„Flash hat viele Vorteile, jedoch wäre der ausschließliche unternehmensweite Einsatz heute noch unwirtschaftlich“, meint Uwe Wiest, Director Storage Solutions bei Dell.
ITM: Herr Wiest, mit welchen Herausforderungen warten Mittelständler am häufigsten auf, wenn sie neue Speicherkonzepte fürs Unternehmen in Betracht ziehen?
Uwe Wiest: Die Anforderungen der KMUs unterscheiden sich nicht mehr wesentlich von denen größerer Unternehmen. Flash-Storage bringt im Rechenzentrum immense Vorteile: geringerer Platzbedarf, weniger Energie, mehr Input/Output Operations per Second, kurz IOPS – und genau das will auch der Mittelstand erreichen.
ITM: Wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der Mittelständler an Flash-Storage?
Wiest: Wir sehen eine wachsende Nachfrage nach Flash-Storage. Dell hat im vergangenen Jahr weltweit die meisten Terabyte an Flash-Storage ausgeliefert. Insbesondere die Kombination von Flash-Technologie mit herkömmlichen Festplatten und einem intelligenten Tiering-Konzept stößt auf hohe Akzeptanz. Darüber hinaus ist auch der Einsatz von Flash-Komponenten in Software-Defined-Storage-Lösungen enorm gewachsen. Gerade der Mittelstand zeigt sich hier sehr experimentierfreudig.
ITM: Welche Vorteile bringen Flash-Speicher gegenüber herkömmlichen Festplatten mit sich?
Wiest: In drei Punkten zusammengefasst lauten die Vorteile: weniger Platz, weniger Energie und mehr IOPS.
ITM: In welchen Punkten hinken die Flash-Speicher eher hinterher beziehungsweise zeigen Schwächen?
Wiest: Der Preis spielt nach wie vor eine wichtige Rolle. Das wird sich aber mit der steigenden Nachfrage bald ändern, und Flash-Storage wird kostengünstiger. Mit der Initiative „Flash zum Preis von Disk“ hat Dell bereits ein Zeichen gesetzt. Ein weiterer Einwand lautet, dass Flash-Speicher im Vergleich zu Festplatten eine kürzere Lebensdauer hat. Hier ist allerdings zwischen MLC- und SLC-SSDs zu unterscheiden. MLC-Modelle für den Consumer-Markt können rund 10.000 Mal beschrieben werden. Das entspricht etwa einem Zehntel der Wiederbeschreibbarkeit von SLC-SSDs. Für schreibintensive Applikationen in den Unternehmen sind sie daher nicht geeignet. SLC-SSDs hingegen gelten heute als ebenso zuverlässig und langlebig wie Festplatten.
ITM: Wie gestaltet sich konkret die Energieeffizienz beim Einsatz von Flash-Storage?
Wiest: Flash-Speicher sind besonders energieeffizient und sogar stromunabhängig, wenn es um das Beibehalten des Inhaltes geht. Hersteller versprechen hier rund zehn Jahre.
ITM: Inwiefern sind die Flash-Speicher an sich zu differenzieren?
Wiest: Im Gegensatz zu MLC-SSDs wurden SLC-SSDs für Applikationen entwickelt, die eine hohe IOPS-Performance benötigen und gleichzeitig zuverlässig und effizient arbeiten müssen. SLC-SSDs werden manchmal auch als Enterprise Flash-Drives, kurz EFDs, bezeichnet, um bereits mit der Namensgebung den Einsatzzweck zu verdeutlichen.
ITM: In welchen Fällen lohnt sich der Einsatz von Flash-Storage in den Servern/Rechenzentren bei mittelständischen Unternehmen?
Wiest: Wichtig ist die Art der Daten, die auf Flash-Storage gespeichert werden. Applikationen mit hohen IOPS-Anforderungen und solche mit vielen kleinen, intensiven IOPS sind ideale Kandidaten für Flash-Storage.
ITM: Welche Daten sollten auf einem Flash-Storage gespeichert werden, welche nicht?
Wiest: Flash-Storage ist hervorragend für Daten geeignet, die sehr schnell und sehr häufig benötigt werden. Eine SSD bietet deutlich schnellere Zugriffszeiten als HDDs. Werden Daten weniger schnell benötigt, sind HDDs die passenden Medien. Für die langfristige Archivierung kommen Tapes zum Einsatz. Intelligente Storage-Lösungen mit automatischem Tiering sorgen für eine optimale Platzierung der Daten.
ITM: Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl von Storage-Anbietern und entsprechenden Flash-Speichern achten?
Wiest: Zunächst einmal sollten sich Unternehmen nicht von abstrakten IOPS-Zahlen und Benchmarks täuschen lassen, die in einer Laborumgebung gemessen wurden. Wichtig ist vielmehr, dass die Anforderungen für ein bestimmtes Anwendungsszenario realitätsnah ermittelt werden. Dell stellt Unternehmen daher das kostenlose Tool DPack zur Verfügung. Es ermittelt den konkreten Bedarf einer Umgebung; anhand dieser Daten wird dann die passende Lösung entworfen.
ITM: Mit welchen Kosten ist die Anschaffung verbunden?
Wiest: Die Kosten sind abhängig von den konkreten Anwendungsszenarien. Wer eine reine Flash-Lösung in Erwägung zieht, muss mit hohen Anfangsinvestitionen rechnen. In vielen Fällen ist ein hybrider Ansatz, bestehend aus Flash-Speicher und herkömmlichen HDDs, sinnvoller und wesentlich kosteneffizienter.
ITM: Wie gestaltet sich die Integration der Flash-Speicher in die IT-Landschaft eines Unternehmens? Mit welchen Herausforderungen ist zu rechnen? Was sind häufige Stolpersteine?
Wiest: Entscheidend ist, SSDs gezielt dort einzusetzen, wo sie Anwendungen spürbar beschleunigen, also wo Daten sehr häufig gelesen und geschrieben werden.
ITM: Ist es für Mittelständler sinnvoll, ausschließlich auf Flash-Storage zu setzen? Oder wäre das problematisch?
Wiest: Flash hat viele Vorteile, jedoch wäre der ausschließliche unternehmensweite Einsatz heute noch unwirtschaftlich. Vereinfacht ausgedrückt: Die richtige Mischung von Flash- und traditionellen Festplattensystemen bringt im Hinblick auf Kosten und Performance die besten Ergebnisse.
ITM: Welche Zukunft sagen Sie der Flash-Technologie voraus?
Wiest: SSDs für den Unternehmenseinsatz werden über mehr Speicher verfügen, noch mehr IOPS bieten, langlebiger und durch die höhere Nachfrage noch günstiger werden.