Japanische Verbraucher sind das Einkaufen im Internet gewohnt und lieben globale Marken. (( Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))
Jack Momose: „Die größte Herausforderung besteht darin, die Lücken zwischen den Erwartungsebenen zu schließen.“ ((Bildquelle: Degica))
ITM: Herr Momose, worin sehen Sie den größten Unterschied zwischen japanischem und deutschem E-Commerce?
Momose: Obwohl Japan der viertgrößte E-Commerce-Markt der Welt ist, wird es weitgehend von Barzahlungen dominiert. Der vielleicht auffälligste von vielen Unterschieden zwischen Japan und den westlichen Märkten ist die Präferenz der japanischen Verbraucher, über Konbini zu bezahlen, sogar für Online-Einkäufe. Konbinis sind Convenience Stores, eine Mischung aus Supermarkt, Restaurant, Vorverkaufsstelle, Bank und Post. Bei der Zahlungsmethode gibt die Kundschaft online Konbini an und kann sich einen nahegelegenen Shop aussuchen. Dorthin wird die Ware geliefert und die Kundschaft kann in bar bezahlen. Konbinis stehen für Vertrautheit und Vertrauen, was ein großes Plus für ausländische Unternehmen sein kann, die sich als zuverlässiger und seriöser Verkäufer etablieren möchten. In letzter Zeit drängt die japanische Regierung allerdings auf bargeldlose Methoden, sodass Smartphone-Zahlungen zunehmen.
ITM: Wie können europäische Händler diese beliebte Zahlungsmethode anbieten?
Momose: Es gibt Lösungen wie etwa Komoju, die wie eine Erweiterung des E-Commerce-Shops fungieren. Händler verbinden ihre Webseite mit der Plattform und die Lösung steuert ihren Check-out-Prozess. Die Software stellt sicher, dass die Zahlung abgeschlossen ist. Sie unterstützt nicht nur Zahlungsmethoden wie Konbini, sondern auch andere beliebte japanische Zahlungsarten wie Digital Wallets oder Smartphone Payment. Nach der Zahlung wird ein digitales Signal an die E-Commerce-Webseite gesendet, dann kann der Versand beginnen. Die Lösung synchronisiert den Status der Bestellung mit der realen Sendung. Händler müssen dies nicht mehr manuell tun.
ITM: Für Händler ist hauptsächlich die eigene Währung interessant. Wie gestaltet sich der Umtausch von Yen in Euro?
Momose: Genauso ist die japanische Kundschaft interessiert, Rückerstattungen nur in Yen zu bekommen. Die oben beschriebenen Lösungen arbeiten normalerweise mit FX-Anbietern zusammen. FX ist die Kurzform für Foreign Exchange und bezeichnet den Vorgang, bei dem eine Währung in eine andere umgerechnet wird. Wenn Händler nach Japan verkaufen, müssen diese in Yen abrechnen, aber dank der FX-Anbieter kümmern sie sich nur um ihre Basiswährung, in der sie ihre Bücher führen und ihre Kosten bezahlen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITM: Können Probleme bei der Implementierung neuer Zahlungsmethoden auftreten?
Momose: Die größte Herausforderung besteht darin, die Lücken zwischen den Erwartungsebenen zu schließen. Sei es KYC (Know Your Customer: Legitimationsprüfung, um Geldwäsche zu verhindern), Onboarding von Händlern oder Identifizierung des Endbegünstigten – europäische Anbieter haben andere Ansichten darüber, wie dies gehandhabt werden sollte, als japanische Institutionen und deswegen auch andere Methoden. Auch die Geschwindigkeit, mit der Händler ihr Geld erwarten, ist unterschiedlich. Europäische Händler erwarten ihr Geld sehr schnell. Aber in Japan sind Abwicklungszyklen von einem Monat oder mehr üblich.
ITM: Warum sollte der deutsche E-Commerce-Markt überhaupt Japan in Erwägung ziehen?
Momose: Der japanische Markt lockt mit hohen Margen und einem Pro-Kopf-Einkommen, das jenes der Chinesen um das Zehnfache und sogar das der Deutschen um ein Drittel übersteigt. Auch die hohe Population ist nicht zu unterschätzen. Japan hat laut IMF im Jahr 2020 geschätzt rund 125,9 Millionen Einwohner und gehört deswegen weiterhin zu den 20 Länder mit der größten Bevölkerung weltweit. Japans E-Commerce-Markt hat einen Wert von mehr als 11 Mrd. Euro und wächst jährlich um neun Prozent. Es gilt als das wohlhabendste Land in Asien und als eines der reichsten der Welt. Die japanischen Verbraucher lieben globale Marken, sind es gewohnt, vor allem online einzukaufen, und verfügen in der Regel über ein höheres verfügbares Einkommen als die meisten westlichen Länder. Mithilfe von entsprechenden Tools spricht also rein gar nichts gegen einen E-Commerce-Markteintritt.