Cybersecurity

Eklatante Sicherheitslücken erkennen und schließen

Die SHD-Geschäftsführer Marco Graef und Toralf Lips schätzen im Interview die aktuelle Situation im Bereich Cybersecurity ein. Außerdem erläuterten sie Entwicklungsperspektiven für das Unternehmen.

Die SHD-Geschäftsführer Toralf Lips (l.) und Marco Graef (r.) im Gespräch mit Walter Liedtke

Die SHD-Geschäftsführer Toralf Lips (l.) und Marco Graef (r.) im Gespräch mit Walter Liedtke

Bei der SHD IT-Convention 2025 haben die beiden SHD-Geschäftsführer Marco Graef und Toralf Lips die aktuelle Situation im Bereich Cybersecurity eingeschätzt. Außerdem erläuterten sie Entwicklungsperspektiven für das Unternehmen und seine Beschäftigten.

230 Teilnehmende sind am 13. März 2025 zur SHD IT-Convention aus ganz Deutschland angereist. Damit ist die diesjährige Veranstaltung im Vergleich zur letzten IT-Convention im September 2023 nochmals deutlich gewachsen. Woran liegt das?

Graef: Wir haben mit unseren Themen und der großen Ausstellung mit vielen Weltmarktführenden IT-Security-Herstellern den Nerv getroffen: So suchen zum Beispiel viele Kunden nach den neuesten technischen Lösungen zu den Themen Cybersecurity, Cyberresilienz und NIS-2. Wir hatten bereits im Dezember hohe Anmeldezahlen und mussten befürchten, dass die Location im Norden von Dresden in der Nähe des Flughafens nicht ausreichend groß wäre.

Lips: Die Kunden schätzen es, dass wir an diesem Tag von Mensch zu Mensch zahlreiche Themen konzentriert vorstellen und die SHD-Partner freuen sich, mit uns und den Kunden den persönlichen Dialog zu führen. Die Hersteller erhalten so direkt das Feedback vom Kunden zu Ihren Produkten und Lösungen. Das ist ein wertvoller Input und vor allem, wenn mal etwas nicht so gut läuft. 

Sie treffen auf der IT-Convention 2025 auch ihre Kollegen von Syserso, mit denen Sie ja inzwischen zur ITTC Group gehören. Wird SHD eventuell seinen Namen verlieren und künftig ITTC Group heißen?

Graef: Wir werden Syserso und SHD als Marken bestehen lassen und die ITTC Group als Klammer nutzen. Die Unternehmensgruppe wird jedoch ein Stück präsenter werden. Künftig wollen wir auch noch weitere Unternehmen unter das Dach der ITTC Group bringen. 

Lips: Die inhaltliche Zusammenarbeit mit den Kollegen von Syserso Networks besteht bereits seit zwei Jahren. Wir haben eine Strategie verabschiedet und wollen das Portfolio von SHD und Syserso Networks im Kontext Cybersicherheit verbinden. Für uns ist die ITTC Group eine hervorragende Möglichkeit, um den Kunden gemeinsam noch umfassendere Leistungen anzubieten. <s></s>

Welche Auswirkungen haben die neuen Veränderungen in den USA auf die IT-Welt, zum Beispiel beim Thema Cloud-Speicherung? Gewinnt die „digitale Souveränität“ an Bedeutung?

Graef: Große SAP-Anwendungen werden von Google oder AWS zurückgezogen und in die lokalen Rechenzentren gespeichert. Warum wird das gemacht? Die lokale Speicherung kann man besser steuern. Es ist wie im privaten Umfeld beim Streaming von Filmen: Man kann nicht sicher sein, ob der Anbieter nicht morgen oder übermorgen seine Geschäftsbedingungen ändert und man plötzlich keinen Zugriff mehr auf einen Film hat, für den man doch Geld bezahlt hat, damit man ihn sich beliebig oft ansehen kann. Übertragen auf die Cloud-First-Strategie heißt das: Wir wissen nicht, was uns morgen und übermorgen erwartet.

Lips: Auf der Ebene der Kunden merken wir, dass dieser Run Richtung Hyperscaler, Richtung Microsoft Azure und AWS ein stückweit ausgebremst ist. Die „Cloud First“-Strategie wird nicht komplett zur Seite gelegt, aber es gibt eine Reflexion darüber, ob das wirklich der richtige Weg ist oder ob die Unternehmen bei der Datenspeicherung alternative Wege gehen sollten.

