Die Pandemie ist für Peter Dümig gleichzeitig Weckruf und Warnsignal zur schnelleren Modernisierung der IT.
ITM: Herr Dümig, welche Schwachstellen sind während der Corona-Krise in den Rechenzentren sichtbar geworden?
Peter Dümig: Viele Rechenzentren in mittelständischen Unternehmen sind auf Ausnahmesituationen und Katastrophenfälle nicht ausreichend vorbereitet. Es hat sich herausgestellt, dass für solche Notfallszenarien zu selten vorausschauende Planungen und entsprechende Testläufe existieren. Es fehlte bislang schlicht am Problembewusstsein und somit auch an den notwendigen Ressourcen. Nun aber ist deutlich geworden, dass es eben nicht reicht, nur den laufenden Betrieb aufrechterhalten zu wollen.
ITM: Wie sehen die Schwachstellen und Herausforderungen konkret aus?
Dümig: Während der Pandemie haben sich drei Schwachpunkte als besonders kritisch herausgeschält: die fehlenden Bandbreiten, die begrenzte Skalierbarkeit der Infrastrukturen und die mangelnde Hochverfügbarkeit. Bei der Konnektivität sind es vor allem die unterdimensionierten VPN-Gateways und unzureichenden VPN-Verbindungen, die zu Problemen beim Anschluss von Homeoffice-Arbeitsplätzen geführt haben. Die steigende Belastung der Rechenzentren hat häufig auch die Grenzen der Skalierbarkeit aufgedeckt. Und bei einem krisenbedingten Mangel an IT-Personal oder einem Ausfall beim technischen Equipment konnte eine durchgängige Verfügbarkeit der IT-Services nicht sichergestellt werden. An dieser Stelle sind Lücken bei der Ausstattung mit redundanten, fehlertoleranten Systemen und bei der Automatisierung sichtbar geworden.
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ITM: Welche vordringlichen Aufgaben ergeben sich daraus?
Dümig: Die Bedeutung und die Stellung der IT-Abteilungen in den Unternehmen müssen dringend verbessert werden. Sie brauchen die notwendigen Ressourcen, um die IT-Infrastruktur zu modernisieren und krisensicher zu machen. Dazu gehören finanzielle Mittel, genügend Personal, die Zeit zum Erstellen und Testen von Notfallplänen und sicher auch die Einbindung externer Expertise. Erst wenn sie mit diesen Ressourcen ausgestattet sind, können sie sich um die Weiterentwicklung und Absicherung der geschäftskritischen IT-Workflows kümmern. In einem Produktionsbetrieb ist das vielleicht das ERP-System, in einem Service- oder Handelsunternehmen kann das der E-Mail-Server oder das E-Commerce-Portal sein. All dies erfordert spezifische Anpassungen, die ihrerseits in detaillierten Notfallplanungen definiert und kommuniziert werden müssen.
ITM: Was sind mittelfristig die notwendigen nächsten Schritte?
Dümig: Die Pandemie ist gleichzeitig Weckruf und Warnsignal zur schnelleren Modernisierung der IT. In diesem Sinne ist die Krise durchaus auch als Chance zur Beschleunigung der digitalen Transformation zu sehen. Das Gute ist: Moderne Technologien wie das Software-defined-Datacenter erhöhen den Automatisierungsgrad und reduzieren so den Aufwand zur Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs. Dies gibt einerseits dem Personal mehr Luft und ist gleichzeitig die technische Voraussetzung für die Einführung von Co-Hosting-, Hybrid- und Multi-Cloud-Modellen, die zur Lösung der Skalierungsprobleme und zur Sicherstellung der Hochverfügbarkeit bereitstehen. So können virtuelle Maschinen zwischen dem eigenen Rechenzentrum und dem Cloud Service Provider sinnvoll und sicher verschoben werden. Ein in Notfallszenarien häufig unterschätztes Thema ist Backup und Recovery, das nicht nur geplant, sondern tatsächlich auch einmal praktisch durchgespielt werden muss. Nur so sind mögliche Fehler aufzuspüren und abzustellen. Im realen Notfall ist es dazu möglicherweise zu spät und der Schaden für das Unternehmen unkalkulierbar. Alle Maßnahmen müssen zudem im Einklang mit Security-Konzepten, DSGVO-Richtlinien und Compliance-Vorgaben geplant und umgesetzt werden. Vor einem Fehlschluss sollten wir uns jedoch unbedingt hüten: Die Notfallplanung und die Resilienz-Konzepte sind niemals endgültig abgeschlossen. Niemand sollte sich in trügerischer Sicherheit wiegen. Die Krisenfestigkeit der IT sicherzustellen ist ein fortlaufender Prozessähnlich wie bei der DevOps-Entwicklung. Es gibt kein Ende der Fahnenstange.
Bildquelle: Dell