Jochen Polster, Director DACH bei NComputing
Ralf van Huet, Chief Technologist bei HP Enterprise Services
Die virtuellen PCs könnten dann zwar vor Ort betrieben werden, doch in der Regel stellt sie das Unternehmen im Rechenzentrum (bzw. in einer „Private Cloud“) bereit. Ziel ist es, die enormen Kosten für den Einsatz traditioneller PCs zu senken, von der Anschaffung über Reparaturen bis hin zu Helpdesk und Systemadministration, um den IT-Betrieb aufrechtzuerhalten. Weitere VDI-Vorteile sind die Unabhängigkeit vom Betriebssystem für jeden Arbeitsplatzrechner und sichere, isolierte Desktops. Und jeder Thin Client wird zentral verwaltet und ist im Netzwerk erreichbar. Allerdings ist es leichter gesagt als getan, die optimalen Nutzung einer VDI wirklich netzwerkübergreifend in verschiedenen Infrastrukturen einzurichten. IT-MITTELSTAND hat zwei Experten dazu befragt.
ITM: Worauf muss ein Mittelständler besonders achten, damit er die erhofften Einsparungen bei der Virtualisierung seiner Desktopinfrastruktur auch tatsächlich erzielt?
Jochen Polster: Zwei grundsätzliche Themen müssen bei der Installation einer virtuellen Desktopinfrastruktur (VDI) beachtet werden: Die „Total Cost of Aquisition“ (TCA) und die „Total Cost of Ownership“ (TCO). TCO, also die Kosten der Infrastruktur über einige Jahre, ist bei den meisten VDI-Lösungen günstiger als bei einer traditionellen PC-Infrastruktur, da Energie- und Managementkosten stark verringert werden. Die meisten VDI-Lösungen am Markt sind aber in der Anschaffung (TCA) erheblich teurer als klassische PCs. Dazu kommt, dass fast immer speziell ausgebildete IT-Fachleute erforderlich sind. Gerade bei kleineren Firmen führt diese Tatsache dazu, dass Virtual Desktops noch keine große Verbreitung erlangt haben.
NComputing setzt genau an diesem Punkt an, indem eine kostengünstige und vor allem auch einfach zu verwaltende Ende-zu-Ende-Lösung angeboten wird. Stichwort: Alles aus einer Hand. Damit wird VDI-Technologie sowohl bei TCA als auch TCO günstiger als PC-Installationen. Und das bei gleichzeitig hoher Benutzerzufriedenheit, da die volle Multimediafähigkeit der PCs erhalten bleibt, was bei den meisten anderen Lösungen nicht der Fall ist.
Ralf van Huet: Eine Umstellung bloß der Kosten wegen lohnt sich meistens nicht: Der Einführungsaufwand ist groß, der Betrieb wird komplizierter, und das frisst die Einsparungen schnell wieder auf. Ein erfolgreicher Wechsel zu einer Virtual-Desktop-Infrastruktur muss daher in eine Strategie eingebettet sein, die die komplette IT-Infrastruktur einbezieht. Erst mit einer standardisierten und konsolidierten IT-Landschaft ist der zentralistische Ansatz einer Arbeitsplatzvirtualisierung und ihre effektive Nutzung überhaupt umsetzbar. Auf diese Weise kann man dann auch die Betriebskosten deutlich senken.
Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist dabei die Akzeptanz der Anwender. Deshalb ist es schon in der Planungsphase wichtig, die Anwender einzubinden, ihre Anforderungen festzuhalten und bei der Umsetzung immer wieder zu überprüfen.
ITM: Wie kann der IT-Chef die damit verbundenen Risiken für Störungen vermindern, die das Tagesgeschäft empfindlich behindern könnten?
van Huet: Dazu braucht es ein maßgeschneidertes Vorgehen, denn jedes Unternehmen hat völlig unterschiedliche technische Voraussetzungen und eigene Anforderungen an Security und Verfügbarkeit. Eine Lösung „out of the box“ ist daher selten der Weg zum Erfolg. HP erarbeitet in solchen Projekten gemeinsam mit den IT- und Fachabteilungen des Kunden einen passenden Transformationspfad für die individuelle Zielsetzung. Dann werden die neuen Systeme in einer Pilotumgebung getestet. Erst wenn in dieser Umgebung alle Probleme erkannt und behoben sind, wird mit der Umsetzung der Lösung begonnen. Dabei werden die Anwender in jedem Projektstadium einbezogen, um ihre Akzeptanz sicherzustellen. Dieser Prozess hat sich bereits in Hunderten von Projekten bewährt.
Polster: Gerade VDI-Technologien erlauben die Einrichtung von sehr zuverlässigen Systemen. Die Ausfallwahrscheinlichkeit der Clients ist extrem niedrig. Zum einen sind ja keine bewegten Teile vorhanden, zum anderen ist die Möglichkeit des Aufspielens von Schadsoftware – wie Viren etc. – minimiert, wenn nicht ausgeschlossen. Darüber hinaus können Mittel, die bei den Clients eingespart werden in eine hochverfügbare Serverlösung investiert werden, so dass das gesamte System erheblich zuverlässiger und sicherer wird, als es bei PC-Arbeitsplätzen jemals der Fall sein kann.
ITM: Stichwort „Bring your own Device“: Sollten die IT-Chefs auch Endgeräte wie Smartphone oder Tablets in die Virtualisierung der Desktopinfrastruktur einbeziehen?
van Huet: Es ist wichtig zu verstehen, aus welchem Grund ein Unternehmen über ein mögliches Bring-your-own-Device-Konzept nachdenkt: Welche Nutzer stehen im Fokus? Welche Applikationen werden genutzt? Um welche Geschäftsprozesse geht es? Erst wenn solche grundlegenden Fragen geklärt sind, kann man die Frage beantworten, ob und wo BYOD sinnvoll ist. Bei der Umsetzung müssen dann sowohl technische als auch organisatorische Details beachtet werden, etwa die Einführung zusätzlicher Sicherheitsmechanismen und entsprechende Betriebsvereinbarungen.
BYOD wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Deshalb muss jede IT-Strategie dieses Modell berücksichtigen – egal, ob es sofort oder erst in Zukunft geplant ist. Wichtig ist dabei ein Konzept, das neben der Wahlfreiheit für den Anwender die Verfügbarkeit und Sicherheit des Zugriffs gewährleistet.
Polster: Meiner Meinung nach wird es IT-Verantwortlichen schwerfallen, die Verwendung von auch privaten Smartphones und dergleichen zu verhindern. Spätestens wenn die Führungsebene danach verlangt, werden Sie Wege finden müssen. Es gibt heute viele, auch sichere Verfahren, dies zu bewerkstelligen. Insbesondere die Verwendung von Virtual Desktops oder zumindest eine „Virtual Application Delivery“ erlauben eine sichere und elegante Lösung.