Cloud-Umgebungen

„Ein Mangel an Interoperabilität folgt aus fehlenden Standards“

Dr. Thomas King ist Chief Technology Officer (CTO) und Vorstandsmitglied der DE-CIX Group AG und erläutert im Interview, weshalb Interoperabilität im Cloud-Segment so wichtig ist.

  • Dr. Thomas King

    Zu den Kernprojekten von Dr. Thomas King gehört die technologische Weiterentwicklung des Unternehmens zum globalen Cloud-Exchange-Betreiber. ((Bildquelle: DE-CIX))

  • Clouds verbinden

    Datenaustausch zwischen verschiedenen Cloud-Umgebungen ((Bildquelle: Getty Images/ iStock/ Getty Images Plus))

ITM: Herr Dr. King, warum ist Interoperabilität ein so entscheidendes Kriterium im Cloud-Segment?
King: Interoperabilität für Infrastrukturen ist die Basis, damit unterschiedliche Systeme zusammenarbeiten. Das gilt auch für die Nutzung von Clouds und betrifft die Unternehmen, die in ihre Cloud-Strategie die Dienste verschiedener Cloud-Anbieter einbeziehen. Das ist grundsätzlich eine sinnvolle Entscheidung, um die Geschäftsfähigkeit auch bei einem Ausfall der Infrastruktur eines Anbieters zu sichern. Ein Mangel an Interoperabilität führt jedoch zu großen Problemen, wenn Anwendungen aus verschiedenen Cloud-Umgebungen miteinander interagieren sollen. Ein Mangel an Interoperabilität folgt aus fehlenden Standards. In der Praxis bedeutet dies: Für jede einzelne Applikation und für jeden Workload, der auf mehr als eine Cloud zugreift, ist umständlicher Programmieraufwand nötig, damit diese Interaktion funktioniert.

ITM: Wie kann der Weg zur Standardisierung aus Ihrer Sicht am besten gelingen?
King: Standardisierung im Internet ist seit jeher eine Herausforderung. Zunächst mussten Lösungen gefunden werden, damit Netze miteinander für den Datenaustausch kommunizieren. Heute sind es die Clouds unterschiedlicher Betreiber, die interagieren sollen, und aus marktwirtschaftlicher Notwendigkeit entstanden dafür Brückenlösungen. Ein Cloud Routing Service, der auf einer Cloud-Exchange-Plattform integriert ist, ermöglicht den Datenaustausch zwischen verschiedenen Cloud-Umgebungen – so, als ob sich alles in einer einzigen Cloud befände. Verschiedenste Gremien setzen sich aktiv für globale Standards ein. Doch auch der Markt findet selbst Lösungen, wenn die Standardisierungsprozesse nicht oder zu langsam der Nachfrage nach Interoperabilität folgen oder wenn wirtschaftliche Interessen einzelner Betreiber dagegenstehen.

ITM: Welche Vorteile bietet das insbesondere für mittelständische Unternehmen?
King:
Gerade mittelständische Unternehmen haben häufig nur begrenzte Ressourcen an Manpower und Budget. Während Großkonzerne mit eigenen IT-Abteilungen die genannten Brückenlösungen unter großem Aufwand oft selbst programmieren, sind Mittelständler einem Wettbewerbsnachteil ausgesetzt. Dienste wie der erwähnte integrierte Cloud Routing Service auf einer Cloud-Exchange-Plattform gleichen diesen Nachteil aus. Mit einem solchen Service können sie Netzwerkrouten optimiert nutzen und ihre Ressourcen viel effizienter auslasten. All das spart Kosten. Die hohe Skalierbarkeit des Services ermöglicht es Unternehmen, ihre Netzwerkinfrastruktur flexibel an wechselnde Anforderungen anzupassen, sei es während Spitzenzeiten oder während Phasen des Geschäftswachstums. Durch die Minimierung von Latenzen bei der Datenübertragung verbessert der Service die Leistung. Auch in puncto Sicherheit sind mittelständische Unternehmen durch einen integrierten Cloud Routing Service auf der sicheren Seite, denn er sichert den Datenverkehr zwischen verschiedenen Cloud-Umgebungen ab. Diese Sicherheitsfunktionen gewährleisten die Integrität und Vertraulichkeit ihrer Unternehmensdaten. Flexibel zwischen unterschiedlichen Cloud-Providern zu wechseln, ermöglicht zudem eine optimale Nutzung von Diensten und Ressourcen verschiedener Anbieter, was ebenfalls Kosten einspart und einen agilen sowie anpassungsfähigen Cloud-Einsatz ermöglicht.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2024. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Womit rechnen Sie künftig bei der Interoperabilität im Infrastrukturbereich?
King: Das schnelle Wachstum des SD-WAN-zeigt, dass die Nachfrage nach der Interaktion verschiedener SD-WAN-Technologien stark ansteigt. Die Gründe dafür sind vielfältig: SD-WAN ist im Vergleich zu anderen Technologien wie MPLS flexibler und günstiger. Weil es sich um eine Software-basierte Lösung handelt, können Anpassungen innerhalb von Minuten vollzogen werden. Andere Technologien erfordern hingegen deutlich mehr Aufwand und Zeit

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