„Die Digitale Transformation ist auch deshalb eine Herausforderung, weil die konkreten Vorteile oft noch schwer greifbar sind“, sagt Sebastian Theisen.
Unter Mittelstand verstehe ich …
… den Garanten der Wirtschaftsleistung in Deutschland. Erstens wegen seines Gewichts: Kleine und mittlere Unternehmen machen den absoluten Großteil aller Unternehmen in Deutschland aus. Sie stellen über die Hälfte aller Arbeitsplätze und erwirtschaften mehr als 50 Prozent der Nettowertschöpfung. Zweitens ist das Mindset von Firmen aus dem Mittelstand von regionaler Verwurzelung und Verantwortung über Generationen hinweg geprägt. Das sorgt für Stabilität und Nachhaltigkeit im Wirtschaften. Genau deshalb hat der Mittelstand eine extrem wichtige Rolle bei der Bewältigung großer gesellschaftlicher Herausforderungen. Unsere klimapolitischen Ziele können wir z.B. nur mit einem starken Mittelstand erreichen. Denn auf der Basis seiner wirtschaftlichen Bedeutung und seiner Werte kann er hier gute Zeichen setzen.
Der Mittelstand hebt sich von Großkonzernen dadurch ab, dass …
… es wesentlich unbürokratischer zugeht. Entscheidungen werden schneller getroffen, da die Befugnisse bei einer einzelnen oder nur wenigen Personen liegen. Außerdem stehen im Mittelstand viel weniger Kapazitäten für hochspezialisierte Tätigkeiten zur Verfügung. Das gilt ganz besonders für die kaufmännischen Unternehmensbereiche wie das Personal- und Rechnungswesen. Für uns als Software-Anbieter im Mittelstand heißt das, dass unsere Lösungen für Fachkräfte mit breitem Know-how und nicht nur für Spezialisten nützlich sein müssen. Sie müssen in kurzer Zeit absolut zuverlässige Ergebnisse liefern, um schnelle und gute Entscheidungen zu unterstützen.
Um als IT-Spezialist im Mittelstand Erfolg zu haben, bedarf es …
… gesunden Pragmatismus und Offenheit für schnelle Veränderungen. Software muss vor allem nützlich und effektiv sein. Das Wirtschaftsumfeld und die Märkte werden zunehmend komplexer und erfordern schnelle Reaktionszeiten. Software-Lösungen müssen diese hohe Komplexität reduzieren und die Anwender dabei unterstützen, schnell zu ihrem Ziel zu kommen. Nur dann sind sie wirklich nützlich. Kurz gesagt: Einfachheit ist das, was jetzt wirklich zählt.
Was die IT anbelangt, ist der Mittelstand …
… noch in der Findungsphase. Die Digitale Transformation ist auch deshalb eine Herausforderung, weil die konkreten Vorteile oft noch schwer greifbar sind. Unternehmen müssen erleben, was mit digitalen Mitteln alles möglich ist. Und dann müssen sie bewusst entscheiden, was ihnen davon wirklich nutzt und was sie getrost weglassen können.
Die durchschnittliche IT-Grundausstattung im Mittelstand besteht aus …
… einem Mischwerk aus sogenannten Insellösungen. Das heißt: Einzelne Abteilungen oder Teams haben über Jahre verschiedene Tools eingeführt. Einige davon werden nicht mehr genutzt. Und dann gibt es solche, die gar nicht den Bedürfnissen der Anwender gerecht werden. Aber viele Unternehmen scheuen den Aufwand, das Flickwerk an Anwendungen neu zu bewerten, zu streichen und zu ersetzen. Deshalb bleibt die IT-Landschaft unübersichtlich und unnötig komplex.
Charakteristisch für IT-Investitionsentscheidungen im Mittelstand ist …
… leider immer noch, dass Anforderungen an die Software nicht klar sind. Die mit der Suche nach einer neuen Lösung beauftragten Mitarbeiter wissen häufig gar nicht, was die Fachabteilung täglich braucht. Was oft fehlt, wenn Interessenten mit uns in Kontakt treten, sind Lasten- oder Pflichtenhefte. Das zieht Ärger und Probleme im ganzen Prozess nach sich. Im ärgsten Fall segnen die Entscheider den Kauf einer Lösung ab, die nicht die Anforderungen der Fachabteilung erfüllt. Wenn das passiert, ist das extrem ärgerlich.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Die typischen IT-Probleme des Mittelstands sind …
… Reibungsverluste und unnötiger Zeitaufwand durch zahlreiche Insellösungen. Für die Datenübertragung von einer Lösung zur anderen werden Schnittstellen gebraucht. Doch oft funktioniert das nicht einwandfrei. Dann kommt es zu Fehlern und der Arbeitsaufwand steigt – alles im Grunde vermeidbar. Zudem erleben wir häufig, dass mittelständische Unternehmen umfangreiche Lösungen kaufen, die nicht auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind und die von den Anwendern nicht verstanden werden.
Als Lösung für diese Probleme favorisiere ich …
… Kernlösungen für die zentralen Anforderungen eines Unternehmensbereichs, die ohne jegliche Reibungsverluste um Spezialanwendungen ergänzt werden können. Mal ein Beispiel aus unserem Markt: Mittelständische Unternehmen brauchen eine performante Software fürs Rechnungswesen, die die Finanz- und Lohnbuchführung rundum zuverlässig abdeckt und grundlegende Auswertungsmöglichkeiten liefert. An dieses System sollten sie andere Vorerfassungssysteme und erweiterte Analyse-Tools so anbinden können, dass Anwender damit trotzdem noch auf derselben Benutzeroberfläche arbeiten. Das heißt: Auch wenn nicht alle Anwendungen aus einer Hand sind, sollte sich das Arbeiten damit wie aus einer Hand anfühlen. Dann greifen außerdem alle auf einen zentralen Datenpool zu und die Schnittstellenproblematik entfällt komplett.
Handlungsbedarf auf IT-Seite im Mittelstand sehe ich …
… darin, dass IT-Verantwortliche sich konsequent die Frage stellen müssen, was das Unternehmen wirklich braucht. Gerade der Mittelstand verfügt meist über begrenzte Kapazitäten im Personal- und Rechnungswesen. Deshalb benötigen Unternehmen schlanke und gleichzeitig starke Lösungen, die sie im Tagesgeschäft unterstützen. Und nicht solche, die alles nur verkomplizieren.
Sebastian Theisen
Alter: 39 Jahre
Familienstand: ledig
Größte Hobbys: Fotografie, Sport, Reisen
Persönliches
Ausbildung: IT-Systemkaufmann, Bachelor of Arts (B.A.)
Beruflicher Werdegang: Sebastian Theisen arbeitete in Agenturen wie Jung von Matt und war im Vertrieb bei Xerox tätig.
Derzeitige Position: CMO bei Agenda
Bildquelle: Agenda Informationssysteme GmbH & Co. KG