„Es gibt eine Reihe existierender IT-Systeme, die noch aus gutem Grund auf physischer Hardware betrieben werden, etwa weil sie die Virtualisierung noch nicht unterstützen“, so Werner Knoblich, Vice President und General Manager EMEA bei Red Haterzeugt Red Hat.
ITM: Herr Knoblich, warum sollten sich mittelständische Unternehmen gerade jetzt mit dem Thema Virtualisierung befassen?
Werner Knoblich: Virtualisierung bietet mittelständischen Unternehmen eine drastische Erhöhung der Serverauslastung. Eine typischerweise niedrige Auslastung von um 25 Prozent lässt sich somit deutlich steigern. Dies spart im Endeffekt Hardware und die zugehörigen Aufwände wie Stellfläche und Klimatisierung. Die eingesparten Kosten können dann etwa in neue Projekte investiert werden.
Als weiterer Schritt in Richtung einer flexibleren Bereitstellung der IT dient ein Self-Service-Portal. Es stellt virtuelle Maschinen unabhängig von der Hardware schnell bereit. Für mittelständische Unternehmen, die bereits virtualisiert haben, lohnt sich auf jeden Fall ein Blick auf eine Dual-Vendor-Strategie mit einer Lösung, die weitgehend im Betriebssystem integriert ist, um Kosten bei der Lizensierung und im Betrieb zu sparen.
ITM: Wie sollten Mittelständler beim Einstieg in die Virtualisierung am besten vorgehen?
Knoblich: Natürlich haben Mittelständler oft besondere Anforderungen – vor allem der Preis für eine geeignete Lösung ist sehr häufig ein Thema. So ist es bei der Auswahl einer geeigneten Plattform wichtig, einen hohen Out Of The Box-Anteil in der Lösung zu haben. Vorkonfigurierte Bausteine, die sich ohne großen Aufwand installieren lassen, vereinfachen die Entscheidung. Gerade beim Start in die Virtualisierung werden oft noch nicht alle Aspekte eines doch recht anspruchsvollen Projekts vollumfänglich betrachtet – Sicherheit ist hier ein wichtiges Thema.
Wichtig für Mittelständler sind außerdem schnelle Ausrollzeiten für neue Systeme – speziell wenn neue Märkte angegangen werden sollen. Hier hilft bei Open-Source-Systemen das breite Ökosystem von Partnern, die aufgrund umfangreicher Projekterfahrungen über eine Vielzahl nützlicher Virtualisierungskomponenten verfügen.
ITM: Welches sind die wichtigsten technischen und organisatorischen Aspekte bei der Implementierung einer Virtualisierungslösung?
Knoblich: Technisch gesehen sind Virtualisierungslösungen heute Standardlösungen. Deshalb sollten Entscheider auf vollen Funktionsumfang und ein besonders sicheres Setup in der Standardversion Wert legen. In beiden Bereichen sind Open-Source-Lösungen auf Basis von Kernel-based Virtual Machine (KVM) führend, etwa Red Hat Enterprise Virtualization. Die unterschiedlichsten Gast-betriebssysteme können sicher auf wenige Hypervisor konsolidiert werden – und sind dennoch verlässlich voneinander isoliert. Die Knackpunkte liegen in der Planung sowie im Sizing einer Lösung und der Durchführung der Migration – hier hilft der Zugriff auf einen mit Virtualisierung erfahrenen Implementierungspartner.
ITM: Was sollten Mittelständler hier bezüglich Datensicherheit beachten?
Knoblich: Wichtig ist ein ganzheitlicher Ansatz – Virtualisierung ist oft ja nur der Anfang. Speziell ist dort aber die Absicherung des sogenannten Hypervisor wichtig, also des Abstraktions-Layer der Hardware. In diesem Hypervisor werden viele unabdingbare sicherheitskritische Funktionen abgebildet.
ITM: Inwieweit hilft eine virtualisierte IT-Infrastruktur, wenn Unternehmen Teile ihrer IT in die Cloud verlagern wollen?
Knoblich: In Zukunft wird sich die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen auch daran messen, wie flexibel IT-Dienstleistungen auf verschiedene Runtime-Plattformen zugeordnet werden können, seien es physische, virtuelle, Private-, Public- oder Hybrid-Cloud-Systeme. Dies kann beispielsweise auf Basis von Kosten oder Service-Level-Agreements passieren.
ITM: Ist es sinnvoll, dass Anwender ihre gesamte IT-Landschaft virtualisieren?
Knoblich: Es gibt eine Reihe existierender IT-Systeme, die noch aus gutem Grund auf physischer Hardware betrieben werden, etwa weil sie die Virtualisierung noch nicht unterstützen. Deshalb sollten Mittelständler überprüfen, ob die Strategie und die verschiedenen Lösungen eines Partners sowohl physische Deployments als auch virtuelle und Cloud-Umgebungen unterstützen.
ITM: Wie sieht es aus der Sicht von Systemhäusern und Systemintegratoren aus? Warum sollten diese sich verstärkt den Möglichkeiten der Virtualisierung und von Cloud Computing widmen und Mittelständler entsprechend beraten?
Knoblich: Immer mehr Applikationen werden heute als sogenanntes Software as a Service (SaaS) angeboten – häufig geschieht dies mit anderen Lizenzbedingungen verglichen zum traditionellen Softwaregeschäft. Hier finden oft langfristige Entscheidungen für einen Softwarestack statt. Für Systemhäuser und Systemintegratoren können Open-Source-Software-Angebote eine gute und leistungsfähige Basis sein, um einen alternativen Stack zu Microsoft bereitzustellen.
Der Softwarestack ist aber nicht nur ein Virtualisierungslayer oder eine Option für Cloud-Management, sondern ein volles Softwareportfolio, das es einem Partner ermöglicht, in der physischen Welt genauso tätig zu werden wie in der virtuellen Welt und in der Public Cloud – und dies möglichst ohne Einschränkungen.