„Die Kehrseite von KI hängt mit ihrer Entwicklung in den vergangenen Jahren zusammen“, betont Axel Hinze.
ITM: Herr Hinze, welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz (KI)
im Alltag der Deutschen?
Axel Hinze: KI zählt zu den ganz großen transformativen Technologien unserer Zeit. Sie hat sich in einem enormen Tempo entwickelt. Nicht nur Unternehmen schwören auf sie. Auch im Alltag nimmt KI mittlerweile eine wichtige Rolle ein, beispielsweise in Verbindung mit Sprachassistenten in Smartphones oder smarten Lautsprechern. Ein kurzer Sprachbefehl reicht, um Auskunft über das kommende Wetter zu bekommen, das Licht zu steuern oder nach dem kürzesten Weg zu fragen. Auch im Haushalt kommt KI zum Einsatz, etwa in Saug- oder Mährobotern. Kurz: KI erleichtert unseren Alltag.
ITM: Welche Chancen bietet sie wiederum für mittelständische
Unternehmen?
Hinze: Für mittelständische Unternehmen hat sich KI zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor entwickelt. Ein paar Beispiele: Sie ermöglicht die Automatisierung und Optimierung von Prozessen und die effiziente Nutzung von Daten. Das gilt u.a. für Bereiche in der Logistik. Algorithmen informieren darüber, welche Ware im Lager vorrätig ist und welche beschafft werden muss. Damit können sich Lieferkettenengpässe verhindern und Kosten sparen lassen. Ein weiteres Einsatzgebiet betrifft den Kundenservice. Hier sorgen Chatbots dafür, dass Kunden schnell und einfach Unterstützung bekommen. Das verbessert die Beziehung zu Kunden und stärkt so die Kundenbindung. KI sollte für alle Mittelständler ganz oben im Pflichtenheft stehen.
ITM: Wie sieht hier die Kehrseite der Medaille aus?
Hinze: Die Kehrseite von KI hängt mit ihrer Entwicklung in den vergangenen Jahren zusammen. Sie hat sich schneller entwickelt als gesetzliche Regulierungen. Es fehlt an einer übergeordneten Instanz, die Themen wie Transparenz und Nachvollziehbarkeit, Diskriminierung und Gerechtigkeit und die Achtung der Menschenrechte beim Einsatz im Blick behält. Es geht also auch um ethische Aspekte. Es existieren Fälle, die zeigen, dass schon in der Programmierung von KI-Lösungen gegen ethische Prinzipien verstoßen wurde. Das hat dann direkte Auswirkungen auf einzelne Menschen, beispielsweise bei der Personalauswahl oder bei Sicherheitskontrollen. Und es führt zu teils schwerwiegenden geschäftlichen und rechtlichen Konsequenzen. Neben diesen ethischen Faktoren gibt es auch technische Herausforderungen. Roboter, denen nur eine bestimmte Tätigkeit beigebracht wurde, wissen zum Teil nicht, wie sie sich in unvorhergesehenen Situationen verhalten sollen. Programmierer müssen also geschult werden, und daraus ergeben sich Kosten.
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ITM: KI sollte also ethisch und verantwortungsvoll entwickelt werden. Wie können Unternehmen diese Herausforderung angehen?
Hinze: Unternehmen können vieles tun, um einen „Ethics by Design“-Ansatz bei der Erstellung entsprechender Algorithmen zu fördern. Zum Beispiel kann ein externer KI-Ethikrat dabei helfen, Transparenz und Verantwortlichkeit schon in der Entwicklung zu verankern. Außerdem müssen konkrete und rechtlich verbindliche Rahmenbedingungen für Algorithmen und Daten geschaffen werden, um Diskriminierung zu verhindern. Wichtig ist vor allem, dass sich Regulierung und Aufsicht über die komplette Wertschöpfungskette erstrecken: von KI-Entwicklern über nutzende Unternehmen und Regierungen bis hin zu Verbrauchern.
ITM: Wie kann sichergestellt werden, dass keine Vorurteile und Diskriminierungen die Entscheidungen beeinflussen?
Hinze: Hier steht die Programmierung im Mittelpunkt. Es muss frühzeitig Einigkeit darüber bestehen, welche Kriterien als diskriminierend und damit inakzeptabel definiert werden sollen. Außerdem braucht es ein Bewusstsein dafür, wann Gefahren für unethisches Verhalten drohen. KI-Entscheidungen selbst müssen stets nachvollziehbar und transparent sein. Dann verdient sich KI das Vertrauen und die Akzeptanz von Menschen.
Bildquelle: Orange Business Services