Eine große Community arbeitet daran, die Open-Source-Software stetig zu verbessern.
Open-Source-Software spielt in der Wirtschaft eine wichtige Rolle. Fast 70 Prozent der deutschen Unternehmen nutzen quelloffene Systeme. Für den Open-Source-Monitor 2023 hat der Branchenverband Bitkom 1.155 Firmen ab 20 Mitarbeitern aus den unterschiedlichsten Branchen befragt. Die größten Vorteile von Open Source sehen 35 Prozent in der Einsparung von Kosten. Aber auch die einfache Anpassung an die eigenen Bedürfnisse, die Kompatibilität und Interoperabilität zwischen Tools und Komponenten sowie die breite Auswahl an Open-Source-Software-Technologien werden als Pluspunkte betrachtet. Gleichzeitig erhoffen sich viele Unternehmen, durch den Einsatz von Open Source die eigene Innovationsfähigkeit zu fördern.
Genau hier spielt quelloffene Software ihre große Stärke aus: die Zusammenarbeit in Communities. Code wird nicht nur innerhalb von Organisationen, sondern weltweit über Unternehmensgrenzen hinweg geteilt und gemeinsam bearbeitet. Auf diese Weise wurden und werden viele erfolgreiche Initiativen mit neuen Technologien und Anwendungen angestoßen. Eine entscheidende Rolle nimmt dabei der offene Austausch ein: Wer Ideen, Erfahrungen und Wissen teilt, kann Aufgaben schneller lösen und Fortschritte erzielen. Der freie Zugang zu den Quellcodes bedeutet, dass eine große Community daran arbeitet, Open-Source-Software zu verbessern. Das heißt wiederum, Unternehmen profitieren von extrem hohen Innovationszyklen. Da offener Quellcode zudem immer wieder verändert werden kann, können Probleme behoben werden, die für das jeweilige Unternehmen oder die jeweilige Branche spezifisch sind. Gleichzeitig ist Open Source durch die ständigen Reviews auch sicherer als alle anderen Software-Entwicklungsmethoden.
Gerade Mittelständler, für die das Thema „Digitalisierung“ in den letzten Jahren zu einem überlebenswichtigen Faktor geworden ist, profitieren von offener Software. Die Unternehmen stehen nicht nur unter dem Druck, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln – angesichts steigender regulatorischer Anforderungen, der zunehmenden Komplexität vieler IT-Landschaften, immer raffinierterer Cyberangriffe und des Fachkräftemangels sind sie auch auf Systeme angewiesen, die sich schnell, einfach und kostengünstig an ihre Anforderungen anpassen lassen. Hier kommt Open-Source-Software ins Spiel: Sie paart kostengünstige, individualisierbare Software mit einer sehr hohen Leistungsfähigkeit und Sicherheit. Niemand muss also das Rad neu erfinden, das andere bereits zur Perfektion gebracht haben. Im alltäglichen Business ist ein offenes System die Grundvoraussetzung dafür, dass mittelständische Unternehmen trotz aller Einschränkungen, mit denen sie sich konfrontiert sehen, komplexe und disruptive IT-Lösungen wie Künstliche Intelligenz (KI) in ihre Prozesse integrieren können.
Die Vielfalt und die technische Komplexität mancher Open-Source-Lösungen können aber auch schnell zu einer Herausforderung für Unternehmen werden. Die wenigsten Mittelständler werden die Zeit noch die interne Expertise haben, um die passenden Systeme aus den einzelnen Bausteinen zusammenzustellen. Hinter kostenloser Software aus der Open-Source-Community steckt auch kein Hersteller, gegenüber dem man Ansprüche geltend machen oder Gewährleistung einfordern kann. Im Gegensatz zu den Lösungen aus dem Enterprise-Umfeld – dort decken kostenpflichtige Subskriptionen alle wichtigen Dienstleistungen rund um Open Source ab. Das fängt beim Paketieren einzelner Komponenten zu branchenspezifischen Lösungen an, schließt Sicherheitshärtung sowie -Updates ein und reicht bis zum Support rund um die Uhr oder Hilfe beim Managen der Interoperabilität. Ein Anbieter von Unternehmenssoftware wie Red Hat übernimmt beispielsweise die komplexe Aufgabe der Unterstützung von Komponenten, lange nachdem neue Versionen für das Upstream-Projekt veröffentlicht worden sind. Dies ist notwendig, damit Unternehmen Software so lange nutzen können, wie es für sie Sinn macht. Im Rahmen eines solchen Enterprise-Modells müssen sich Mittelständler auch nicht mehr den Kopf über fehlende Expertise bzw. schwer zu bekommende Fachkräfte zerbrechen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Moderne Plattformen und Lösungen stellen darüber hinaus sicher, dass Mittelständler ihre Anwendungen dort betreiben können, wo sie sie brauchen – ob nun On-Premises, in der Cloud oder in einer hybriden Umgebung. Ein weiterer Vorteil ist auch das breite Partnerökosystem der großen Anbieter. Die regionale Nähe, kurze Reaktionszeiten, Implementierungsunterstützung sowie branchenspezifisches Wissen sind für mittelständische Unternehmen eine wertvolle Hilfe. Man muss kein Verfechter der reinen Open-Source-Lehre sein, um die Vorzüge quelloffener Systeme zu erkennen. Heute geht es auch nicht mehr um die Frage, welche Software besser ist – sondern um den unbestrittenen Stellenwert von Open Source in der digitalen Welt.
Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus