Florian Müller, Produkt Marketing Manager für Office 365 bei Microsoft Deutschland
René Wienholtz, Vorstand für Technologie und Innovation der Strato AG
Tatsache ist aber, dass eine durchgängige Kontrolle zur Verhinderung von Datenmissbrauch für IT-Chefs nahezu unmöglich ist. Zudem gibt es je nach Region und Land auf der Erde diesbezüglich jeweils eine ganz unterschiedliche Gesetzgebung. Man sollte sich deshalb vor Augen führen, welche Risiken Unternehmen eingehen, die ihre Daten und den Betrieb ihrer Infrastruktur einem externen Anbieter in einem anderen Land anvertrauen. Vor diesem Hintergrund haben wir zwei Experten befragt, wie zum Beispiel der Onlinespeicher in der Cloud Performance, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Backup und Recovery verbessern kann – und zwar ohne unnötige Risiken. Beide betonen, dass gerade die Datensicherheit ein Hauptvorteil der Cloud-Services sein kann.
ITM: Wo sehen Sie die Hauptvorteile von Onlinespeicherung in der Cloud für ein mittelständisches Unternehmen?
Florian Müller: Die Vorteile der Datenspeicherung in der Cloud liegen in erster Linie in der Datensicherheit begründet. Das wird auch in den Gesprächen mit den Anwendern immer wieder deutlich. Wir bieten mit den Cloud-Services eine Sicherung der sensiblen Daten auf einem Niveau und mit Prozessen, die ein mittelständisches Unternehmen meist finanziell, organisatorisch und durch technologisches Know-How nicht erreichen kann und auch nicht will. Das ginge meist nur zulasten von Ressourcen, die ihm dann für seine Kernkompetenzen nicht zur Verfügung stünden.
Vorteile bestehen auch durch die Nutzung von Technologien, die aufgrund der Kostenstruktur bisher vor allem in Konzernen oder Großunternehmen zum Einsatz kommen. Sharepoint aus der Cloud ermöglicht beispielsweise verteiltes Arbeiten in Projektteams innerhalb und außerhalb der eigenen Organisation auf Basis von gemeinsamen und konsistenten Daten. Über die Plattform können auch externe Gruppen wie Partner, Kunden und Dienstleister in die Arbeitsabläufe eingebunden werden, Außendienstmitarbeiter haben von unterwegs aus und über verschiedenste Endgeräte Zugriff auf die für sie relevanten Daten.
René Wienholtz: Wir bieten unseren Cloud-Speicher primär für Selbstständige und kleine Firmen an. Es gibt drei große Vorteile von Cloud-Speicher: Backup, weltweite Verfügbarkeit und Austausch großer Datenmengen.
Am wichtigsten ist das sichere Backup: Bei unserem Cloud-Speicher liegen alle Daten an einem sicheren Ort außerhalb der Firma – in den Tüv-zertifizierten Rechenzentren von Strato. Selbst ein Wasser- oder Brandschaden im Büro führt dann nicht mehr zu Datenverlust. Gerade bei diesem Thema sind viele Firmen nicht gut aufgestellt – und ich kann jedem Verantwortlichen nur raten, seine Daten extern professionell zu sichern. Fast genauso wichtig ist die weltweite und ständige Verfügbarkeit der Daten: Unternehmer und Mitarbeiter können mit einem Cloud-Speicher immer und überall auf Geschäftsdokumente und -daten zugreifen und sie bearbeiten – mit dem Smartphone, Tablet oder Firmenlaptop. So lassen sich auch Wartezeiten, etwa auf Reisen, produktiv nutzen. Viele Unternehmen benötigen auch Funktionen, um große Datenmengen zu verschicken oder anzunehmen. Das können Konstruktionszeichnungen, Pläne oder Fotos sein, also Daten, die zu groß sind, um sie per E-Mail zu verschicken. Dazu können Nutzer bei unserem Cloud-Speicher Dateien gezielt freigeben – außerdem lassen sich mit wenigen Klicks Berechtigungen für einen Datei-Upload einrichten. Es ist also eine gute Alternative zum CD-Versand, die schneller ist und deutlich weniger Geld kostet.
ITM: Was tun Sie, um die nicht unbegründeten Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit zu zerstreuen?
