Vibe Coding

Die Website zum digitalen Assistenten machen

Mit Vibe Coding können Unternehmen digitale Abläufe direkt aus dem Arbeitsalltag heraus entwickeln. Unternehmen müssen dabei auf Daten, Zuständigkeiten und der Einbindung in bestehende Systeme achten.

  • Vibe Coding vereinfacht die Softwareentwicklung mit KI

  • Renata Jaffé, Produktmanagerin bei STRATO

Websites kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) informieren zuverlässig über die wichtigsten Punkte wie Leistungen, Standorte und Kontaktmöglichkeiten. Im betrieblichen Alltag haben sie allerdings oftmals nur eine Schaufensterfunktion und unterstützen wenig bei konkreten Aufgaben: Anfragen werden weiterhin per E-Mail sortiert, Termine telefonisch abgestimmt und Angaben aus Formularen manuell in Tabellen oder Listen übertragen.

Vibe Coding kann KMU dabei helfen, ihren Webauftritt stärker auch auf solche Aufgaben hin auszurichten. So kann die Website schrittweise vom Informationsangebot zum digitalen Assistenten werden.

Prozesse statt zusätzliche Webseiten denken

Um geeignete Einsatzmöglichkeiten zu finden, lohnt sich zunächst der Blick auf den Arbeitsalltag: Wo fehlen Informationen, entstehen unnötige Rückfragen oder werden Angaben unzureichend oder sogar mehrfach erfasst? Für einen besseren Überblick über Schadensmeldungen könnte eine Hausverwaltung beispielsweise eine digitale Anwendung entwickeln, bei der Mietende  bereits Mietobjekt und Schadensart auswählen, Fotos hochladen und Wunschtermine für Rückfragen angeben können.

Ein Schulungsanbieter könnte eine Anmeldungsanwendung erstellen, welche verfügbare Plätze berücksichtigt und bei Bedarf eine Warteliste vorsieht oder gar verwaltet. Ausgangspunkt, ein hilfreiches Tool auf den Weg zu bringen, ist also in der Regel ein Vorgang, der im Unternehmen bereits bekannt ist. Vibe Coding birgt das Potenzial, die eigene Website dort zu erweitern, wo sie für Beschäftigte oder Kundschaft tatsächlich einen praktischen Mehrwert generieren kann.

Fachwissen wird zum Prototyp

Wie der Ablauf innerhalb einer neuen Anwendung funktionieren sollte, wissen meist diejenigen am besten, die täglich mit einer konkreten Problemstellung arbeiten. Sie kennen entsprechende Notwendigkeiten, Besonderheiten des Betriebs oder typische Rückfragen. Beim Vibe Coding können Fachverantwortliche dieses Wissen unmittelbar als Anforderungskatalog formulieren. Dabei legen sie beispielsweise fest, welche Informationen benötigt werden und welche Auswahl an welcher Stelle zu einem nächsten Schritt führt und was das Zielergebnis ist. Das Werkzeug übersetzt diese Vorgaben dann in kürzester Zeit in einen ersten Prototyp. Dafür müssen Nutzende weder eine Programmiersprache beherrschen noch die technische Architektur festlegen. Je klarer sie im Vorfeld Ziel, Zielgruppe und einzelne Schritte benennen, desto besser lässt sich die entstandene erste Version beurteilen.

Der Prototyp schafft eine gemeinsame Arbeitsgrundlage, die nun getestet werden kann und in der die Projektverantwortlichen unmittelbar sehen können, ob die Reihenfolge verständlich ist, Angaben fehlen oder ob der Vorgang unnötig kompliziert wirkt. Bei der Schadensmeldung der Hausverwaltung könnte sich beispielsweise zeigen, dass zusätzlich zwischen dringenden und planbaren Fällen unterschieden werden muss. Beim Anmeldeprozess des Schulungsanbieters fällt möglicherweise auf, dass noch ein Stammdaten-Parameter, eine Bestätigung oder eine Information über den aktuellen Wartelistenstatus fehlt. Rückmeldungen dazu können direkt in die nächste Version einfließen.

