DevOps im Mittelstand

Durch Grenzenloswerden grenzenlos werden

Ist der Hype um DevOps gerechtfertigt? Dr. Peer Faßnacht, Abteilungsleiter Customer Services der Cloudogu GmbH, sagt „Ja“ – wenn ein paar Voraussetzungen erfüllt sind.

Dr. Peer Faßnacht, Abteilungsleiter Customer Services der Cloudogu GmbH

Nach Meinung von Dr. Peer Faßnacht sollten mittelständische Unternehmen auf DevOps setzen.

ITM: Herr Dr. Faßnacht, warum sollten mittelständische Unternehmen auf DevOps setzen?
Peer Faßnacht:
Bei Software-Produkten sind eine kurze Time to Market und eine gute User Experience viel wichtiger als bei traditionellen Produkten. Dafür brauchen Unternehmen ein hohes Maß an Flexibilität und Reaktionsfähigkeit, um schnell genug auf Veränderungen am Markt und auf neue Kundenanforderungen reagieren zu können – oder sogar Vorreiter zu sein. Wir nennen das „Transformability“.

Das stellt mittelständische Unternehmen vor eine größere Herausforderung als Konzerne, weil sie in der Regel keine großen Abteilungen für Software-Entwicklung und Marktforschung haben. Mit DevOps können sie diesen Nachteil in eine Stärke verwandeln! Der ganzheitliche DevOps-Ansatz ermöglicht ihnen, mit vergleichbar geringem personellem Aufwand digitale Produkte schnell und effektiv zur Marktreife zu bringen.

ITM: Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen für die Einführung von DevOps erfüllen?
Faßnacht:
Zuallererst muss die Unternehmensführung das Vorhaben unterstützen. Und alle müssen sich darüber bewusst sein, dass es ein langer Weg sein kann, auf den sich das Unternehmen begibt. Bei der Umsetzung ist deshalb wichtig, sich nicht in langwierigen Konzeptionen zu verlieren, sondern mutig iterativ vorzugehen und Themen schrittweise anzugehen. Das gelingt z.B. durch agiles Arbeiten.

Entscheidend ist auch, alle Mitarbeitenden auf diesen Weg mitzunehmen. Denn bei DevOps geht es nicht nur darum, Prozesse zusammen zu legen, sondern vielmehr Menschen und ihre Denkweisen zu verbinden. Ängste und Befürchtungen müssen zu Chancen und Perspektiven werden. Hierfür ist eine offene Kommunikation über die Herausforderungen genauso wie über die Erfolge nötig.

Und: Eine reaktionsfähige und effiziente Organisation lässt sich nur erreichen, wenn Verantwortung verteilt wird. Das bedeutet, dass Entscheidungsbefugnisse an die Teams abgegeben werden müssen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Gibt es Dinge, die speziell mittelständische Unternehmen beachten sollten?
Faßnacht:
Sie sollten sich nicht zu sehr an großen Unternehmen orientieren. Denn ihre Situation ist eine ganz andere: Sie haben meist weniger Personal und Ressourcen, sind aber flexibler und haben es leichter, Strukturen neu aufzubauen. Denn die Mitarbeiter verfügen oft über ein breiteres Know-how und sind gewohnt, in mehrere Aufgabenbereiche einbezogen zu werden. Das kommt ihnen bei der Einführung von DevOps zugute.

Zudem ist für Mittelständler noch wichtiger, das gesamte Unternehmen auf die Veränderungen einzustimmen, weil Leuchtturmprojekte meist viele Berührungspunkte mit anderen Bereichen des Unternehmens haben.

ITM: Ist der Hype um DevOps nun gerechtfertigt?
Faßnacht:
Aus unserer Sicht: Ja! Denn DevOps schafft Verlässlichkeit durch betriebsorientierte Software-Entwicklung sowie Geschwindigkeit und kurze Reaktionszyklen durch Automation. Die DevOps-Denkweise stößt zudem einen Wandel in der Unternehmenskultur an und bietet damit ein viel größeres Potenzial, das unternehmerische Wirken für die nächsten Jahrzehnte abzusichern, als viele operative Maßnahmen der Digitalen Transformation. Das Ziel ist, von einem schon guten in einen noch besseren Zustand zu kommen. Auch DevOps wird alleinstehend nicht das Allheilmittel sein, aber es kann Unternehmen definitiv weiterbringen und besser machen, da DevOps die Grundlage für eine sich weiterentwickelnde Organisation legt.

Bildquelle: Cloudogu

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