Mit starkem ERP-System auf Wachstumskurs

Espresso mit Hightech

Das Schweizer Familienunternehmen Thermoplan in Weggis produziert Kaffeevollautomaten für Gastronomie und Gewerbe. Dabei orientiert es sich laut eigener Aussage in allen Bereichen an den drei Werten Flexibilität, Begeisterung und Einfachheit. Das zeigt sich auch, wenn man mit CDO Philipp Achermann (li.) und Projektmanager Uwe Zimmermann über das ERP-System und dessen Rolle in der Digitalstrategie spricht.

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    Chief Digital Officer Philipp Ackermann (li.) und Projektmanager Uwe Zimmermann treiben die Transformationsprojekte bei Thermoplan voran.

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    „Es gibt viel Potenzial für eine Konsolidierung. Doch diese umzusetzen, wird sicherlich eine große Herausforderung sein“, meint Philipp Achermann.

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    „In unseren Kaffeemaschinen steckt extrem viel Intelligenz und Software“, betont Philipp Achermann.

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    „Die Devise lautet: die richtigen Daten in der richtigen Qualität am richtigen Ort zur richtigen Zeit“, sagt Uwe Zimmermann.

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    Gefertigt wird auf Kundenbestellung. Deshalb ist die Verfügbarkeit der produktionskritischen Systeme extrem relevant.

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    Philipp Achermann: „Wir brauchen ein leistungsstarkes ERP – ein schlagkräftiges Lead-System als Herzstück für die Vernetzung.“

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    Von der Schweiz in die ganze Welt produziert Thermoplast hochwertige Kaffeevollautomaten für den Einsatz im professionellen Bereich.

Sich flexibel an das schnelle Wachstum des Unternehmens anzupassen, war einer der Gründe, warum die Wahl bei Thermoplan auf APplus fiel. Und Künstliche Intelligenz sorgt dafür, dass sich die Software einfach von allen Anwendern nutzen lässt. Begeisterung kommt schließlich auf, wenn die beiden von fahrerlosen Transportsystemen in der Intralogistik und Kaffeemaschinen im Internet der Dinge berichten.

ITM: Herr Achermann, Sie leiten als Chief Digital Officer (CDO) bei Thermoplan den Bereich „Digital Business“. Was kann man sich darunter vorstellen?
Philipp Achermann: Wir haben diesen Bereich vor zweieinhalb Jahren gegründet. Zu Digital Business zählt nicht nur die klassische IT mit den entsprechenden Infrastrukturthemen. Wir leiten von dort aus auch Transformationsprojekte. Das heißt, alle interdisziplinären Projekte, die dann in technischen Lösungen münden, werden bei uns gemanagt. Hinzu kommt dann noch das Thema „Internet of Things (IoT)“.

ITM: Welche Rolle spielt denn IT grundsätzlich in Ihrem Unternehmen?
Achermann: Schlussendlich ist IT immer der Enabler, damit die Mitarbeiter ihre Arbeit bestmöglich machen können. Dafür brauchen sie die richtigen Instrumente und Applikationen. Das ist extrem wichtig. Und durch die Digitale Transformation hat die IT ja noch weiter an Gewicht gewonnen.

ITM: Wie viel investiert Ihr Unternehmen in IT?
Achermann: Als Familienunternehmen nennen wir keine konkreten Budgetzahlen. Aber soviel kann ich sagen: Mittlerweile bewegen wir uns schon im siebenstelligen Bereich.

ITM: Sie hatten das Internet of Things angesprochen. Womit beschäftigt sich Thermoplan dabei konkret?
Achermann: Unsere Kaffeevollautomaten sind mit dem Internet verbunden. Dafür haben wir einen IoT-Hub entwickelt – ThermoplanConnect. Ursprünglich sind wir ein klassischer Hersteller von physischen Produkten, von Kaffeemaschinen und Ersatzteilen, die wir in die ganze Welt liefern. Aber wir bewegen uns jetzt in Richtung eines Technologiekonzerns. In unseren Kaffeemaschinen steckt extrem viel Intelligenz und Software. Die Geräte sind mittlerweile mit einem Computer vergleichbar. 

