„Der Einstieg in die additive Fertigung ist immer mit einer steilen Lernkurve verbunden“, betont Szilard Molnar von Prirevo 3D-Solutions.
ITM: Herr Molnar, inwieweit ist der 3D-Druck bereits im Mittelstand angekommen?
Molnar: Die additive Fertigung ist längst im Mittelstand angekommen und gewinnt derzeit in unterschiedlichsten Branchen an Relevanz.
ITM: Für welche Branchen sind 3D-Drucklösungen denn besonders interessant und warum?
Molnar: Zuallererst fasste die additive Fertigung in den Produktentwicklungsabteilungen Fuß, in denen die Technologie für die Erstellung von Prototypen eingesetzt wurde. Federführend waren ursprünglich große Industrien wie der Automobilsektor. Mit zunehmender Entwicklung der Maschinen, Materialien und Prozesse wurde der Unterschied zwischen Prototypen und Fertigteilen immer geringer und der Anwendungsbereich sowie die Materialvielfalt immer breiter. So wurden Prototypen beispielsweise auch zunehmend für Anwendungen außerhalb der Produktentwicklung (z.B. für das Marketing) erzeugt und Werkzeugteile sowie kleine Serien von Produkten direkt gedruckt. Heute finden additive Fertigungsanlagen in vielen produzierenden Unternehmen, aber auch in der Kreativwirtschaft in unterschiedlichen Departments Anwendung. Die Technologie eignet sich hier vor allem für die Erstellung individualisierter oder komplexer Teile und hat viele Bereiche wie den Werkzeugbau, die Fertigung von Leichtbauobjekten für den Aerospace oder Automobilbau sowie die Erstellung von medizinischen Applikationen von der Dentalindustrie, über Implantate bis zu Prothesen revolutioniert.
ITM: Was sind noch häufige Herausforderungen bzw. Stolpersteine im 3D-Druck?
Molnar: Eine wirtschaftliche Anwendung von additiven Fertigungsverfahren erfordert oft das Neudenken von Produkten und das Ausnützen der geometrischen Freiheiten, die diese Technologie ermöglicht. Hierfür werden unterschiedlichste Skills, von 3D-Modellierung, über Materialkunde bis hin zu Prozesserfahrungen, benötigt, die in vielen Unternehmen noch nicht vorhanden sind. Der Einstieg in die additive Fertigung ist daher immer mit einer steilen Lernkurve verbunden, die aber mithilfe eines geeigneten Partners bewältigt werden kann.
ITM: Welche Rolle spielt das Thema „Nachhaltigkeit“ im 3D-Druck?
Molnar: Die additive Fertigung bietet eine Vielzahl von Eigenschaften, die als nachhaltig betrachtet werden. Als digitale Produktionsform ermöglicht sie beispielsweise eine Vorortserzeugung nach dem Build-to-order-Prinzip und kann damit helfen, Produktionswege und unnötige Produktionen auf Lager zu verringern. Desweiteren sind viele Verfahren sehr materialschonend, weil anders als bei zerspanenden Verfahren oft nur das Material verbraucht wird, das direkt in das Produkt eingeht. Die Möglichkeit, komplexe Strukturen zu erzeugen, ermöglicht gleichzeitig auch Leichtbaustrukturen zu drucken, die anders nur schwer hergestellt werden können und damit Treibstoff und Energiekosten (bei der Luftfahrt oder in der Elektromobilität) sparen. Zu guter Letzt findet man auch viele Anwendungsfälle, bei denen mittels additiver Fertigung Ersatzteile gedruckt werden, die am Markt nicht mehr verfügbar sind, und damit die Lebenszeit von Produkten deutlich verlängert wird.
ITM: Welche Trends im Outputmanagement für das Jahr 2023 sind bereits jetzt erkennbar?
Molnar: Wir beobachten eine zunehmende Vernetzung additiver Fertigungssysteme in eine umfassende Wertschöpfungskette. Während 3D-Drucker bisher oft als Stand-alone-Geräte eingesetzt werden, gibt es nun eine Entwicklung in Richtung „Vernetzung“. Das beginnt bei Regalsystemen, in denen eine Vielzahl von 3D-Druckern parallel arbeiten, bis hin zu Software-gesteuerten Systemen, die Pre- und Post-Processing miteinander verbinden.
Bildquelle: Prirevo 3D-Solutions