Der Hauptsitz des Sanitär- und Haustechnikspezialisten befindet sich im bayrischen Ainring.
Mitarbeiter müssen keine Kommissionslisten mehr ausdrucken, sondern erhalten alle Aufträge direkt auf mobile Handscanner oder Kopfhörer.
Kommissionierung mit Papierlisten, unnötige Wege, hoher manueller Aufwand und Fehleranfälligkeit sowie Ineffizienz trotz aktueller Personalknappheit: So sah der Arbeitsalltag in den Lagern der Sanitär-Heinze GmbH & Co. KG aus. Auch den Kunden gegenüber konnte man nicht immer den gewünschten Service bieten, weil Mitarbeiter im Verkauf keine aktuellen Auskünfte zum Stand von Bestellungen geben konnten. Mit der FIS Informationssysteme und Consulting GmbH fand Sanitär-Heinze den passenden und bekannten Partner für das Großprojekt „Digitalisierung“. „Wir haben mit dem Anbieter bereits in der Vergangenheit diverse Projekte umgesetzt und sehr gute Erfahrungen gemacht“, begründet Jörg Teering, IT-Leiter bei Sanitär-Heinze, die Entscheidung. „Zudem ist er stark in unserer Branche aktiv, was uns auch sehr wichtig war.“ Genau ein Jahr nach Vertragsunterzeichnung wurde die Lösung in der Firmenzentrale produktiv gesetzt. „Den Neubau haben wir als Anlass für die Digitalisierung des Lagers genommen“, erinnert sich Teering. „Ziel war es deshalb, dass mit Bezug des neuen Lagers gleichzeitig die digitale Lagerverwaltung in Betrieb genommen werden kann.“
Das ist gelungen, denn Papier spielt im Lager der Firmenzentrale keine Rolle mehr: Anstatt dass die Mitarbeiter ihre Kommissionslisten zentral ausdrucken müssen, erhalten sie ihre Aufträge direkt auf mobile Handscanner oder Kopfhörer. „In Ainring haben wir zudem vor einigen Wochen Pick-by-Voice als Alternative für unsere Mitarbeiter eingeführt“, so Teering. „Die Kommissionierer, die damit arbeiten, sind dadurch noch schneller geworden“, freut sich der IT-Leiter. Ein Muss ist Pick-by-Voice jedoch nicht, kann es aufgrund von Barrierefreiheit auch nicht sein – denn im Lager sind auch gehörlose Mitarbeiter tätig, die gesprochene Anweisungen nicht umsetzen können. „Eine gewisse Flexibilität bei der Auswahl an Tools für unsere Lagerarbeiter ist uns grundsätzlich wichtig“, betont Teering. Für die digitale Kommissionierung stehen den Mitarbeitern sowohl Staplerterminals im Hochregallager als auch MDE-Geräte im Kleinteilelager zur Verfügung.
In den Lagern von Sanitär-Heinze steht nun das zentrale Monitoring zur Steuerung und Überwachung aller Lagerprozesse im Fokus. Da alle Kommissionierer online arbeiten, können sie in Echtzeit gesteuert werden, was einen erheblichen Vorteil des digitalen Lagerverwaltungssystems darstellt. Ist die Arbeitslast in einem Teil des Lagers besonders hoch, können Mitarbeiter kurzfristig umgeschichtet werden. Besonders hebt der IT-Leiter von Sanitär-Heinze die sogenannte Bypass-Funktion im Wareneingang hervor: Kundenkontierte Ware wurde bisher vom Lieferanten angeliefert und im nächsten Arbeitsschritt vorerst in den vorgesehenen Lagerbereich eingelagert. Bei der Auslagerung musste diese wiederum von einem anderen Mitarbeiter kommissioniert und versandfertig gemacht werden. „Jetzt wird die Ware automatisch über das System als Bypass-fähig erkannt und der Mitarbeiter im Wareneingang macht sie direkt versandfertig. Dadurch entfallen zeitaufwendige und unnötige Zwischenschritte“, beschreibt Teering.
Über alle Lagerprozesse hinweg hat der Anbieter das Warehouse Management beim Sanitär- und Haustechnikspezialisten digitalisiert. Dabei wurden auch SAP-Optimierungen eingesetzt – also fertige, erprobte und modulare Funktionen, mit denen die Effizienz und der Funktionsumfang des SAP-Systems erweitert werden. Sanitär-Heinze erhielt so auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen, die zuerst am Hauptstandort in Ainring eingeführt und nach und nach auf 15 weitere Standorte ausgerollt wurden – am 16. Standort ist das Lagerverwaltungssystem seit Februar 2023 produktiv, genau sieben Jahre nach Projektbeginn. Es wurden an jedem Standort die Verantwortlichen einbezogen, um gemeinsam den notwendigen Optimierungsbedarf zu identifizieren. Der Vorteil der generischen Lösung, die an allen Standorten gleich eingesetzt wird, besteht darin, dass alle Standorte von neuen Funktionalitäten oder Anpassungen, die aufgrund des Bedarfs an einem Lager entwickelt wurden, profitiert haben.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2024. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Neben Pick-by-Voice bietet Sanitär-Heinze auch das Freestyle Picking – eine Lösung für das Thekengeschäft. Thekenmitarbeiter legen ihre Kunden hierzu initial im System an, die eine Kundenkarte mit QR-Code erhalten, mit denen sie sich beim Einkauf authentifizieren. Mithilfe eines bereitgestellten Endgeräts samt App scannt der Kunde im Abhollager die EAN-Codes an den gewünschten Artikeln und kommissioniert seine Ware selbst nach dem Supermarktprinzip. Die Kommissionierung durch die Thekenmitarbeiter entfällt, sie müssen den Warenkorb des Kunden nur prüfen und den Auftrag freigeben. „Das entlastet die Mitarbeiter dort ungemein und die Wartezeit für die Kunden entfällt“, betont Teering. Zudem werden die Fehlerquoten reduziert und man kann gleichzeitig dem Fachkräftemangel entgegenwirken. „Der Fachkräftemangel ist in aller Munde und betrifft auch uns. Dank des Warehouse-Management-Systems haben wir unsere Pickzahlen deutlich erhöht, obwohl uns aufgrund fehlenden Nachwuchses weniger Lagermitarbeiter zur Verfügung stehen“, schildert Teering offen. Alle Lagerprozesse, besonders im Warenein- und -ausgang, lassen sich per Monitoring zentral überwachen und steuern, dadurch können Mitarbeiter flexibler eingesetzt werden.
Sanitär-Heinze GmbH & Co. KG
Gründung: 1934
Branche: Sanitär und Haustechnik
Hauptsitz: Ainring
Mitarbeiter: 1.500
Standorte: 32 in Deutschland, Österreich und Italien
www.sanitaer-heinze.com
Bildquelle: Sanitär-Heinze