Vor dem Livegang gründlich prüfen

Ein fachlich stimmiger Prototyp ist allerdings noch nicht bereit für die Veröffentlichung. In einer Vorschau oder einer vom laufenden Webauftritt getrennten Testumgebung sollte geklärt werden, ob Eingaben korrekt verarbeitet werden und die Funktion auch bei ungewöhnlichen Angaben zuverlässig arbeitet. Bietet das Werkzeug eine Versionierung, lassen sich Änderungen vergleichen und bei Problemen zurücknehmen, ohne einen funktionierenden Stand dauerhaft zu verlieren.

Besondere Sorgfalt ist bei Funktionen erforderlich, die personenbezogene oder geschäftskritische Daten verarbeiten. Dazu gehören etwa Kontaktinformationen, Buchungsdaten, hochgeladene Dokumente oder interne Preisangaben. Vor der Nutzung muss geklärt sein, welche Daten erforderlich sind, wo sie verarbeitet werden und wer darauf zugreifen darf. Auch die technische Umgebung und ihre Schutzmaßnahmen gehören zum Prüfprozess. Die KI kann die Umsetzung einer Anwendung zwar unterstützen. Die Verantwortung für die Datenverarbeitung, Zugriffsrechte, Geschäftslogik und Veröffentlichung bleibt aber weiterhin beim Unternehmen.

Die Funktion in den Betrieb einbinden

Mit der Veröffentlichung ist der Prozess nicht beendet. Bevor eine Funktion regelmäßig genutzt wird, muss feststehen, wer Inhalte und Regeln aktualisiert, Änderungen freigibt und auf Fehler reagiert. Ebenso wichtig ist die Integration in vorhandene Abläufe. Werden Anfragen per E-Mail weitergeleitet, in einem Kundensystem gespeichert oder von mehreren Beschäftigten bearbeitet, muss dieser Weg zuverlässig funktionieren. Andernfalls entsteht eine zusätzliche digitale Oberfläche, während im Hintergrund weiterhin manuelle Doppelarbeit anfällt.

Bei der digitalen Schadensmeldung betrifft das etwa den Umgang mit unvollständigen Angaben oder nicht unterstützten Dateiformaten. Bei der Schulungsanmeldung wiederum muss der Ablauf auch dann verständlich bleiben, wenn eine Veranstaltung bereits ausgebucht ist oder sich Angaben nachträglich ändern. Solche Fälle zeigen, ob die Funktion nicht nur in der vorgesehenen Standardsituation, sondern auch bei Abweichungen sinnvoll reagiert. Der sichtbare Ablauf auf der Website ist daher nur ein Teil des Prozesses. Entscheidend ist, wie sich die Funktion in die tägliche Arbeit einfügt und wer ihren Betrieb dauerhaft betreut. Nicht jede Funktion benötigt dafür eine technische Schnittstelle. Der Übergang zwischen Website und dem weiteren Arbeitsprozess sollte jedoch strategisch und bewusst festgelegt sein.

Der Nutzen entscheidet

Ob aus einem Entwurf für eine neue digitale Anwendung eine dauerhaft genutzte Funktion wird, zeigt sich im laufenden Betrieb. Bewährt sich die Anwendung, kann sie gezielt ausgebaut werden. Erfüllt sie ihren Zweck nicht, lässt sich der Ansatz überarbeiten oder verwerfen.

Auch ein nicht weiter verfolgter Versuch kann Erkenntnisse darüber liefern, welche Anforderungen tatsächlich im Betriebsalltag relevant sind. Für KMU liegt der Vorteil darin, digitale Ideen schneller in konkrete Anwendungen überführen zu können. Die Entscheidung über ihren Einsatz bleibt beim Unternehmen.

Bild: DC Studio / Magnific

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