Homeoffice

„Eine gute Vorbereitung ist der Schlüssel“

„Das Beste, was wir für unsere Mitarbeiter tun können, ist, ihnen sichere Arbeitsumgebungen zu bieten, damit sie der Außenwelt nicht schutzlos ausgeliefert sind“, betont Larkin Ryder, Director Product Security bei Slack, im Interview.

Remote Work

„Der Wandel hin zu Remote und Hybrid Work wird nicht die einzige Veränderung bleiben“, ist sich Larkin Ryder sicher.

ITM: Frau Ryder, inwieweit ist Remote Work im Mittelstand mittlerweile zum Standard geworden?
Larkin Ryder:
Durch die Pandemie mussten viele Unternehmen von einem auf den anderen Tag auf Remote Work umstellen. Die meisten Arbeitnehmer haben sich an diese neu gewonnene Flexibilität gewöhnt und wollen sie nicht mehr aufgeben. Eine Umfrage, die wir kürzlich gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Statista in Deutschland durchgeführt haben, zeigt, dass rund 70 Prozent der Befragten auch in Zukunft hybrid, also im Wechsel zwischen Büro und Homeoffice, oder komplett remote arbeiten möchten – und das ganz unabhängig von der Größe des Unternehmens. In vielen Unternehmen gibt es aber noch eine gewisse Kluft zwischen Wunsch und Realität. So zeigen unsere Ergebnisse, dass viele Angestellte aktuell noch weniger hybrid arbeiten, als sie eigentlich möchten. Unternehmen sollten unabhängig von ihrer Größe dafür sorgen, dass die gesamte Belegschaft die Möglichkeit hat, flexibel zu arbeiten – natürlich insofern ihre Tätigkeit es erlaubt. Schließlich wird Flexibilität in Zukunft ein entscheidender Faktor im Kampf um die besten Talente sein. Deutsche Mittelständler wie Jägermeister und Viessmann haben das frühzeitig erkannt und die richtigen Strukturen geschaffen, um hybrides Arbeiten dauerhaft zu ermöglichen.

ITM: Welche Herausforderungen und gar Gefahren birgt das Arbeiten zwischen Homeoffice und Büro?
Ryder:
Die Pandemie hat gezeigt, dass der massive Wechsel ins Homeoffice auch neue Herausforderungen für die Cybersecurity mit sich bringt. So hat die Zahl der Cyberangriffe im vergangenen Jahr drastisch zugenommen. Einer Erhebung des Sicherheitsspezialisten Trend Micro zufolge lag der Anteil an E-Mail-basierten Attacken 2020 bei 91 Prozent. Häufig kommt dabei eine ebenso einfache wie effektive Methode zum Einsatz, um in Unternehmensnetze einzudringen – das Phishing. Einer der effektivsten Wege, um das Risiko von Cyberattacken zu minimieren, besteht darin, die Abhängigkeit von veralteten Technologien wie der E-Mail zu reduzieren und stattdessen auf Channel-basierte Kollaborationsplattformen zu setzen. Diese Plattformen können auch zwischen verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens oder zwischen mehreren Organisationen, die zusammenarbeiten, genutzt werden – und so stets eine sichere Umgebung bieten. Das Beste, was wir für unsere Mitarbeiter tun können, ist, ihnen sichere Arbeitsumgebungen zu bieten, damit sie der Außenwelt nicht schutzlos ausgeliefert sind.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 07-08/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Inwieweit haben Mittelständler bereits eine Cybersicherheitskultur und sicherheitstechnische Kompetenz im Unternehmen etabliert?
Ryder:
Beim Thema „Cybersicherheitskultur“ herrscht – insbesondere in kleineren Unternehmen – noch deutliches Aufholpotenzial. Unsere Erhebungen zeigen, dass sich nur 36 Prozent der Befragten in Unternehmen mit weniger als 100 Mitarbeitern auf mögliche Cyberattacken gut vorbereitet fühlen. Unternehmen sollten dem präventiv entgegenwirken und eine starke Cybersicherheitskultur innerhalb der Belegschaft etablieren. Regelmäßige Schulungen und Aufklärung können dabei helfen, ein besseres Verständnis für Datensicherheit und den angemessenen Einsatz von Technologie zu fördern. Wichtig ist: Der Mensch ist am Ende das schwächste Glied im Cybersicherheitsgefüge. Wir können versuchen, Fehler zu vermeiden, indem wir Menschen unter Druck setzen. Aber Angst ist nie ein guter Motivator. Eine gute Vorbereitung ist der Schlüssel.

ITM: Wie lässt sich die IT-Sicherheit automatisieren?
Ryder:
Automatisierungstechnologien können eine entscheidende Rolle dabei übernehmen, Cyberbedrohungen und Schwachstellen frühzeitig zu identifizieren und zu beheben. Gleichzeitig erhöhen sie die Produktivität von IT-Teams. Automatisch generierte Reportings, Reminder und Templates entlasten zudem Mitarbeiter und eliminieren somit weitere mögliche Fehlerquellen. In Kollaborationsplattformen lassen sich solche Automatisierungen relativ schnell und einfach über einen Workflow Builder erstellen. Klar ist: Es wird kein Zurück zur alten Arbeitswelt geben. Doch der Wandel hin zu Remote und Hybrid Work wird nicht die einzige Veränderung bleiben. Arbeit wird nicht nur unabhängiger vom Ort, sondern auch von der Zeit, zu der sie stattfindet. Für Unternehmen ist es darum an der Zeit, sich vom klassischen 9-to-5-Modell zu lösen und Mitarbeiter dazu ermutigen, zu den Zeiten zu arbeiten, die für sie am sinnvollsten sind. Gleichzeitig werden Cyberangriffe weiter zunehmen und immer raffinierter werden. Aufgaben wie Identitäts- und Zugriffsmanagement, Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit sowie Automatisierung gehören damit ganz oben auf die Agenda.

Bildquelle: Slack

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