ITM: Was heißt das konkret? Wie kann man sich IoT im Zusammenhang mit Kaffeemaschinen vorstellen?
Achermann: Ich kann Ihnen ein praktisches Beispiel geben: Ein Distributor kauft von uns Kaffeemaschinen für seinen Kunden. Das kann z.B. ein Unternehmen wie McDonalds sein mit 1.500 Standorten. Und wenn diese Kaffeemaschinen alle mit dem Internet verbunden sind, dann lassen sich diese aus der Ferne überwachen. Die Geräte übermitteln so genannte Event-Daten – also beispielsweise Warnungen, Fehlerbilder oder Error Messages. Unsere Servicetechniker können dann eingreifen, wenn es ein Problem gibt, ohne selbst nach London oder Newcastle fahren zu müssen. Zudem lässt sich die Software auf den Kaffeeautomaten mit einem Mausklick auf 500 oder eine beliebige Anzahl an Maschinen updaten. Diese Dienstleistungen sind mittlerweile ein integraler Bestandteil unseres Produkts. Daneben können wir aber auch erkennen, welche Produkte und Kaffeespezialitäten sich am besten verkaufen. Und das Marketing kann den Zugang auch nutzen – um z.B. Weihnachtskreationen auf die Maschine hochzuladen und diese dann über den Bildschirm zu promoten. 

ITM: Wie macht sich der digitale Wandel im Unternehmen selbst bemerkbar?
Achermann: Wir bauen gerade ein neues Werk und dieses Bauprojekt läuft komplett digital über eine BIM-Plattform – also Building Information Modeling. Alle Handwerker, Planer und auch Architekten sind in diese Strategie integriert. So haben wir im Prinzip einen vollständigen digitalen Zwilling des neuen Gebäudes aufgebaut. Ein weiteres wichtiges Projekt findet sich in der Intralogistik. Dort ist ein vollautomatisiertes Shuttle-Lager im Einsatz. Fahrerlose Transportsysteme (FTS) bringen die Waren autonom von A nach B. Früher haben das Mitarbeiter mit Handwagen erledigt. Die Digitalisierung geht aber auch über das Unternehmen hinaus – zu den Lieferanten. Dabei versuchen wir, diese direkt an unser ERP-System anzubinden. Das gleiche gilt auch für die Kunden. 

Uwe Zimmermann: Es geht vor allem darum, sämtliche Prozesse so schlank und effizient wie möglich zu machen. Wir haben etwa 360 Lieferanten, doch ungefähr 30 davon machen 80 Prozent des Volumens aus. Und da lohnt es sich schon, gewisse Prozesse zu digitalisieren und den Austausch von Daten z.B. via EDI über das ERP zu ermöglichen.

ITM: Welche Bedeutung hat das ERP-System für Ihr Unternehmen?
Achermann: Es ist immer unser Anspruch, dass wir unsere Kunden mit zuverlässigen Produkten und Dienstleistungen begeistern können. Dabei helfen uns die IT und die Digitale Transformation. Und dafür brauchen wir ein leistungsstarkes ERP – ein schlagkräftiges Lead-System als Herzstück für die Vernetzung.

Zimmermann: Das ERP spielt grundsätzlich eine sehr wichtige Rolle. Die gesamten Bestellprozesse, der ganze Material- und Wertefluss laufen über dieses System. Wenn es nicht verfügbar ist, können viele Leute im Unternehmen nicht arbeiten. Wir haben u.a. durch die Pandemie gemerkt, wie wichtig es ist, solche Systeme zur Verfügung zu stellen – auch im Homeoffice

ITM: Seit wann und vor welchem Hintergrund setzen Sie APplus von Asseco als ERP-System ein?
Zimmermann: Wir haben APplus 2008 eingeführt. Unser Geschäftsführer hat damals gesagt: „Wir brauchen ein Lead-System, das mit uns wächst.“ Denn das System, das wir vorher im Einsatz hatten, war irgendwann nicht mehr in der Lage, die gesamten Prozesse abzubilden. Dieses sehr starke und schnelle Wachstum von Thermoplan war eine große Herausforderung in den vergangenen Jahren. Und APplus ist ein Tool, das aufgrund seines Aufbaus gute Möglichkeiten zur Skalierung bietet. Zudem lässt es sich webbasiert einsetzen, was auch ein Grund für die Entscheidung war. 

Achermann: Ein weiteres wichtiges Argument, das für jenes System sprach, war sicher die einfache Bedienbarkeit, die Benutzerfreundlichkeit. Diesbezüglich ist die Lösung ganz vorne mit dabei im Markt.

