„Heute sind die Anforderungen an den klassischen Mittelständler derart breit gefächert, dass es auf die Frage „Was bedeutet Mittelstand?“ viele Antworten gibt“, sagt Klaus Aschauer.
Unter Mittelstand verstehe ich ...
... das Rückgrat der Weltwirtschaft! Technologische Marktführerschaft, soziale Verantwortung, regionales Engagement, internationale Präsenz: Heute sind die Anforderungen an den klassischen Mittelständler derart breit gefächert, dass es auf die Frage „Was bedeutet Mittelstand?“ viele Antworten gibt. Was dabei häufig unterschätzt wird: Für mich ist der Mittelstand der Antrieb für eine florierende, stabile Weltwirtschaft. Das sind Unternehmen, die oft inhabergeführt, familienfreundlich und werteorientiert für einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg stehen.
Der Mittelstand hebt sich von Großkonzernen dadurch ab, dass ...
... hier der Spielraum und die notwendige Flexibilität vorhanden sind, um sich in Nischenmärkten festzusetzen und dort sogar den Takt anzugeben. Ein Unternehmen als Mittelständler zu klassifizieren, ist nicht nur eine Frage der Größe. Das hängt auch von der Art und Weise ab, wie Menschen arbeiten und wie Wertschöpfung organisiert wird. Im Mittelstand zählen Pragmatismus und kurze Entscheidungswege gepaart mit einem branchenspezifischen Spezialistentum, das oft über Jahrzehnte aufgebaut wurde. Nicht umsonst sind deutsche Mittelständler häufig Weltmarktführer in ihrer Branche.
Um als IT-Spezialist im Mittelstand Erfolg zu haben, bedarf es ...
... eines branchenspezifischen „Stallgeruchs“. Das gilt speziell für die Bereiche IT-Beratung und Unternehmens-Software, in denen wir tätig sind. In Projekten mit mittelständischen Unternehmen sehen wir häufig, dass unserem Branchen-Know-how und unseren Branchen- und Speziallösungen mehr Wert beigemessen wird als der langfristigen IT-Strategie. Bei konzernorientierten Unternehmen ist das oft genau umgekehrt. Ebenso wichtig sind die Menschen, unsere Know-how-Träger, die mit Fingerspitzengefühl und Sensibilität den deutschen Mittelstand durch die Digitale Transformation führen.
Was die IT anbelangt, ist der Mittelstand ...
... besser als sein Ruf, aber häufig eher konservativ auf strategischer Ebene. In jüngster Vergangenheit interessieren sich allerdings immer mehr Mittelständler für IT und digitales Denken als Business-Enabler für die oft jahrzehntealten Geschäftsmodelle. Themen wie Cloud, Software as a Service oder Artificial Intelligence werden zur betriebswirtschaftlichen Realität und zwingen Unternehmen, sich damit intensiv auseinanderzusetzen. Was dabei jedoch häufig fehlt, sind praktikable Konzepte, um die Belegschaft auf die Reise durch die Digitale Transformation mitzunehmen und digitales Denken zu fördern.
Die durchschnittliche IT-Grundausstattung im Mittelstand besteht aus ...
... einem in die Jahre gekommenen, individuell stark angepassten ERP-System sowie unzähligen Excel-Tabellen für die unterschiedlichen Spezialfälle aus Bereichen wie Kalkulation, Fertigungsplanung, Kunden- oder Produktinformationen. Dass dies nicht der Weg in die digitale Zukunft ist, haben die allermeisten Unternehmen verstanden. Dennoch fehlt es oft an der nötigen Ernsthaftigkeit, IT und Technologie als wichtige Bestandteile der Unternehmensstrategie zu verstehen.
Charakteristisch für IT-Investitionsentscheidungen im Mittelstand ist, dass ...
... diese meist in die Länge gezogen werden. Das hängt vor allem mit der strategischen Bedeutung der Investitionen zusammen. Die IT steht da leider nicht ganz oben auf der Liste. Zudem mystifizierten viele mittelständische IT-Abteilungen jahrelang die Anforderungen der Fachabteilungen. Doch die Zeiten haben sich auch im Mittelstand geändert: Heute bleibt die IT mitunter außen vor, wenn Entscheidungen durch Fachabteilungen getrieben werden.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Die typischen IT-Probleme des Mittelstands sind ...
... die unterschätzte strategische Bedeutung der IT für die langfristige Unternehmensentwicklung. Eine logische Konsequenz daraus ist, dass Fachabteilungen dementsprechend auch nicht strategisch handeln. Das Ergebnis: IT wird als notwendiges Übel wahrgenommen und nicht als Business-Opportunity.
Als Lösung für diese Probleme favorisiere ich, ...
... sich strategisch zu öffnen. Das gilt nicht nur für Geschäftsführer, Vorstände und CIOs. Vielmehr gilt es, eine digitale Unternehmenskultur zu entwickeln, die zum Unternehmen, zu seinen Werten und Zielen passt. Dabei ist es nützlich und sinnvoll, sich Unterstützung von jenen Menschen zu holen, die den Weg durch die Digitalisierung bereits gegangen sind und die wissen, wie man sich Stück für Stück digital neu erfindet.
Handlungsbedarf auf IT-Seite im Mittelstand sehe ich ...
... vor allem darin, die notwendige digitale Reife aufzubauen, um Technologien und IT künftig als Mehrwert zu nutzen.
Klaus Aschauer
Alter: 47 Jahre
Familienstand: verheiratet
Größtes Hobby: Golf
Karriere
Ausbildung: Werkzeugmacher und Technischer Zeichner, Studium der Betriebswirtschaftslehre
Beruflicher Werdegang: Herlitz PBS AG, seit 1999 bei Cosmo Consult in unterschiedlichen Positionen
Derzeitige Position: Miteigentümer, Vorstand und Chief Customer Officer
der Cosmo-Consult-Gruppe
Bildquelle: Cosmo Consult AG