Wenn man Ihrem Gastreferenten Mark Semmler zuhört, schlägt man die Hände über dem Kopf zusammen, wenn er von eklatanten Sicherheitslücken berichtet. Diese Einfallstore für Cyberkriminelle entstehen nicht durch technisches, sondern durch menschliches Versagen. Wie schätzen Sie das ein?

Graef: Alles, was Mark Semmler berichtet hat, kann ich in unterschiedlichen Ausprägungen zu 100 Prozent unterschreiben. IT-Sicherheit in Unternehmen heißt immer: Welche Rahmenbedingungen habe ich und wie gehe ich damit um? Es gibt schon viele Unternehmen, die gut aufgestellt sind. Jeder hat ein Backup und Firewalls und macht sich grundsätzlich Gedanken zur Cyberabwehr. Vor zehn Jahren war Cybersicherheit jedoch ausschließlich das Problem der IT. Das waren die Typen, die irgendwo im Keller sitzen. Die Geschäftsführer wollten damit nicht belästigt werden. Hauptsache, es funktioniert. Das hat sich gedreht: Das Management, die Geschäftsleitung muss sich überlegen: Welche Risiken wollen wir denn gemanagt haben, welches Niveau an Sicherheit wollen wir haben, welche Aufgaben und welches Budget geben wir unserer IT?

Auch die Angreifer bleiben nicht auf dem Niveau von vor fünf Jahren stehen. Nur die Unternehmen, die gut aufgestellt sind, werden den Angriffen der Cyberkriminellen entgehen. Die Piraten schnappen sich immer die Schiffe, die die leichteste Beute sind. Das ist auch bei der Cybersecurity so.

Lips: Es ist gut, dass Mark Semmler die Probleme so plakativ darstellt. Aber die Gemengelage ist komplex: Die Unternehmen können aus Ihren Daten kein „Fort Knox“ machen. Sie müssen ihren Geschäftsbetrieb aufrechterhalten, sie müssen ihre Wachstumsziele erreichen und dafür die Sicherheit und ihre Ressourcen vernünftig einsetzen. Das Plakative sensibilisiert auf jeden Fall, damit sich die Unternehmen fragen: Sind wir richtig aufgestellt oder müssen wir noch etwas verändern, etwa bei den Backup-Konzepten?

Wie steht es denn mit den eigenen Ressourcen von SHD? Fachkräfte finden und binden – das dürfte auch für SHD eine große Herausforderung sein!

Lips: Das Durchschnittsalter aller SHD-Beschäftigten liegt derzeit bei 41 Jahren. Damit sind wir im guten Mittelfeld. Aber wir müssen auch immer darauf achten, dass wir einen guten Mix von jung und alt haben. Beide Seiten sind für uns super wichtig: Die Erfahrung und Expertise der langjährigen Mitarbeitenden, aber auch die neuen Impulse, die durch die Jugend kommen. Wir bilden die jungen Leute selber aus und haben derzeit 20 BA-Studenten im Haus. Wir bewerten in unserer HR-Strategie aber auch: Wie viele junge Kollegen verlassen uns in den ersten fünf Jahren? Das ist eine ganz wichtige Kennzahl. Wenn es zu viele sind, fragen wir uns, woran das liegt und was wir ändern können. Wir können nicht alle jungen Leute halten. Wir wollen aber diesem Trend, dass man das Job-Hopping als junger Mensch als Standard sieht, durch viele Mitarbeiterbindungsaktionen entgegenwirken: Dazu gehört ein Mentoring. Das übernehmen vor allem die langjährigen Mitarbeiter. Sie geben nicht nur unser Wissen, sondern auch unsere Werte an die nächste Generation weiter. Wir investieren in die Aus- und Fortbildung unserer Beschäftigten. Wir vermitteln Wertschätzung und übertragen Verantwortung. Das gelingt in einem Konzern oft nicht so gut wie einem mittelständischen Unternehmen wie SHD: Wir haben kurze Wege, wir sind alle nahbar. Und diese sinnstiftende Art, die kommt nicht nur bei der Jugend an.

Das Gespräch führte Walter Liedtke

Bild: © SHD/Dirk Sukow

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