Zimmermann: Das kann ich bestätigen. Ich arbeite ja jetzt schon länger mit dem System und das User Interface ist wirklich sehr benutzerfreundlich. Auch die Datenbankarchitektur ist selbsterklärend. Das vereinfacht vieles – gerade in der Datenanalyse oder im SQL-Betrieb. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) hat die Bedienbarkeit auch noch einmal verbessert. Nutzer können Aufgaben oder bestimmte Ansichten selbst zusammenstellen. 

ITM: Künstliche Intelligenz ist ein gutes Stichwort. Thermoplan nutzt Dashboards auf Basis von KI als Zusatzmodul für APplus. Was genau bringen diese?
Zimmermann: Wir haben vorher schon mit den Quick Views gearbeitet, die das System anbietet. Damit lassen sich schon eigene Reports erstellen. Die IT hat bestimmte wiederkehrende Abfragen hinterlegt, die der User dann selbst nutzen konnte. Mit KI ist nun die Möglichkeit hinzugekommen, dass der Nutzer bestimmte Abfragen selbst machen kann. Dafür stellt APplus einen großen Pool an Dashboards zur Verfügung. Ich glaube, mittlerweile sind das 800. Die werden ständig aktualisiert – aufgrund des Feedbacks der Firmen, die damit arbeiten. So wächst dieser Pool von Möglichkeiten ständig weiter. 

ITM: Das heißt, die Nutzer benötigen dafür keine Programmierkenntnisse?
Zimmermann: So ist es. Es gibt z.B. tabellarische Ansichten, Balkendiagramme oder Umsatzübersichten, die sich der Nutzer sehr einfach zusammenklicken kann, ohne dass er dafür die IT benötigt. Das macht diese KI-Funktion sowohl für uns als IT-Abteilung als auch für die User sehr attraktiv. Und wenn dem Anwender – also unserem internen Kunden – doch etwas fehlt, dann kann er dies der IT melden. Wir können das schnell und einfach umsetzen und beispielsweise eine Spalte hinzufügen. Denn dahinter steckt nichts anderes als eine einfache SQL-Datenbankabfrage. Diese Anpassung können wir dann auch an Asseco zurückspielen. Und so wird sie vielleicht irgendwann in den Standard aufgenommen. 

ITM: Können Sie Beispiele für solche Dashboards nennen?
Zimmermann: Ich kann ein Beispiel aus der Export-Abteilung nennen: Wenn dort Aufträge verpackt und versandbereit sind, dann können diese dem Spediteur oder dem Transportunternehmen angemeldet werden. Oder im Garantieprozess: In diesem Bereich haben wir Dashboards eingeführt, um bestimmte Ansichten zu zeigen. Zum Beispiel: Welche Garantieanträge von Kunden sind reingekommen? Diese werden dann noch abgestuft: Was unter 5.000 Schweizer Franken ist, bearbeitet die eine Abteilung. Und was über 5.000 Franken ist, übernimmt eine andere Abteilung. Das konnten wir mithilfe von Berechtigungen zuordnen. Man ist völlig frei. Man kann aus einem Projekt heraus selbst Ansichten erstellen oder die Standard-Dashboards nutzen, die über die KI-Funktion vorgeschlagen werden. 

ITM: Die KI erkennt, welche Dashboards der Anwender benötigen könnte?
Zimmermann: Der Nutzer kann einen Knopf drücken und dann analysiert das System sein Verhalten – also was er in den vergangenen Tagen oder Wochen angeklickt hat. Anhand dieser Analyse schlägt die KI dann Dashboards vor. Das heißt, wenn ich z.B. häufiger Bestellungen oder Wareneingänge aufgerufen habe, dann zeigt mir das System Dashboards mit offenen oder freigegebenen Bestellungen oder es schlägt mir ein Dashboard mit den offenen Wareneingängen vor. Den Vorschlag kann ich als Nutzer dann akzeptieren oder ich klicke ihn weg, weil ich diese bestimmte Auswertung gerade nicht benötige. 

ITM: Das bedeutet, dass die Fachanwender schneller bestimmte Dinge umsetzen können und die IT entlastet wird?
Zimmermann: Absolut. Die Devise lautet: die richtigen Daten in der richtigen Qualität am richtigen Ort zur richtigen Zeit – und dies, ohne dass jemand von der IT jedes Mal die Datenbank bemühen muss. 