Wienholtz: Wir bieten ein Maximum an Datenschutz und Datensicherheit. Beim Datenschutz bedeutet das, dass wir alle Daten ausschließlich in deutschen Rechenzentren speichern und diese nach dem deutschen Datenschutzgesetz verarbeiten – eines der strengsten im internationalen Vergleich.
Um höchste Datensicherheit zu gewährleisten, verfolgen wir ein dreistufiges Sicherheitskonzept. Die erste Sicherheitsstufe sind die Strato-Rechenzentren: Diese lassen wir seit 2004 freiwillig einmal im Jahr nach der internationalen Norm ISO 27001 vom Tüv prüfen und alle drei Jahre neu zertifizieren. Das Tüv-Siegel bestätigt uns die Sicherheit und Verfügbarkeit unserer Dienste und ist auch in den Rechenzentren von Banken und Versicherungen verbreitet.
Die zweite Sicherheitsstufe bildet die Speicherplattform: Diese haben wir selbst entwickelt und Basistechnologie dafür patentieren lassen. Sie speichert die Daten mehrfach redundant über mehrere Systeme verteilt und ordnet diese nicht einer einzigen physikalischen Festplatte zu.
Zahlreiche Sicherheitsfeatures auf Produktebene runden das Sicherheitskonzept ab: So können sich Kunden entscheiden" auf unseren Onlinespeicher Hidrive ausschließlich über verschlüsselte Verbindungen zuzugreifen und alle unverschlüsselten Zugangsmöglichkeiten abzuschalten.
Müller: Beim Thema „Datenschutz in der Cloud“ haben wir Maßstäbe gesetzt. Bereits im Dezember vergangenen Jahres wurden unsere Online-Services Office 365 nach den EU-Standardvertragsklauseln zertifiziert. Wir haben dabei die „Orientierungshilfe – Cloud Computing” des Arbeitskreises Technik und Medien der Konferenz der Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder als Vorlage genommen und in konkrete Vertragsbestimmungen für Office 365 umgesetzt. Diese Vertragsdokumente reflektieren damit auch die deutschen und europäischen Datenschutzbestimmungen. Seit Anfang Juni stehen die EU-Model-Clauses nun auch für CRM Online zur Verfügung,
ITM: Welche Regelungen sind am Vertragsende vorgesehen, um die Daten wieder in den alleinigen Besitz des Eigentümers zu bringen?
Müller: Diese Frage stellt sich so nicht. Unsere Kunden haben jederzeit die volle Kontrolle über ihre Daten und bleiben Eigentümer ihrer in der Cloud gespeicherten Daten. Die Eigentumsverhältnisse zwischen Kunde und Microsoft sind durch die standardisierte Auftragsdatenverarbeitungserklärung (ADV) klar geregelt und festgeschrieben. Zur Sicherung der Daten bieten wir Offlinereplikationsmechanismen. Bei Sharepoint Online geschieht das durch Sharepoint Workspace (früher Groove), bei Exchange Online durch Outlook.
Kündigt ein Anwender die Services oder beendet er den gesamten Firmenaccount, wird in einer ersten Nutzungsfrist dem Anwender die Möglichkeit gegeben, seine Daten lokal bzw. im Firmennetzwerk zu sichern. Nach dieser Frist hat der Administrator des Accounts noch einmal für eine begrenzte Zeit die Möglichkeit auf die Daten zuzugreifen und diese in die lokale Struktur zu übertragen, zu sichern oder natürlich auch selbst zu löschen. Erst nach Ablauf dieser Frist wird der Zugang endgültig abgeschaltet; nach einer weiteren Sicherheitsfrist werden die Daten endgültig gelöscht.
Wienholtz: Der Kunde speichert seine Daten einfach in sein Firmennetz und löscht sie auf Hidrive. Wenn der Kunde alle Daten und alle Backup-Stände löscht, sind sie wirklich weg und lassen sich nicht wiederherstellen. Tut er das nicht vor seiner Kündigung, kommt ein automatischer Prozess in Gang, der die Daten löscht (§20 des Bundesdatenschutzgesetzes). Dieser Prozess dauert einige Tage. In dieser Zeit ist es uns möglich, die Daten auf Wunsch unserer Kunden wiederherzustellen, danach sind sie unwiederbringlich gelöscht. Ausgemusterte Festplatten werden grundsätzlich vernichtet oder datenschutzkonform protokolliert mehrfach gelöscht.