Jörg Hesske blickt auf mehr als 20 Jahre Erfahrung in der IT-Branche zurück.
ITM: Herr Hesske, warum haben alte Sicherheitskonzepte wie Abschottung und Blackbox ausgedient?
Hesske: Sicherheit in digitalen Systemen und Geheimhaltung schienen lange Zeit untrennbar miteinander verknüpft. Man dachte, dass wirkliche Sicherheit nur gewährleistet sei, wenn die Technologie dahinter möglichst geheim gehalten werde. Selbst der Kunde sollte nicht über die genauen Sicherheitsmechanismen Bescheid wissen. Stattdessen appellieren die Anbieter an das Vertrauen der Anwender in ihr Rundum-sorglos-Paket, das laufende Aktualisierung und ständig aktuellen Bedrohungsschutz verspricht. Allerdings kann dieser Blackbox-Ansatz leicht zu einer Schwachstelle werden.
ITM: Warum?
Hesske: Gerade in der heutigen Zeit, in der durch den Fachkräftemangel überlastete IT-Teams gegen bestens vernetzte und hoch motivierte Angreifergruppen antreten müssen, richtet solches Denken mehr Schaden an. Ein einziger unentdeckter Angriff auf eine bestimmte Sicherheits-Software-Lösung kann Tausende Kunden gefährden, weil böswillige Akteure Zugang zu enormen Mengen sensibler Daten erhalten. Gelingt es Angreifern, eine einzige Blackbox zu knacken, dann ist das gesamte Ökosystem gefährdet. Um eine Chance in diesem stetig eskalierenden Kampf zu haben, braucht die IT-Security-Welt also eine Community, die genauso gut koordiniert und vernetzt ist wie die Branche der Cyberkriminellen.
ITM: Welchen Beitrag leistet diese Community genau?
Hesske: Die Experten für Informationssicherheit bündeln ihre kollektive Intelligenz und tauschen Code, Erkennungsregeln und Artefakte aus. So arbeiten sie gemeinsam am Schutz von IT-Systemen. Sie handeln gemeinsam, um Sicherheits-Software zu verbessern, die auf den Nutzen der Gemeinschaft als Ganzes abzielt und nicht nur auf den Umsatz eines einzelnen Unternehmens.
ITM: Warum ist Open Security gerade auch für Mittelstandsunternehmen interessant?
Hesske: Gerade mittelständische Unternehmen mit kleineren IT-Abteilungen profitieren von dem vernetzten Know-how und der gemeinsamen Anstrengung der Community. Open Security fördert die Zusammenarbeit, indem Experten aus der IT-Sicherheit sehr eng zusammenarbeiten, um IT-Systeme zu schützen. Wer auf Open Security setzt, tauscht Code, Erkennungsregeln und Artefakte aus, um SicherheitsSoftware zum Vorteil der gesamten Community zu verbessern und nicht nur zum Nutzen der Aktionäre eines großen Software-Unternehmens. So können auch mittelständische Unternehmen, die eventuell unter einem Fachkräftemangel leiden, ihre Netzwerke erfolgreich gegen gut vernetzte Bedrohungsakteure stärken.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITM: Inwiefern kann Open Security dem Fachkräftemangel entgegenwirken?
Hesske: Einer der Hauptvorteile von Open Security besteht darin, dass es eine Gemeinschaft von talentierten Fachleuten aus verschiedenen Teilen der Welt zusammenbringt, die bereit sind, ihr Know-how und ihre Erfahrungen im Umgang mit komplexen Angriffstechniken zu teilen. In der Open Security wird der zugrunde liegende Code veröffentlicht und die Experten in der Gemeinschaft prüfen ihn ständig, schlagen Aktualisierungen vor, entdecken Fehler oder helfen, Sicherheitslücken zu schließen; es ist ein Kreislauf der Verbesserung. Insofern eignet sich Open Security auch als Lernplattform: Junge und wenig erfahrene Talente beobachten, wie etablierte Teilnehmer ihre kollektive Intelligenz bündeln, sich gegenseitig helfen zu verstehen, wie Schwachstellen funktionieren, und Ideen für den Umgang damit einbringen.
Bildquelle: Elastic