Fünf klassische Fehler

Digitaler Kulturwandel

Im Kommentar erklärt Jan Rodig, Partner bei der Unternehmensberatung Struktur Management Partner, die größten Fallen, in die Mittelständler tappen, wenn sie sich der Digitalisierung stellen.

Fünf klassische Fehler

Im Kommentar erklärt Jan Rodig, Partner bei der Unternehmensberatung Struktur Management Partner, die größten Fallen, in die Mittelständler tappen, wenn sie sich der Digitalisierung stellen.

Der digitale Wandel ermöglicht Unternehmen dreierlei: Prozesse zu automatisieren und effizienter zu werden, über digitale Kanäle neue Kunden zu gewinnen sowie neue Erlösquellen in Form digitaler Services und Geschäftsmodelle zu schaffen. Doch je stärker Mittelständler diese Chancen ergreifen wollen, desto dringlicher wird auch ein Wandel ihrer Firmenkultur. Viele Führungskräfte unterschätzen diese Herausforderung.

Fehler 1: Bauchgefühl statt Daten: Mittelständler haben lange von ihrer Marktkenntnis, ihren Beziehungen und ihrer Intuition gelebt. Vor allem Patriarchen schwören bis heute auf ihr Bauchgefühl. In der digitalen Welt stehen jedoch unzählige Daten bereit: über Kunden und Konkurrenten, Maschinen und Prozesse, Chancen und Gefahren. Clevere Unternehmen nutzen diese, um fundierte Entscheidungen zu treffen, Alternativen zu testen oder Produkte zu entwickeln.

Fehler 2: Worte statt Taten: Jeder kennt solche Fälle: Die Spitze schwingt große Reden über digitale Prozesse und Tools, kommuniziert selbst aber noch per Fax. Und statt einer durchdachten Strategie zu folgen, verliert sich das Unternehmen in Insellösungen, die nur kurzfristig Nutzen stiften (wenn überhaupt). Der Ausweg: Man muss den digitalen Wandel nicht als Projekt, sondern als langfristige, umfassende Veränderung begreifen, auf die sich alle einstellen müssen.

Fehler 3: Weiche Faktoren statt harter Zahlen: Zu viele Manager denken bei digitaler Kultur nur an Tischkicker, Duzen oder schicke Lounges – und vernachlässigen die klassischen Steuerungsinstrumente. Langfristig gilt aber, auch interne Kennzahlen, Zielsysteme und variable Vergütungen an die neue Welt anzupassen. Erst dann gewinnt der digitale Wandel an Traktion.

Fehler 4: Zu wenig Kommunikation: Die Digitalisierung ist komplex. Sie verändert tiefgreifend, wie Unternehmen arbeiten. Sie erzeugt auch Ängste. Doch immer wieder folgt auf große Impulse zu Anfang nur wenig und es bleibt bei einer Town Hall, bei Präsentationen im Intranet. Man sollte die eigenen Ziele und das Vorgehen erklären, immer wieder. Und wenn man glaubt, es kann keiner mehr hören – einfach weitermachen! Die Digitale Transformation ist kein Trend, der 2024 vorüber ist, sondern von Dauer.

Fehler 5: Keine konsequente Umsetzung: Allzu viele Unternehmen scheitern im Alltag an internen Widerständen oder versäumen es, das Erreichte mit dem Geplanten abzugleichen. Die Lösung: Schulung der Mitarbeiter, die Ideen der „Willigen“ einholen und die „Skeptiker“ mit schnellen ersten Erfolgen überzeugen, etwa dank Robotic Process Automation (RPA). Man sollte konsequent nachjustieren – und den Mut haben, Ideen zu beerdigen, wenn sie sich als Irrtum erweisen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Unternehmen wie der 1.400 Mitarbeiter starke Baumaschinenhersteller Beutlhauser oder der 100 Mio. Euro große Antriebsspezialist Marantec machen es vor: Haben Mittelständler eine Digitalstrategie mit realistischen Zielen und klaren Prioritäten, eine starke Führung samt kundigen Mitarbeitern und passenden Partnern sowie die nötige Disziplin, können sie den Wandel meistern. Unternehmen mit einer digitalen DNA arbeiten datengetrieben, agil und kundenzentriert. So erzielen sie beeindruckende Erfolge.

Bildquelle: Struktur Management Partner GmbH

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