ITM: Wurden diese Zusatzfunktionen denn sofort von den Nutzern angenommen?
Zimmermann: Wir haben das Modul abteilungsweise eingeführt und zwar dort, wo die Bedürfnisse am größten waren. Uns war klar, dass dort der Nutzen sehr hoch ist und damit dann auch die Akzeptanz. Und wenn man schon einmal gewisse Leute zumindest an Bord hat, wird es einfacher, ein solches Modul auch in Abteilungen einzuführen, die den Nutzen vielleicht nicht sofort sehen. So konnten wir mit konkreten Beispielen aus dem Einsatz bei Thermoplan die neuen Funktionen vorstellen. Auf diese Weise wollen wir das nun kontinuierlich vorantreiben. 

Achermann: Es ist grundsätzlich so: Wenn wir neue Funktionen vorstellen, dann sagen wir nicht einfach: „So, hier habt ihr diese Funktion, nutzt sie bitte!“ Es ist uns wichtig, dem Business aufzuzeigen, was möglich ist, und einen gewissen Nachfragedruck auszulösen. Denn schlussendlich machen wir so etwas nicht für uns in der IT. Unsere Aufgabe ist es, den Nutzern Technologien bereitzustellen, mit denen sie ihre Arbeit bestmöglich erfüllen können. Und wenn wir ihnen zeigen, wie sie beispielsweise ein solches Modul in ihrem Job unterstützt, dann ist die Akzeptanz auch groß. 

Zimmermann: Wir haben das KI-Modul zuerst in der Beschaffung eingeführt, die auch sehr gut darauf angesprungen ist. Dann kam die Export-Abteilung. Und eine Person aus dem Sales hat sofort damit begonnen, sich Dashboards zusammenzustellen. Dieser Mitarbeiter ist jetzt auch in unserer KI-Gruppe. Außerdem ist auch Thermoplan Deutschland an den KI-Funktionen interessiert. Die Kollegen dort werden demnächst geschult.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 4/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITM: Was hat es mit dieser KI-Gruppe auf sich?
Zimmermann: Asseco hat uns gefragt, ob wir sie bei der Entwicklung der KI-Technologie unterstützen möchten. So haben wir eine interne KI-Gruppe gegründet, in der mittlerweile drei Mitarbeiter vertreten sind. Neben dem Sales-Mitarbeiter sind das noch ein Kollege aus der IT sowie meine Wenigkeit. Wir geben nun Rückmeldungen an den Dienstleister, die dort für die Entwicklung genutzt werden. In regelmäßigen Terminen geben wir unsere Erkenntnisse weiter oder nennen Beispiele, wie das KI-Modul genutzt wird. 

ITM: Künstliche Intelligenz hört sich nach Komplexität an. War es aufwändig, die Nutzer zu schulen?
Zimmermann: Nein. Es gibt eigentlich keine Komplexität. Das Bedienkonzept ist übersichtlich und relativ einfach zu erklären. Der Aufwand für die Schulungen ist überschaubar. 

ITM: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Asseco?
Zimmermann: Die Zusammenarbeit läuft sehr gut. Die Kommunikation findet auf Augenhöhe statt. Ich habe mit dem Verkaufsleiter schon seit vielen Jahren einen sehr guten Kontakt. Wir finden mit unseren Anliegen immer ein offenes Ohr. Aber man spürt, dass beide Seiten unter dem Fachkräftemangel leiden. Es kostet manchmal Mühe, die Ressourcen bereitzustellen. 

ITM: Wie gehen Sie damit um?
Achermann: Es ist ganz wichtig, dass wir von Anfang an die richtigen Anforderungen an das Produkt oder die Dienstleistung stellen – Stichwort „Requirements Engineering“. Wir müssen sehr stark darauf achten – sowohl intern als auch gemeinsam mit dem Partner –, dass wir die Spezifikationen möglichst verständlich für alle machen. Und erst dann sollte man loslegen. Die Planung muss effizient sein. 

ITM: Wenn auch Thermoplan unter dem Fachkräftemangel leidet, sind solche KI-Funktionen wahrscheinlich umso wichtiger, um die IT-Abteilung zu entlasten.
Zimmermann: Das ist richtig. Wir haben in vielen Bereichen Probleme, die passenden Leute zu finden – sei es in Forschung, Entwicklung oder eben in der IT. Das ist eine große Herausforderung, nicht nur für uns, sondern für alle Unternehmen im Markt. 

