Wettbewerbsfähig, resilient und nachhaltig - Die Dreifach-Dividende ist möglich
Jeder kennt die Litanei: Veränderungsdruck, Handelskonflikte, geopolitische Spannungen, technologische Umbrüche, ökologische Krisen. Trotzdem scheint es so, als herrsche in Wirtschaft und Politik der rasende Stillstand. Wir diskutieren seit mindestens zehn Jahren auf dieselbe Weise über dieselben Themen. Dringend notwendige Entwicklungen wie Breitbandnetze oder Elektromobilität werden verzögert und schlecht geredet. Digitalisierung oder Künstliche Intelligenz werden nur im Modus der Regulierung und Eingrenzung betrachtet. Investitionen werden als Kostenfaktor gesehen, Innovationen als Bedrohung.
Wie kommen wir aus dem Jammer- und Abwehr-Modus heraus? Die Studie „Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz trotz Krise“ der Bertelsmann-Stiftung deutet darauf hin, dass Deutschland gerade mit hoher Intensität daran arbeitet, die mögliche Dreifach-Dividende aus Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und Nachhaltigkeit anderen zu überlassen.
„Unternehmen, diese drei Leitprinzipien miteinander verbinden, steigern nicht nur ihre ökonomische Leistungsfähigkeit, sondern auch ihre Anpassungs- und Innovationskraft“, so eine der Aussagen der Studie. Die Bertelsmann-Stiftung versteht Wettbewerbsfähigkeit als Fähigkeit, sich an Märkte anzupassen. Resilienz bedeutet, auch bei externen Störungen leistungsfähig zu bleiben. Nachhaltigkeit entkoppelt wirtschaftliche Wertschöpfung von ökologischer und sozialer Schadschöpfung.
Die Studie zeigt, dass die Transformation von Geschäftsmodellen kein optionaler Schritt mehr ist. Sie ist vielmehr der einzige Hebel, um Krisenfestigkeit aufzubauen. Nachhaltigkeit wird dabei nicht als Sahnehäubchen verstanden, sondern als integraler Bestandteil einer umfassenden Strategie. Dieses Zusammenspiel bildet den Ausgangspunkt für ein neues Zielbild der deutschen Wirtschaft.
Im Zentrum der Untersuchung steht das Konzept der Dreifach-Dividende. Sie wird zu einem betriebswirtschaftlichen Orientierungsrahme. Unternehmen sollen ihre Wertschöpfungslogik so verändern, dass ökonomische Leistungsfähigkeit, Krisenfestigkeit und Nachhaltigkeitswirkung gemeinsam wachsen.
Der klassische Business Case reicht nach Einschätzung des Studienautors Prof. Dr. Florian Lüdeke-Freund nicht mehr aus. Er warnt davor, Nachhaltigkeitsbemühungen zurückzufahren. „Ein solcher Schritt wird langfristig teuer. Empirische Daten zeigen, dass rund sechzig Prozent der Unternehmen Nachhaltigkeit bereits als Treiber ihrer Geschäftsmodellveränderungen genutzt haben.“
Lüdeke-Freund weist darauf hin, dass es hier eine Korrelation gibt: Unternehmen mit stärkerer Geschäftsmodelltransformation verankern Nachhaltigkeit tiefer in Strategie und Organisation. Diese Entwicklung stärkt zugleich ihre Widerstandskraft gegenüber Krisen.
Die Untersuchung baut auf einer repräsentativen Befragung von fünfhundert Unternehmen aus Deutschland auf. Bereits eine Vorgängerstudie hatte gezeigt, dass mehr als neunzig Prozent der Unternehmen ihre Wertschöpfung in den vergangenen zehn Jahren verändert haben. Die Mehrheit hat darüber hinaus ihre Geschäftsmodelle und damit ihre Wertschöpfungslogik angepasst. Sechzig Prozent dieser Unternehmen nennen Nachhaltigkeit als bewussten Grund für diese Veränderungen.
Die neue Studie vertieft diese Ergebnisse und analysiert den Reifegrad nachhaltiger Geschäftsmodelle. Dabei zeigt sich ein breites Spektrum an Unternehmen mit geringer und hoher Transformationsreife. Die Ergebnisse der Studie weisen auf erhebliche Transformationsreserven in der deutschen Wirtschaft hin. Unternehmen mit hoher Transformationsreife besitzen demzufolge vier Fähigkeiten:
Die Studie zeichnet ein differenziertes Bild. Viele Unternehmen haben bereits Schritte unternommen. Gleichzeitig bestehen große Potenziale für weitergehende Transformation. Nachhaltigkeit ist keine Bremse, sondern eine strategische Ressource für Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz. Geschäftsmodelle stehen im Zentrum dieser Entwicklung. Ihre Weiterentwicklung entscheidet darüber, ob Unternehmen in einem unsicheren Umfeld bestehen können.
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