung sowie eine vernünftige Work-Life-Balance.

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