ITM: Gibt es weitere Zusatzmodule, die Sie in Verbindung mit dem ERP-System nutzen?
Zimmermann: Ja, wir nutzen noch iSendIt. Das ist ein Tool, mit dem sich direkt Spediteure oder Transporteure anbinden lassen. Das ERP erzeugt im Warenausgang im Hintergrund ein Daten-File beispielsweise an die Schweizer Post. Die weiß dann, dass ein Paket zur Lieferung bereitsteht. Gleichzeitig wird ein entsprechendes Etikett ausgedruckt, das auf das Paket geklebt und vom Transportdienstleister gescannt wird. 

ITM: Sie hatten auch die Digitalisierung in der Intralogistik und den Einsatz von fahrerlosen Transportsystemen angesprochen. Gibt es dort auch eine Verknüpfung zum ERP?
Zimmermann: Die FTS bekommen ihre Aufträge vom Lagerlogistiksystem. Zwischen diesem und dem ERP gibt es eine XML-Schnittstelle. Der Datenaustausch per Webservices zwischen diesen beiden Systemen funktioniert sehr gut. Wir hatten zu Beginn etwas Probleme mit der Performance, weil es sich um sehr viele Daten handelt. Doch das haben wir mittlerweile gut in den Griff bekommen. 

ITM: Welche IT-Projekte stehen bei Ihnen als nächstes auf der Roadmap?
Achermann: Wir haben eine relativ komplexe Applikationslandschaft. Und wenn wir die Vernetzung voranbringen und die Datenhaltung möglichst einfach halten wollen, dann müssen wir die Zahl der Systeme reduzieren. Das betrifft auch Schnittstellenthematiken, die sich natürlich auf die Kosten auswirken. Und man braucht auch das Know-how der Mitarbeiter. Das alles wird immer schwieriger, weil unsere Systeme sehr fragmentiert sind. Es gibt also viel Potenzial für eine Konsolidierung. Doch diese umzusetzen, wird sicherlich eine große Herausforderung sein. 

ITM: Können Sie ein Beispiel für diese Heterogenität nennen?
Zimmermann: Wir betreiben z.B. zwei Dokumenten-Management-Systeme (DMS), die historisch entstanden sind. Ein DMS ist in der Entwicklung und Forschungsabteilung angesiedelt, das andere im Kaufmännischen Bereich. Es wäre natürlich sinnvoll, nur noch mit einem DMS zu arbeiten und dieses mit dem ERP zu verknüpfen.

Achermann: Pro.File von Procad ist schon seit längerem als Daten-Management-System vor allem in der Entwicklung im Einsatz. Jetzt geht es einfach darum, die Software auf alle Geschäftsbereiche auszudehnen. Wir haben aber schon damit begonnen, Pro.File als zentrales DMS zu positionieren. Alle Themen rund um die Datenablage, die neu hinzukommen, decken wir nun mit Pro.File ab – sei es im Finanzbereich, in Human Resources (HR) oder sonst wo.

ITM: Gibt es weitere Dinge, mit denen Sie sich beschäftigen?
Achermann: Ja, das ist das ganze Thema „Daten“. Es geht dabei um die Frage, wie wir die Daten, die uns heute zur Verfügung stehen, nutzen können, um unsere Produkte noch besser und noch zuverlässiger zu machen. Welche Daten können uns einen Nutzen für gewisse Analysemöglichkeiten bieten? Oder wie können die Daten im Servicegeschäft hilfreich sein? Wenn man sich auf die Daten verlassen kann, dann lässt sich viel Zeit einsparen, weil unsere Kunden keinen Servicetechniker rausschicken müssen, um sich die Maschinen anzuschauen. Als nächstes wird es außerdem darum gehen, wie sich die Daten nutzen lassen, damit sie zusätzliche Mehrwerte für unsere Kunden haben oder neue Geschäftsmodelle für unsere Partner ermöglichen. Das, so denke ich, ist dann die Königsdisziplin. 

