Rainer Schmidt, Geschäftsführer der QSC Quality Software & Consulting GmbH
Muss Qualitätsmanagement mit umfangreichen Software-Tools betrieben werden. Es geht doch letztlich nur um Fehlerbehebung?
Hier geht es um deutlich mehr, das lässt sich an einem Beispiel erläutern: Ein Mitarbeiter in einem kleinen Fertigungsunternehmen stellt bei der Montage fest, dass eine von einem Lieferanten stammende Komponente nicht den Spezifikationen entspricht. Die fehlerhafte Komponente wird erkannt, aus der Produktion entnommen und reklamiert. Man sorgt für schnellstmöglichen Nachschub, die Kosten trägt der Verursacher. Außerdem kann man davon ausgehen, dass der Mitarbeiter den Vorfall im Kopf behält und dieser in die Bewertung des Lieferanten einfließt.
Ein Vorgang, wie er in der Realität allerdings nur bei einem sehr kleinen Unternehmen mit einfach strukturierter Herstellung vorstellbar ist. Handelt es sich dagegen um größere Unternehmen mit komplexer Fertigung, vielen technisch anspruchsvollen Teilen, zahlreichen Lieferanten und unter Umständen mit mehreren Standorten, kann diese Vernetzung nicht mehr "im Kopf" bewältigt werden, die Unternehmens-IT muss sie virtuell abbilden.
Schließlich ist das prozesssichere Erkennen von Fehlern nur ein Teil des Qualitätsmanagements. Die eigentliche Zielstellung heißt, daraus zu lernen, den Fehler zukünftig zu vermeiden und den Lieferant dahin entwickeln, dass er die an ihn gestellten Anforderungen langfristig und zuverlässig erfüllen kann. Das nutzt dann allen Beteiligten.
Wie muss die Unternehmens-IT dabei vorgehen? Es gibt ja für die Herstellung bereits Anwendungen wie zum Beispiel ERP-Systeme.
Aus diesem Grund integrieren ERP-Anbieter Software für Qualitätsmanagement in ihre Systeme. Dabei ist der Begriff "Integration" wesentlich tiefer zu verstehen als die bloße Verknüpfung über Schnittstellen.
Die Qualitätsmanagement-Software hat ständig online Zugriff auf die Stammdaten der ERP-Datenbank, kann diese auslesen, verarbeiten und verwalten - kurz: sie verhält sich wie eigene Module des ERP-Systems. Dies hat gegenüber den Schnittstellen, die heute auf dem Markt zu finden sind und die lediglich von Zeit zu Zeit bestimmte Daten - beispielsweise Teile- und Lieferantenstamm - an eine "angedockte" QM-Lösung übertragen, zahlreiche Vorteile.
Die Daten müssen nicht hin und her geschoben und redundant gehalten werden, es stehen immer aktuelle Daten zur Verfügung, und man kann jederzeit auf alle relevanten Daten zugreifen, ohne sie manuell erfassen zu müssen.
Welche Prozesse löst eine Meldung aus dem Qualitätsmanagement aus?
Stellt das Qualitätsmanagement eines Unternehmens, das fertige Teile in mehreren Stufen zu einem Endprodukt montiert, bei einem solchen Schritt fest, dass eine Komponente Mängel hat, kann dies dem ERP-System online mitgeteilt werden. So kann es gewissermaßen "in Echtzeit" reagieren: Es sperrt die Teile, entzieht sie der Produktion, macht die Position automatisch wieder auf, legt einen entsprechenden neuen Auftrag für das Bauteil an und stößt automatisch die Beschaffung und Kapazitätsplanung an.
Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil die Unternehmen aufgrund des Kostendrucks verstärkt mit knappen Ressourcen operieren. ERP-Systeme ermöglichen es dabei, zielgenau zu planen und die nötigen Ressourcen zu optimieren. Das heißt aber auch, dass sie zeitnah über Beanstandungen aus dem Qualitätsmanagement informiert sein müssen.
Wie geht es danach weiter?
Beim Reklamieren der mangelhaften Komponente lässt sich ein Prozess realisieren, der mit einer "Reverse Supply Chain" vergleichbar ist, mit deren Hilfe Hersteller von Elektro- und Elektronikgeräten die Rücknahme und Wiederverwertung ihrer Altgeräte abwickeln.
Aus Sicht des Qualitätsmanagements können mangelhafte Komponenten ähnlich wie bei einer solchen Reverse Supply Chain zurückgeliefert und die Kosten verursachergerecht zugeordnet werden. Das integrierte QM/ERP-System stellt alle dafür nötigen Daten zur Verfügung: Lieferanten, Teile, Kontrakte, Mengen, Liefersequenzen und Preise bis hin zu Währungstabellen und Kontierungen.
Wird der Lieferant dabei auch intern anhand der Qualitätsmängel bewertet?
Üblicherweise fließen in die Lieferantenbewertung nur diejenigen Informationen ein, die der Wareneingang aufnimmt. Alle später festgestellten Mängel müssen manuell nachgetragen werden. Der integrierte Reklamationsprozess erfasst dagegen diese Mängel automatisch in der Lieferantenbewertung. Ergebnis: Der Anwender erhält auf Knopfdruck eine Bewertung, die all diese Informationen enthält.
Dabei wird auch die Dynamisierung der Wareneingangsprüfungen unterstützt. Das heißt: Viele Unternehmen versuchen heute, die Prüfungen am Wareneingang zu reduzieren und nur noch diejenigen Komponenten zu prüfen, bei denen in der Produktion wiederholt Mängel festgestellt werden. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das System diese Mängel verarbeiten sprich registrieren und auswerten kann. Ansonsten ist beim nächsten Wareneingang nicht bekannt, dass hier ein Reklamationsprozess im Gange ist.
Systeme wie Wareneingang und ERP sollten also aufeinander abgestimmt werden.
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Wenn die ERP-Systeme als Treiber die Logistik in den Unternehmen immer schneller und immer besser steuern, sollte die Qualitätssicherung nicht hinterher hinken. Integrierte Systeme gewährleisten sichere Prozesse ohne manuelle Datenerfassung und redundante Datenhaltung und sorgen so dafür, dass Logistik und Qualitätsmanagement im Gleichschritt marschieren.
Bildquelle: QSC Quality Software & Consulting GmbH