„Wir planen, unsere Fahrzeugflotte komplett auf E-Mobilität umzustellen“, so Christian Kaluza von Windcloud.
ITM: Herr Kaluza, welchen Stellenwert besitzt das Thema „Nachhaltigkeit“ aktuell im deutschen Mittelstand?
Christian Kaluza: Vor zwei Jahren war das noch kein großes Thema. Heute merkt man aber, dass auch beim Mittelstand die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen steigt, da generell das Bewusstsein für Nachhaltigkeit gestiegen ist und mittelständische Unternehmen sich auf ein verändertes Marktumfeld einstellen müssen. Außerdem steigt die Wirtschaftlichkeit von nachhaltigen Produkten bzw. Dienstleistungen.
ITM: Was trägt besonders stark zu hohen CO2-Emissionen bei?
Kaluza: Durch zunehmende Digitalisierung steigt der Bedarf an nachhaltigen Infrastrukturen. Das macht sich in der Energiebilanz bemerkbar, wodurch auch die CO2-Emissionen in diesem Bereich steigen. Vor allem Netzwerke und Rechenzentren sind hier der Treiber. So verbrauchen Rechenzentren weltweit derzeit schon etwa 500 Mrd. kWh Strom pro Jahr. Schätzung zufolge werden Rechenzentren 2030 bis zu sieben Prozent des globalen Strombedarfs ausmachen. Digitale Technologien waren 2018 bereits für 3,7 Prozent der globalen CO2-Emission verantwortlich und damit mehr als die gesamte Luftfahrt.
ITM: Wo sollten Unternehmen demnach als erstes ansetzen, wenn sie nachhaltiger werden wollen?
Kaluza: Als erstes ist es wichtig, ein nachhaltiges Bewusstsein im Unternehmen zu schaffen, damit in allen Bereichen etwa CO2-Emissionen erkannt und eingespart werden können. Digitalisierung spielt dabei eine wichtige Rolle, da durch die Wahl nachhaltiger Anbieter effektiv CO2 eingespart werden kann.
ITM: Welche Rolle spielen beispielsweise Device Refurbishment, erneuerbare Energien oder E-Mobilität?
Kaluza: Erneuerbare Energien sind teilweise im Überfluss vorhanden, können aber nicht verbraucht werden, da die Übertragungsnetze zu den Industrie- und Wirtschaftszentren fehlen. Ein Ansatz wäre, den Standort nach dem Energiebedarf zu wählen und damit Strom dort zu verbrauchen, wo er im Überschuss vorhanden ist, etwa im Norden Deutschlands.
ITM: Welche Hürden müssen Mittelständler dabei oftmals meistern?
Kaluza: Es muss eine Kultur für mehr Nachhaltigkeit geschaffen werden. Zudem ist ein Wandel oft mit Kosten verbunden, die sich im Bereich „Nachhaltigkeit“ aber schnell rechnen sollten.
ITM: Inwieweit lassen sich Digitalisierung und Nachhaltigkeit miteinander vereinen?
Kaluza: Digitalisierung und Nachhaltigkeit lassen sich sehr gut vereinen, etwa durch die Wahl eines nachhaltigen Rechenzentrums- bzw. Cloud-Anbieters. Rechenzentren können CO2-frei betrieben werden, wenn entsprechende Mengen erneuerbarer Energien vorhanden sind. Zudem kann die entstehende Abwärme genutzt werden, beispielsweise in Nahwärmenetzen oder in Gewächshäusern. Das führt nicht nur zu mehr Nachhaltigkeit, sondern auch zu einer höheren Wirtschaftlichkeit.
ITM: Welche Fehler machen Unternehmen häufig, die durch Digitalisierung nachhaltiger werden möchten?
Kaluza: Nur einzelne Bereiche zu betrachten, anstatt die digitale Infrastruktur des Unternehmens als Ganzes zu prüfen. Sicherlich ist es sinnvoll, energieeffizientere Hardware anzuschaffen. Wenn jedoch der Strom weiterhin nicht grün ist, ist nicht das ganze mögliche Potenzial ausgeschöpft.
ITM: Inwieweit können externe Berater bei der Erstellung einer Nachhaltigkeitsstrategie Hilfe leisten?
Kaluza: Externe Berater sind sehr hilfreich. Zum einen kennen sie die Herausforderungen der Unternehmen und haben das Wissen zu nachhaltigen Produkten und Dienstleistungen aus allen Unternehmensbereichen. Zum anderen nehmen sie eine Perspektive von außen ein und sehen so Punkte, die man im Unternehmen sonst nicht erkennen würden.
ITM: Wie bemüht sich Ihr Unternehmen, den eigenen CO2 Footprint möglichst gering zu halten?
Kaluza: Zentral ist, dass unser Geschäftsmodell aus einem nachhaltigen Gedanken entstanden ist und damit in allen Punkten Nachhaltigkeit eine der wichtigsten Rollen spielt. Zudem versuchen wir den Unternehmensalltag möglichst nachhaltig zu organisieren. Wir planen, unsere Fahrzeugflotte komplett auf E-Mobilität umzustellen, und ermöglichen Mitarbeitern, viel Arbeit aus dem Homeoffice zu erledigen, was CO2-Emissionen durch Mobilität einspart.
Bildquelle: Windcloud