ITM: Damit beschäftigen sich zurzeit ja sehr viele Unternehmen. Es werden große Mengen an Daten gesammelt. Doch dann stellt sich die Frage: Was macht man damit?
Achermann: Man muss zuerst genau verstehen, was man überhaupt erreichen will, bevor man sich um die Tools kümmert. Was wir heute schon machen und auch gut machen: Wir setzen auf unserer Azure Cloud den Azure Data Explorer ein. Damit lassen sich die Daten einfach clustern und schnelle Abfragen umsetzen. Und wir haben natürlich auch Power-BI-Systeme im Einsatz, an die wir unterschiedliche Datenquellen anbinden können und so auch Auswertungen tätigen können. 

ITM: Apropos Cloud: Gibt es Überlegungen, auch das ERP in die Cloud zu verlagern?
Zimmermann: Im Moment betreiben wir das ERP noch On Premises. Das gilt auch für die meisten Systeme bei Thermoplan. Doch wir beschäftigen uns mit dem Thema. Wir schauen uns gerade Cloud-Lösungen aus Sicht der IT-Infrastruktur an. 

ITM: ERP-Lösungen galten lange als die Systeme, die als letztes in die Cloud gehen werden.
Zimmermann: Es kommt darauf an, wie man die Daten sieht. Ich denke, für uns sind wahrscheinlich Daten in der Entwicklung und in der Forschung sensibler als z.B. kaufmännische Daten.

Achermann: Das Wichtigste ist, dass wir jeden Tag produzieren können. Wir fertigen ja auf Kundenbestellung. Und in diesem Zusammenhang ist die Verfügbarkeit der produktionskritischen Systeme extrem relevant. Mit dem Neubau unseres Werks wird sich unsere Produktion noch verdoppeln. In diesem Zusammenhang bekommen Überlegungen über Themen wie On Premises, Hybrid oder Cloud natürlich auch eine neue Bedeutung. Das müssen wir jetzt genau anschauen und analysieren. Daneben spielt natürlich die Sicherheit eine wichtige Rolle. 

ITM: Wie digitalisiert ist denn Ihre Fertigung? Kann man schon von einer Smart Factory sprechen?
Zimmermann: Wir sind in der Produktion schon sehr weit. Alle Produktionsaufträge sind auf Tablets verfügbar. FTS transportieren das Material. Der Automatisierungsgrad ist hoch. Wir werden allerdings keine Menschen durch Roboter ersetzen, wie das etwa in der Autoindustrie geschieht. Bei Kaffeemaschinen ist das nicht möglich, weil die Arbeit sehr filigran ist.

Achermann: Das Thema „Automatisierung in der Produktion“ ist immer eines der Topthemen, denn wir produzieren in der Schweiz und wollen auch hier bleiben. Daher sind immer Prozessoptimierungen im Gange. Nicht nur in der Produktionsplanung, sondern z.B. auch bei den Layouts. Wir wollen schnell und effizient sein, um möglichst viele Maschinen in kürzester Zeit ohne Kompromisse bei der Qualität herzustellen. Das verstehen wir unter Smart Factory. Und wir arbeiten unentwegt daran, auch noch das letzte Prozent herauszuholen.  

Die Thermoplan AG ...

... entwickelt und produziert Kaffeevollautomaten für Gastronomie, Hotellerie und Gewerbe. Das Unternehmen wurde 1974 von Esther und Domenic Steiner gegründet. Der Hauptsitz befindet sich in Weggis im Kanton Luzern in der Schweiz. Thermoplan beschäftigt 440 Mitarbeiter. Die Produkte werden über Distributoren weltweit in über 80 Ländern vertrieben. Zu den Endkunden zählen u.a. Starbucks, Costa Coffee und Nestlé Nespresso.

Philipp Achermann
Alter: 45 Jahre
Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
Werdegang: gelernter Kaufmann; Weiterbildungen im Tourismus; Master in Marketing und kurz vor Abschluss zum MBA in Leadership und Management; Marketing und Verkaufs-Background im Tourismus, in der Dental- und Bürobranche; seit vier Jahren bei Thermoplan
Aktuelle Position: als CDO verantwortlich für den Bereich „Digital Business“

Uwe Zimmermann
Alter: 47 Jahre
Familienstand: verheiratet, ein Kind
Werdegang: gelernter Möbelschreiner; Ausbildung zum Technischen Kaufmann und vor drei Jahren Ausbildung zum Wirtschaftsinformatiker; seit November 2004 bei Thermoplan
Derzeitige Position: Projektmanager Digitale Transformation 

Bildquelle: Claus Uhlendorf 

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